Zwischen der Swatch-Gruppe und dem führenden Medienhaus der Romandie Edipresse herrscht Eiszeit. Der Bieler Uhrenkonzern hat nach kritischen Voten des bekannten Edipresse-Journalisten Peter Rothenbühler sämtliche Inserate storniert und keine neuen mehr in Auftrag gegeben.

Edipresse-Schweiz CEO Serge Reymond rätselt über die Gründe. «Ich wäre sehr überrascht, wenn Herr Hayek aufgrund einer Verärgerung über eine persönliche Meinung sämtliche Werbung bei uns stoppen würde. Das kann ich mir fast nicht vorstellen.»

Die Fakten und die zeitliche Koinzidenz aber sprechen für sich. In der SF-Diskussionssendung «Arena» über den Libyen-Irrflug von Bundespräsident Hans-Rudolf Merz wurde die Meinung von Nicolas Hayek, Präsident des Uhrenkonzerns Swatch Group, per Video eingespielt. Sich «aus wirtschaftlichen Gründen» bei den Libyern einzuschmeicheln, das sei inakzeptabel, polterte der Uhrenkönig aus der Ferne. Im TV-Studio attackierte darauf Journalist und Edipresse-Kadermann Peter Rothenbühler Hayek, dessen Konzern stolze Gewinne mit arabischen Staaten mache. Für Rothenbühler, der die Boulevardzeitung «Le Matin» leitete und bei Edipresse eine Direktorenstelle innehat, war Hayeks Auftritt «heuchlerisch». In der Schweiz sei noch immer das Essen vor der Moral gekommen.

Rothenbühler wollte sich nicht zur Affäre äussern. Hayek liess mehrere Anfragen unbeantwortet.

Ein Vorfall zur Unzeit

Der Einnahmeausfall für die Edipresse-Gruppe dürfte substanziell sein, ist aber nicht genau zu beziffern. Zur börsenkotierten Swatch, die von Hayek mit 41% der Stimmen dominiert wird, gehören bekannte Uhrenmarken aus allen Segmenten: Swatch, Tissot, Longines, Omega, Breguet, Glashütte und einige mehr. Wer diesen Kunden verliert, muss spürbare Einbussen hinnehmen.

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Der Eklat mit Swatch trifft Edipresse in einer schwierigen Phase. Der Umsatz des zum Zürcher Medienkonzern Tamedia wechselnden Schweiz-Teils von Edipresse sank im 1. Halbjahr 2009 von 174 Mio Fr. auf 136 Mio Fr., blieb aber in der Gewinnzone. Entlassungen im Zuge der Transaktion sorgen für Arbeitskonflikte. Kürzlich protestierten Dutzende von Journalisten vor dem Lausanner Edipresse-Hauptsitz.

Edipresse-Schweiz-CEO Reymond sucht ein Ende des Konflikts und streckt Hayek die Hand zur Versöhnung hin: «Ich stehe Herrn Hayek zur Verfügung, um ihm ein passendes Angebot für seine Kommunikationsstrategie in der Romandie zu unterbreiten», sagt der Manager, der einst für den Uhrenpatron arbeitete.