Branchenkenner gehen davon aus, dass die Entwicklung an den Aktienmärkten nach einem kurzen, aber heftigen Abschwung in eine baldige Erholungsphase übergehen könnte.

Signale von Amabac und MBIA

An den Kreditmärkten zeichnet sich jedoch ein deutlich düstereres Szenario ab. Die Marktdaten von Anleihen lassen Experten auf eine Rezessionsdauer von 24 bis 36 Monaten schliessen. Schätzungen gehen von einer massiven Ausfallrate bei Unternehmensanleihen aus. Um die erwartet hohen Werte zu erreichen, müsste die Zahl der Firmenpleiten auf dem Niveau der grossen Depression liegen. Doch: «Die Ausfallszenarien sind übertrieben, obschon die effektiven Ausfälle in den nächsten Monaten ansteigen werden», so Alessandro Bee, Ökonom der Bank Sarasin.Die Quartalsergebnisse der beiden grössten US-Bondversicherer Ambac am 25. Februar und MBIA am 3. März werden weiter Aufschluss geben. «Die Zahlen der Kreditversicherer können eine Signalwirkung über die USA hinaus haben», so Bee. Fallen sie wie im letzten Jahr unter den Erwartungen aus, hätte das negative Auswirkungen auf den Kapitalmarkt. So könnten sich etwa die Zinsaufschläge für Unternehmensanleihen, die Credit Spreads, weiter ausweiten.Kreditversicherer erlauben es Gemeinden mit tiefem Kreditrating, die Kosten für die Aufnahme von Anleihen zu senken. Doch vor allem MBIA leidet unter der Finanzkrise und soll durch die Aufspaltung in zwei unabhängige Teilgesellschaften gerettet werden. Seit das Unternehmen im letzten Jahr sein Triple-A-Rating verloren hat, reduzierte Moody’s die Bewertung mehrmals. Standard & Poor’s hat vor wenigen Tagen das Kreditrating von MBIA gleich mehrere Stufen zurückgenommen.

Auf solide Werte setzen

Experten raten, im schwierigen Umfeld hochqualitative Wertpapiere zu bevorzugen. Die Credit Suisse empfiehlt Unternehmensanleihen zugunsten von Covered Bonds zu reduzieren. Die durch staatliche Garantien gestützten Obligationen sind dabei im Fokus. Defensive Sektoren, wie Versorger, Pharma und Telekommunikation stehen im Vordergrund. Auch Staatsanleihen sind momentan, trotz der relativ geringen Renditen, attraktiv. Der sichere Hafen ist gesucht und das rezessive Umfeld treibt die Preise für Staatspapiere in die Höhe. Anleger sollten dennoch verstärkt auf defensive Länderrisiken setzen. Das gilt auch für Anleihen aus dem Euroraum. Jedoch halten es Marktbeobachter trotz der steigenden Haushaltsdefizite weiterhin für unrealistisch, dass die Währungsunion bröckeln könnte.Italien, Spanien, Belgien und Irland hatten zuletzt für Schlagzeilen gesorgt. Nun droht durch die Schräglage osteuropäischer Banken neues Ungemach. Experten gehen davon aus, dass es zu gefährlich wäre, einzelne Staaten fallen zu lassen. Zwar ziehen in jüngster Zeit die Spreads für gewisse EU-Mitglieder stark an. Die Konsequenzen eines Staatsbankrotts müssten de facto von allen Mitgliedern der EU übernommen werden. «Deutschland ist gefährdeter, als gemeinhin angenommen wird», so Alessandro Bee von der Bank Sarasin. Schwache Staaten werden notgedrungen Unterstützung erhalten müssen. Die Folgen der Lehman-Pleite haben gezeigt, dass negative Rückwirkungen auch auf relativ gesunde Systeme zu erwarten sind. Diese Lehre wird sich die EU zu Herzen nehmen. «Die EU-Staaten werden eine Lösung finden, um kein Mitglied fallen zu lassen», so Karsten Linowsky, Analyst bei der Credit Suisse.

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Die Schweiz steht nicht abseits

Die Risiken der Schweiz sind derzeit berechenbarer. Die Schuldenbremse und der bisherige verzicht auf Konjunkturpakete sorgen dafür, dass die Bundesfinanzen stabiler sind. Dennoch: «Der Schweizer Markt ist nicht gänzlich unabhängig, das zeigen auch die steigenden Zinsen bei Staatsanleihen», sagt Karsten Linowsky von der Credit Suisse.