Orange und Sunrise wollen ebenfalls ins Fernsehgeschäft einsteigen. Ein Grund zur Sorge?
Ueli Dietiker: Nein. Es ist klar, dass beide eigene TV-Angebote bringen werden. Die Frage ist jedoch wann und mit welchen Inhalten. Swisscom ist mit ihrem Produkt sehr gut aufgestellt.

Wie viele Kundinnen und Kunden hat Bluewin-TV derzeit?
Dietiker: Im Moment haben wir zwischen 40000 und 50000 Bestellungen. Bei 30000 bis 40000 Haushalten haben wir Bluewin-TV bereits installiert. Pro Woche kommen 1000 bis 2000 Haushalte hinzu.

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Halten Sie diese Zahlen künstlich tief?
Dietiker: Sie meinen wegen unserer Werbemassnahmen?

Ja. Sie halten die PR-Aktivitäten für Bluewin-TV auf Sparflamme, weil für
jeden Neukunden Kosten von gegen 1400 Fr. anfallen.
Dietiker: Von Januar bis März haben wir tatsächlich sehr wenig in die Werbung investiert. Danach haben wir aber eine grosse Kampagne gestartet, die jetzt ausläuft. Bevor wir nochmals Vollgas geben, wollen wir unsere Kosten optimieren.

Und wann wird das sein?
Dietiker: Es ist sicher unsere Absicht, im Weihnachtsgeschäft wieder präsent zu sein. Erstaunlicherweise schwankt die Zahl der Anmeldungen nur minimal, wenn wir kurzfristig an der Werbeschraube drehen.

Werden Sie die Grenze von 100000 TV-Installationen bis Ende Jahr erreichen?
Dietiker: Kaum, wenn es im gleichen Tempo wie bisher weitergeht.

Wie viele Bestellungen werden realisiert?
Dietiker: Rund ein Viertel aller, die sich für Bluewin-TV interessieren, wohnen in Gebieten, in denen unser Fernsehen noch nicht verfügbar ist. Bei den Haushalten, die über die entsprechende Infrastruktur angebunden sind, können wir nur bei wenigen Prozent die Installation aus technischen Gründen nicht ausführen.

Anders gesagt: An eine Massenauslieferung ist derzeit nicht zu denken, weil die Installation zu aufwendig ist.
Dietiker: Ein sehr breiter Rollout ist erst möglich, wenn wir einem neuen Kunden nur noch einen Router und die Set-top-Box heimzuschicken brauchen, die er problemlos selbst installieren kann.

Und wann ist damit zu rechnen?
Dietiker: Sicher nicht in diesem Jahr.

Von vier Haushalten, die sich für Digital-Fernsehen entscheiden, wählt nur einer Swisscom. Die anderen drei gehen zu Cablecom. Weshalb?
Dietiker: Das Verhältnis wird nicht so bleiben, es tendiert eher dazu, dass von drei Haushalten künftig einer Swisscom wählt.

Woher dieser Optimismus?
Dietiker: Cablecom ist mit ihrem Digital-Angebot schon viel länger am Markt als wir. Sie haben einen zeitlichen Vorteil. Unser Produkt ist aber mindestens ebenbürtig.

Wann führt Swisscom das hochauflösende Fernsehen, also HD-TV, ein?
Dietiker: In der zweiten Jahreshälfte.

Welchen Einfluss hat die Swisscom-Umstrukturierung auf die Fernsehsparte?
Dietiker: Eine Umstrukturierung hat zuerst eine dämpfende und nicht eine
beschleunigende Wirkung. Aber der Einfluss dieser Neuorganisation darf
nicht überbewertet werden: Wir werden wie geplant weiterfahren, einzig das
Tempo könnte sich ein wenig verlangsamen.

Welchen Einfluss auf das Festnetzgeschäft wird die Entbündelung der Letzten Meile haben?
Dietiker: Ich erwarte, dass Mitbewerber in den grossen Zentren die Letzte Meile entbündeln und ihren Kunden dann Breitband und Internet-Telefonie, also Voice over IP, anbieten werden.

So rasch dürfte das nicht passieren, verlangt Swisscom doch 31 Fr. pro Monat und Hausanschluss für die Nutzung der Letzten Meile.
Dietiker: Der Knatsch um den Preis war programmiert. Egal welchen Preis wir genannt hätten, es hätte wohl Mitbewerber gegeben, die diesen angefochten hätten.

