Anfang Jahr hat Ulf Mark Schneider bei Nestlé übernommen. Seither dringt wenig nach draussen. «UMS», wie er intern genannt wird, und Paul Bulcke, Vorgänger und Bald-Nachfolger von Nestlé-Übervater Peter Brabeck auf dem Stuhl des Verwaltungsratspräsidenten, würden gut zusammenarbeiten, heisst es. Positiv auch: Asien-Chefin Wan Ling Martello und Chris Johnson, Ex-Amerika-Chef und jetzt bei Nestlé Business Excellence für die konzernweite Optimierung verantwortlich, beide bei der Kür Schneiders unterlegen, sind noch immer an Bord. Ansonsten aber heisst es am Lac Léman einmal mehr: «silence radio».

Klar ist: Das Modell Nestlé steht unter Druck. In den letzten vier Jahren wurde das Ziel eines Wachstums von 5 bis ­6 Prozent stets verfehlt. Krise des «packaged food», schwächelnde Weltwirtschaft, ­deflationäres Umfeld, tiefe Rohstoff­preise – all das setzt dem zurzeit 225 Milliarden Franken schweren Branchen­primus zu. Und klar ist auch: Ulf Mark Schneider hat das Mandat, den Konzern neu aufzustellen.

Spielgeld L’Oréal-Beteiligung

Wie weit das gehen könnte, hat nun Jon Cox, Analyst bei Kepler Cheuvreux, exploriert. Er geht davon aus, dass der neue Chef das Portfolio zügig überprüfen und mit Transaktionen aufbessern wird, um mehr Marge und Wachstum zu generieren. «Man hat Nestlé in der Vergangenheit häufig vorgeworfen, sich zu wenig schnell von Assets mit schleppendem Geschäftsgang zu trennen», sagt der Analyst. «Ich gehe davon aus, dass sich das ändern wird».

Ob es dabei zu einer Rückkehr der grossen Manöver kommt? Bei Kepler Cheuvreux hält man das für denkbar. Mögliches Ziel: Abbot Nutri­tion, das medizinische Geschäft von ­Abbot, oder sein Pendant bei Danone. Finanziert würde eine solche «Big Bang»-Lösung nach Meinung von Jon Cox ­primär durch einen Verkauf der Beteiligung am Kosmetikgiganten L'Oréal. Wert: 25 Milliarden Franken.

Das Unternehmen äussert sich nicht zu den Spekulationen und verweist stattdessen auf das L'Oréal-Wording. Darin heisst es, die Beteiligung sei «strategisch und finanziell» wichtig. Trotzdem, der Exit ist angedacht. Der «Handelszeitung» sagte Brabeck letzten Sommer: Er werde sein Verwaltungsratsmandat in Paris 2017 abgeben. «Die neue Nestlé-Führung muss selber entscheiden, was sie mit dieser Beteiligung machen will.»

Anzeige