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ZKB
Überraschend ist das alles nicht

Samuel Gerber, Redaktor «Handelszeitung»

Grosse Aufregung um die Zürcher Kantonalbank, weil sie als systemrelevant gilt. Der Fall zeigt, dass die Schweizer Aufsicht zunehmend effizienter arbeitet - und er ist die Folge eines globalen Trends.

Von Samuel Gerber
am 13.11.2013

Grosse Aufregung um die Zürcher Kantonalbank. «Die ZKB wird systemrelevant», titelte die «NZZ». «Eine Knacknuss für die ZKB», wusste der «Tages-Anzeiger». Der «Blick» wagte sich gar an eine Gleichung. «Darum ist die ZKB jetzt eine UBS», rechnete das Boulevardblatt vor.

Unmittelbar auf die Schlagzeilen folgten die erwartbaren Forderungen. Die lukrative Staatsgarantie für das Institut gehöre abgeschafft. Der ZKB-Bankrat müsse umgestaltet werden. Dem (oftmals unglücklichen) Auslandengagement der Zürcher gehöre endlich ein Riegel vorgeschoben. Kein Zweifel - die Führung der grössten Schweizer Kantonalbank muss in den nächsten Tagen unangenehme Fragen zuhauf beantworten.

Im Publikum hingegen werden sich nicht wenige fragen: Das hatten wir doch schon mal.

Die Maschinerie schaltet einen Gang höher

Vor wenigen Tagen sorgte die grösste Bank im Land, die UBS, für Schlagzeilen. Die Öffentlichkeit nahm staunend zur Kenntnis, dass die Grossbank aufgrund drohender Rechtsrisiken weitere Reserven aufbauen muss. Zeitgleich lancierte Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf den Vorschlag, die Leverage-Ratio (das Verhältnis von Bilanzsumme zum Eigenkapital) bei Schweizer Banken zu erhöhen. Mit weiteren Überraschungen dieser Art ist leider zu rechnen. Die eben erst aus der Taufe gehobene Postbank Postfinance, die forsch wachsenden Genossenschaftsbanken von Raiffeisen und die Schweizer Börsenbetreiberin SIX könnten bald ebenfalls als relevant fürs Schweizer Finanzsystem erklärt werden.

Nur: Überraschend ist das eigentlich nicht. Was in der Schweiz für Schlagzeilen sorgt, ist direkte Folge einer weltweit arbeitenden Gesetzesmaschinerie. Die hat eben den zweiten Gang eingelegt.

Bisher kümmerten sich die Aufsichtsbehörden um die dreissig für das globale Finanzsystem relevanten Banken. In der Schweiz passte dieses Etikett auf UBS und CS. Nun interessieren sich die Gesetzgeber für die nächsttiefere Stufe. Welche Banken, so fragen sie, sind «too big to fail» für ihr jeweiliges Land? Rund um die Schweiz sind mit Blick auf die EU-Bankenunion die Vorarbeiten in vollem Gange. Die Europäische Zentralbank wird dazu rund 130 Banken auf Unionsgebiet einem Stresstest unterziehen. Dann weiss sie, wo sie den Finger draufhalten muss, wo es zusätzliche Sicherungen braucht – und wird mit enstprechenden Weisungen antworten. Überraschend wäre, wenn die Schweizer Aufsichtsbehörden sich diesem Tun entziehen würden.

Effiziente Behörden, handzahme Banken

Tatsächlich zeigt die Causa ZKB, dass die Maschinerie der Schweizer Aufsicht zunehmend effizienter arbeitet. Weder kam es im Vorfeld zu Indiskretionen – wie damals bei der Nationalbank-Rüge an Credit Suisse – noch zum Gerangel zwischen Behörden wie bei den antizyklischen Puffern für den Hypothekenmarkt. Die Nationalbank überbrachte die Weisung an die ZKB mit Hinweis auf die Absprache mit der Finanzmarktaufsicht Finma. Ihrerseits gab sich die Kantonalbank ungewohnt handzahm.

Dass sie auch anders kann, zeigte eine Episode aus dem Jahr 2011. Damals sickerte ein Finma-Brief mit Weisungen an die ZKB an die Presse durch, der dann in der Zürcher Politik für reichlich Ressentiments gegenüber «Bern» sorgte. Banken und Behörden scheinen besser zusammenzuarbeiten. Das ist nicht unwesentlich. Denn die Deadline für die Umsetzung der neuen Bankgesetze rückt immer näher.

Gleichzeitig sucht sich die Maschinerie neue Ziele. Diesen Sommer wurden neun global tätige Versicherer als systemrelevant befunden, darunter die in der Schweiz aktiven Axa und Allianz. Nächstes Jahr wird die Liste um Rückversicherer ergänzt. Die rollende Gesetzeswelle mag man begrüssen oder verdammen. Nur überrascht sein sollte man nicht.

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