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Branchentreff
Uhrenindustrie verunsichert: Baselworld gibt die Antwort

Nach der heute startenden Baselworld 2015 wissen die Marken aus dem Jurabogen, wie die Weichen für die nächsten Monate gestellt sind. Nicht wenige Stimmen geben sich in ihren Prognosen vorsichtig.

Von Markus Köchli
am 19.03.2015

Die Verunsicherung ist spürbar. Vor allem seit dem Salon Internationale de la Haute Horlogerie, dem SIHH in Genf von Mitte Januar 2015. Nicht allein wegen des Vorpreschens der Schweizerischen Nationalbank (SNB) mit der Aufhebung der Euro­-Untergrenze. Aber artikulieren wollen die wichtigsten Exponenten der Uhrenindustrie ihre Zweifel an den viel gehörten Wachstumsprognosen für 2015 (noch) nicht.

Der Branche fehlt ein Winkelried, der bestätigt, dass mehr Schein als Sein dominiert. Zumal mit Swatch­-Konzernchef Nick Hayek ausgerechnet das prominenteste Branchen­-Aushängeschild für die nächsten zwölf Monate von «dynamischem Wachstum» schwärmt. Und schon gar nicht, weil die Schweizer Januar­-Exportzahlen im Vergleich zum Vorjahr ein flottes Wachstum von 3,7 Prozent ausweisen. Die noch Ende 2014 an einer asiatischen Grippe erkrankten Tempomacher zeigten sich zu Jahresbeginn bereits erholt, Hongkong mit 5,4 Prozent, China mit 4,1 Prozent und Singapur gar mit 9,9 Prozent Wachstum.

Mangelnde Zuversicht passt schlecht ins Bild

Auch, wenn die Ausfuhren im Februar wieder um 2,0 Prozent zurückgingen, passt mangelnde Zuversicht schlecht ins Bild einer glamourösen Luxusbranche, auch wenn diese – nicht erst seit gestern – teilweise ungeniert da und dort über ihre Verhältnisse lebt. Fast ähnlich wie die Griechen: Hellenische Distributoren kauften diesen Januar statt für 5,2 Millionen Franken wie im Vorjahr für 6,1 Millionen Franken Schweizer Zeitmesser ein, plus 18,5 Prozent.

Die Warner sind an einer Hand abzuzählen. Ernst genommen werden sie kaum, ihre Analysen auf den Chefetagen hinter geschlossenen Türen aber diskutiert. Sie, unter anderem Banken oder Detaillisten mit prominenten Adressen – auch an der Zürcher Bahnhofstrasse – verweisen darauf, dass die Konsequenzen des SNB-­Entscheides nicht überwunden sind. Dies durchaus im Wissen, dass nur etwa jeder dritte Exportfranken im Euro­-Raum erarbeitet wird.

Diverse globale Unsicherheitsfaktoren

Sie beurteilen das Wachstum in der bisherigen Boomregion Hongkong/ China langsamer, weil gouvernamentale Einflüsse wie in China Wirkung zeigen, Protestbewegungen (wie in Hongkong) die Lust aufs Shoppen stören, kriegerische Auseinandersetzungen, wie in der Ukraine, das nackte Überleben in den Vordergrund stellen oder die tiefen Erlöse für Erdölverkäufe, wie im Mittleren Osten, die Kassen weniger schnell füllen als früher. Und wer weiss schon, was die globale Smartwatch-­Euphorie für Auswirkungen auf die schweizerischen Günstiguhrenhersteller haben wird.

Für Jean-­Daniel Pasche, den Präsidenten des Verbands der Schweizerischen Uhrenindustrie (FH), ist hingegen klar, dass die Branche «nicht in der Krise steckt». Man dürfe nicht vergessen, dass die hiesigen Uhrmacher ein globales Geschäft betreiben, dass es immer wieder Licht und Schatten gebe. So habe sich beispielsweise der amerikanische Markt im Zweijahresvergleich um 8,7 Prozent gesteigert. Zudem dürfe man das Gesamtbild der Branche nicht ableiten aus der Lage einzelner Uhrenhersteller.

Nach der Baselworld herrscht Klarheit über die kommenden Monate

Ohne Namen zu nennen, dürfte Pasche an Tag Heuer (40 Entlassungen) oder Cartier (Kurzarbeit im vergangenen Herbst) gedacht haben. Nach der Baselworld, der global wichtigsten Ordermesse vom 19. bis zum 26. März 2015, wird die Schweizer Uhren­gemeinde wissen, mit welchen Bestellungen in den Büchern sie die nächsten Monate anpackt. Sie wird auch kennen, wie der heimische Detailhandel den Tourismussommer 2015 budgetiert. Dort, so scheint es heute vor der Messe, dominiert Zuversicht.

Branchenleader Bucherer baut das Stammhaus in Luzern mit einem Budget grösser als 10 Millionen Franken zukunftsgerichtet um und aus. Und Mitbewerber Les Ambassadeurs ergänzt – nicht bestätigt – das Filialnetz mit einer zusätzlichen, der fünften Niederlassung. Wo? Selbstverständlich dort, wo touristisch auch 2015 die Musik spielen könnte. Nicht allein an einem global ausstrahlenden Klassik­Festival.

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