Das globale Transaktionsgeschäft scheint sich allmählich zu erholen. Mitten im August wurden M&A-Transaktionen im Volumen von rund 173 Mrd Dollar angekündigt. Was in der Rohstoff-, Energie- und EDV-Branche schon in grossem Stil im Gange ist, könnte demnächst auch für andere Sektoren wie die Finanzdienstleistungsbranche gelten. Den möglichen Startschuss zu einer möglichen grenzüberschreitenden Übernahmewelle im Bankensektor gab die britische Grossbank HSBC, die Interesse anmeldete, die Mehrheit an der südafrikanischen Nedbank zu erwerben.

Trotz der aus der Not entstandenen Konsolidierung im spanischen Sparkassensektor und einzelnen Transaktionen lässt der grosse Durchbruch noch auf sich warten. Laut einer Studie von PricewaterhouseCoopers (PwC) verzeichnete der europäische Finanzmarkt im 1. Quartal 2010 nur wenige grosse Transaktionen - ganz im Gegensatz zum asiatischen Markt. Laut PwC wurden auf den Finanzmärkten Europas im 1. Quartal nur zwei Transaktionen im Wert oberhalb 1 Mrd Euro durchgeführt (siehe Tabelle).

Für den weiteren Jahresverlauf sind die Experten optimistischer, wobei das Aktionsfeld vor allem in Deutschland und Spanien liegen soll. Neben den geringeren Refinanzierungskosten, der besseren Bilanzqualität und den hohen Cash-Beständen könnten auch die tiefen Bewertungen und der gesunkene Euro grenzüberschreitende M&A-Transaktionen begünstigen. So notieren europäische Aktien derzeit im Schnitt mit einem hohen Discount zu amerikanischen Papieren. Für eine stärkere Konzentration bei Bankaktien sprechen auch die vergleichsweise geringe Konzentration und das hohe Restrukturierungspotenzial. Dagegen spricht die Unsicherheit über den künftigen Regulierungsgrad gegen eine verstärkte Übernahmewelle in diesem Sektor. Die Aktivitäten dürften sich zunächst auf wenige Länder beschränken.

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Die Top-Spots

Mit Blick auf die Grösse eröffnet der deutsche Bankensektor die grössten Opportunitäten für mögliche ausländische Interessenten hinsichtlich des Synergie- und Geschäftspotenzials. Unter dem Druck der Europäischen Kommission sind einzelne Landesbanken wie die West LB, Bayern LB, LBBW sowie die Commerzbank gezwungen, nicht betriebsnotwendige Beteiligungen zu veräussern, um damit die Bilanzen zu verkleinern. Nach dieser Bereinigung dürften diese Institute zu potenziellen Übernahmekandidaten werden. In Spanien hingegen dürfte die Konsolidierung eher unter den heimischen Instituten erfolgen. Von den 45 Sparkassen des Landes sind 39 Institute in 12 Fusionsprojekte involviert. Vor der Megafusion von Caja Madrid und Bancaja schlossen sich bereits einige Sparkassen zusammen. Angesichts der sich verstärkenden Wirtschaftskrise dürfte auch der griechische Bankenmarkt neu verteilt werden. Mittel- bis langfristig ist davon auszugehen, dass nur zwei oder drei Grossbanken die Krise überleben werden. Den Startschuss dazu hat die Piraeus Bank mit dem Gebot für die staatlichen Beteiligungen an der Landwirtschaftsbank ATE und der Postbank abgegeben.

Käufer in der Schweiz

Auch auf dem Schweizer Bankenplatz dürften die Steuerverhandlungen mit der EU nicht nur entscheidende Auswirkungen für Schweizer Banken, sondern auch für die Niederlassungen von ausländischen Finanzinstituten in der Schweiz haben. Infolgedessen ist anzunehmen, dass verschiedene Auslandsbanken ihren Schweizer Standort wegen sinkender Profitabilität hinterfragen werden, woraus sich durchaus interessante Übernahmeobjekte ergeben könnten.

Als mögliche Käufer könnten grössere Schweizer Privatbanken, aber auch die Gewinner der Finanzkrise, z.B. die Kantonalbanken, oder aber auch in- und ausländische Investoren, die in ausgewählten Kundenmärkten interessante Wachstumsmöglichkeiten sehen, auftreten.