Die Übernahmekommission UEK hat Forderungen der Klinik- und Hotelbetreiberin Aevis Victoria gegenüber Lifewatch abgelehnt. Der Bericht des Verwaltungsrates von Lifewatch zum öffentlichen Kauf- und Umtauschangebot von Aevis Victoria entspreche den gesetzlichen Bestimmungen, heisst es in einer Mitteilung der UEK.

Aevis hatte mit einem Antrag versucht, Robert Bider, den Verwaltungsratspräsidenten von Lifewatch, wieder in den unabhängigen Ausschuss einzusetzen.

Informationen ausreichend

Der Ausschuss des Lifewatch Verwaltungsrates, der den Aktionären am 10. März die Ablehnung der Offerte von Aevis empfohlen hatte, war nur mit vier unabhängigen Verwaltungsräten besetzt. Bei Verwaltungsratspräsident Bider sowie den Mitgliedern Antoine Hubert und Antoine Kohler wurden Interessenkonflikte festgestellt oder vermutet. Alle drei waren an der GV vom 15. April 2016 auf Antrag der Aevis in den Lifewatch-VR gewählt worden. Hubert und Kohler haben daraufhin ihren Rückzug aus dem Gremium angekündigt und treten an der kommenden GV nicht mehr zur Wiederwahl an.

Die UEK ist der Ansicht, dass die Einschätzung, die der unabhängige Ausschuss des Verwaltungsrates von Lifewatch über die Interessenkonflikte abgegeben hat, zulässig ist.

Telemedizin stärken

Zudem waren die Informationen, die in dem Bericht enthalten sind, ausreichend, um den Empfängern des Angebots, also den Lifewatch-Aktionären, zu erlauben, ihre Entscheidung in Kenntnis der Sachlage zu treffen, schreibt die Kommission.

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Ausserdem stellte die UEK fest, dass Lifewatch das Gleichbehandlungsprinzip gegenüber Aevis in Bezug auf den Zugang zu einer Due Diligence nicht verletzt habe.

Die Klinik- und Hotelbetreiberin Aevis Victoria will Lifewatch übernehmen und damit die eigene Telemedizin stärken. Lifewatch hingegen lehnt das Angebot ab und kann sich auch einen Alleingang vorstellen.

Uneinigkeit zur Übernahme

Ein Zusammenschluss mit Aevis Victoria würde keine Synergien in genügendem Masse mit sich bringen, hatte Lifewatch-Chef Stephan Rietiker am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda gesagt. Auch der zu tiefe Angebotspreis habe beim Entscheid eine Rolle gespielt.

Für die Übernahme hatte Aevies Victoria ursprünglich 10 Franken in Bar für eine Lifewatch-Aktie oder den Tausch in eigene Aktien zu einem Verhältnis von 0,1818 geboten. Beim aktuellen Aevis-Aktienkurs von 58,50 Franken würde sich damit ein Preis von rund 10,65 Franken pro Lifewatch-Aktie ergeben. Derzeit notiert der Kurs bei 13,50 Franken. Die Angebotsfrist endet am 10. April.

Lifewatch bietet Dienstleistungen zur Überwachung der Herztätigkeit an und ist vor allem in den USA tätig. Aevis Victoria wiederum ist am Telemedizin-Anbieter Medgate beteiligt und betreibt die zweitgrösste Privatklinik-Gruppe der Schweiz, eine Luxushotelkette sowie Gesundheitsimmobilien.

(sda/chb/gku)