Die ungarische Zentralbank hat den Leitzins nicht angehoben - eine grosse Überraschung für die Finanzexperten. Der Leitzins bleibt damit weiterhin bei 7 Prozent, teilte die Notenbank am Dienstag mit.

Im Krisenland Ungarn gibt es den derzeit höchsten Leitzins innerhalb der Europäischen Union. Das osteuropäische Land ist EU-Mitglied, aber nicht in der Eurozone.

Von den 21 Volkswirten, die die Nachrichtenagentur Bloomberg befragt hatte, rechneten 15 Experten mit einem Anstieg des Leitzins um 0,50 Prozentpunkte. Fünf Volkswirte hatten einen Zinsschritt um 0,25 Prozentpunkte prognostiziert. Nur ein einziger der befragten Experten hatte zuvor den unveränderten Leitzins der ungarischen Notenbank erwartet.

Die Zentralbank erhöhte den Leitzins letztmals im Dezember von 6,5 auf 7 Prozent. Am europäischen Anleihenmarkt werden ungarische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren aktuell mit einem Zinssatz von 8,93 Prozent gehandelt.

Die ungarische Notenbank hat zuletzt den Leitzins erhöht, um den ungarischen Forint vor einer weiteren Abschwächung zu schützen. Zuletzt hatte sich die Flucht aus dem Forint etwas abgeschwächt und die hohen Risikoaufschläge für ungarische Staatsanleihen sind etwas gesunken.

Im vergangenen Jahr hatte Ungarn den Internationalen Währungsfonds (IWF) und die EU um Finanzhilfe gebeten. Nach der Herabstufung der Kreditwürdigkeit auf Ramsch-Status hatte der ungarische Forint zeitweise massive Kursverluste verzeichnet. Am Morgen waren die 27 Finanzminister der EU-Staaten in Brüssel zusammengekommen, um über laufende Defizitstrafverfahren zu beraten. Sie wollen Ungarn unter Druck setzen, das seinen Haushalt nur mit Einmalmassnahmen saniert und damit EU-Vorgaben verletzt. Im weiteren Verlauf der Prozedur riskiert Budapest, dass milliardenschwere Fördergelder aus Brüsseler Töpfen auf Eis gelegt werden.

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(chb/aho/awp)