Eines scheint jetzt schon sicher: Swisscom muss ihren Preis deutlich senken.
Dietiker: Das ist keineswegs sicher. Die Frage ist doch, was ist die Grundlage für die Festlegung des Preises. Im Gesetz steht klar, dass wir die Kosten berechnen müssen, die es bräuchte, unser Netz neu zu bauen. Mit dieser Grundlage ist es bei den Schweizer Baukosten unmöglich, einen Preis zu erhalten, der wie in der EU irgendwo zwischen 10 und 28 Fr. liegt.

Wird das der Regulator auch so sehen?
Dietiker: Das wird sich zeigen. Sicher ist, dass wir den Preis gesetzeskonform kalkuliert haben.

Wann steht der Preis für die Letzte Meile definitiv?
Dietiker: Laut Gesetz müssen die Verhandlungen zwischen uns und den Unternehmen, welche die Letzte Meile nutzen wollen, mindestens drei Monate dauern. Findet keine Einigung statt, können die Mitbewerber gegen uns klagen. Da die Verpflichtung zur Öffnung der Letzten Meile seit 1. April 2007 gilt, ist frühestens Anfang Juli mit Klagen zu rechnen. Der Regulator entscheidet dann innerhalb von sieben Monaten, also frühestens Ende Januar 2008. Der Entscheid kann zudem vor Bundesverwaltungsgericht angefochten werden.

Im Klartext: Der Prozess könnte Jahre dauern.
Dietiker: Das ist so.

Bis Ende 2008 gibt es also keine flächendeckenden Angebote der Mitbewerber?
Dietiker: Flächendeckende Angebote wird es bei der vollständigen Entbündelung so oder so nicht geben. Alle werden Rosinen picken und sich auf die lukrativen Zentren konzentrieren. Breitere Angebote erwarte ich gegen Ende 2008. Ich schätze, dass von unseren rund 1000 Ortszentralen bis dahin rund 200 entbündelt sein werden. Der Prozess der Preisfestsetzung wird für die meisten Unternehmen kaum ein Grund sein, nicht zu entbündeln. Diese können ja eine Annahme treffen und trotzdem investieren.

Wie viele Unternehmen haben bereits Verträge mit Swisscom abgeschlossen?
Dietiker: Sieben. Mit einigen sind wir noch in Verhandlung. Diese werden wohl auch gegen uns klagen.

Wie viele Anschlüsse wird Swisscom in den nächsten 12 Monaten aufgrund der Entbündelung verlieren?
Dietiker: Dazu möchte ich keine Aussagen machen. Finanziell werden die Auswirkungen im laufenden Jahr aber nur gering sein.

Befürchten Sie einen Kunden-Exodus?
Dietiker: Nein, es wird keinen Kunden-Exodus geben.

Wann führen Sie das kombinierte Festnetz-Mobiltelefon für die Privatkunden ein?
Dietiker: Wir möchten unsere Mitbewerber überraschen können. Deshalb kann ich Ihnen dazu nichts sagen. Das Projekt hat sicher nicht höchste Priorität.

Seit sechs Jahren verliert die Festnetz-Sparte von Swisscom Jahr für Jahr an
Umsatz. Wie kann der Festnetzbereich wieder wachsen?
Dietiker: Trotz weiterem Wachstum im Breitbandgeschäft wird der Umsatz auch in diesem und im nächsten Jahr leicht rückläufig sein. Der einzige wirkliche Umsatzgenerator kann das Fernsehgeschäft sein.

Und sonst?
Dietiker: Wir prüfen verschiedene Projekte.

Zum Beispiel?
Dietiker: Wir überlegen uns etwa, Service-Dienstleistungen für Fernsehen und Internet einzuführen. Dazu gehörten PC-Wartung, die Installation und zum Beispiel auch die Möglichkeit, die PC-Daten zentral zu speichern. Andere Ideen sind Überwachungslösungen mit einer Webcam oder Alarmierung im Krankheitsfall.

Das sind kaum massenmarkttaugliche Produkte.
Dietiker: Das ist so. Aber es können erfolgreiche Nischenprodukte sein. Neben unserem Fernsehgeschäft treiben nur noch Neuanmeldungen im Breitbandbereich unser Wachstum an.

Wie viele Netto-Neuanmeldungen haben Sie derzeit pro Monat?
Dietiker: Rund 20000. Wir sind selbst überrascht, dass diese Zahl noch so hoch ist.