Bundespräsident Didier Burkhalter sprach am Mittwoch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über den Konflikt in der Ukraine. Auf den ersten Blick war das Treffen im Kreml für den Schweizer ein Erfolg. Nach dem Gespräch forderte Putin, das umstrittene und für Sonntag geplante Referendum in der Ostukraine über eine Unabhängigkeit zu verschieben. Zudem vermeldete Putin, er habe seine Truppen von der ukrainischen Ostgrenze abgezogen.

Dennoch: Die Welt rätselt über den Wahrheitsgehalt der Aussagen. Aus Nato-Kreisen hiess es, dass derzeit keine Anzeichen für einen solchen Rückzug gäbe. Der Generalsekretär der Oraganisation, Anders Fogh Rasmussen, sagt: «Russlands rechtswidrige und illegitime Aggression gegen die Ukraine ist die grösste Herausforderung für die Sicherheit Europas in einer Generation.»

Die Krise in der Ukraine sorgt nicht nur auf der Politbühne für Unsicherheit. Auch aus wirtschaftlicher Sicht zieht der Konflikt immer grössere Kreise – und könnte schon bald auch ein massives Problem für die Aktionäre sein. Denn europäische Unternehmen mit einer grossen Exponierung im Osten sehen die Folgen der Krise schwarz auf weiss schon jetzt in ihren Büchern. Für eine hohe Belastung sorgt vor allem der von Sanktionen bedrohte russiche Markt.

Biermarkt leidet

So ist der der dänische Biergigant Carslberg, zu dem unter anderem auch die Rheinfelder Brauerei Feldschlösschen gehört, der führende Branchen-Player in Russland. Der Konzern besitzt dort knapp 40 Prozent Marktanteil. Russland und die Ukraine sind für 30 Prozent des Volumens in Osteuropa und für 20 Prozent des Konzernertrags verantwortlich. Carlsberg warnte in dieser Woche davor, dass der Gewinn in diesem Jahr deutlich zurückgehen werden. Schuld sei der schwache Rubel. 

Der Konzern verkündete im abgelaufenen Quartal bereits einen Nettoverlust – der erste in zwei Jahren. Auslöser: der russische Markt. Die Verkäufe seinen um 5 Prozent eingebrochen. Ähnliche Resultate erwartet Carlsberg für das ganze Jahr.

Anzeige

Abschreiber in Millionenhöhe 

Auch die französische Bank Société Générale leidet unter der Krise und verkündete einen überraschenden Gewinneinbruch für das erste Quartal. Im Russland-Geschäft muss das Geldhaus einen Abschreiber in der Höhe von 525 Millionen Euro hinnehmen. Der Nettogewinn der Bank sank dahr um 13 Prozent auf 315 Millionen Euro. 

Der niederländische Bank- und Versicherungskonzern ING hat über 10 Milliarden Euro an Investitionen un Russland und der Ukraine. Wegen der grossen Unsicherheiten reduziert nun das Unternehmen seine Kapitalanlagen. Das Ost-Geschäft werde laut ING die Zahlen belasten.

Wachstumeinbruch erwartet

Ebenso schwer hat der ungarische Pharmakonzern Gedeon Richter. Er gab eine Gewinnwarung diese Woche ab. Und auch hier war der Grund das Geschäft in Russland. Das Unternehmen generiert dort ein Fünftel seiner Verkäufe. Der Ertrag ging im ersten Quartal gerechnet in Lokalwährung um kanpp 20 Prozent zurück. 

Der Konsumgüterkonzern Henkel konnte im ersten Quartal zwar gute Zahlen vorweisen. Doch der schwache russiche Rubel lastet auf dem Ergebnis. Russland ist für den Konzern der viertgrösste Markt. Für das Gesamtjahr erwartet Henkel in Osteuroa einen deutlichen Wachstumsrückgang.