LM Ericsson leidet unter hohen Umbaukosten. Daher brachen die Aktien des Konzerns nach der Bekanntgabe von Quartalszahlen am Vormittag um bis zu 9,2 Prozent auf 83,45 schwedische Kronen ein. Es war der grösste Kurseinbruch seit 2009.

Die Nachfrage nach mobilem Internet halte zwar ungebrochen an, teilte das Unternehmen mit. Neben der starken schwedischen Krone belasteten aber insbesondere Kosten für Personalentlassungen und Verluste von Beteiligungen das Ergebnis der Netzbauer.

Mit einem Umsatzwachstum im zweiten Quartal von 14 Prozent auf 54,8 Milliarden Kronen (rund 7 Milliarden Franken) lieferte der Konzern Umsatzzahlen im Rahmen der Erwartungen. Beim Ergebnis enttäuschten die Schweden jedoch. Mit rund 3,2 Milliarden Kronen (rund 410 Millionen Franken) verdiente das Unternehmen zwar 59 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Analysten hatten aber mit 3,8 Milliarden Kronen (rund 487 Millionen Franken) einen deutlich höheren Wert erwartet.

Teurer Umbau

Aufwendungen für Restrukturierungen hätten das Ergebnis im zweiten Quartal um knapp 1,7 Milliarden Kronen (rund 218 Millionen Franken) gedrückt, hiess es. Der Konzern will hauptsächlich in Schweden seine Belegschaft verkleinern. Im Juni habe man mit den Gewerkschaften Einigkeit über die Pläne erzielt. Das Programm zur Personalreduzierung hatte dabei höheren Zuspruch als erwartet und kostet den Konzern durch Zahlungen für Frühverrentungen und freiwillige Arbeitszeitverkürzungen 1,3 Milliarden Kronen (rund 166 Millionen Franken). Die Kosten hierfür sollen im vierten Quartal voll durchschlagen.

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Die operative Marge verschlechterte sich im zweiten Quartal durch die Aufwendungen auf 9,2 Prozent. Ohne die Restrukturierungskosten hätte die Marge 11,6 Prozent betragen. Aufs Gesamtjahr rechnet Ericsson nun mit einer Kostenbelastung von knapp drei Milliarden Kronen durch Restrukturierungen. Bisher hatte das Unternehmen zwei Milliarden Kronen veranschlagt. Zusätzlich kosteten die Beteiligungen an Joint Ventures die Schweden im zurückliegenden Quartal 771 Millionen Kronen (rund 99 Millionen Franken). Der Handybauer Sony Ericsson und der Chiphersteller ST-Ericsson hatten Verluste geschrieben.

Starke Krone bremst

Die Netzwerksparte von Ericsson verkaufte nach 25,5 Milliarden Kronen (rund 3,26 Milliarden Franken) im Vorjahresquartal nun Geräte für 33,4 Milliarden Kronen (rund 4,28 Milliarden Franken). Das starke Wachstum sei vorwiegend durch die Nachfrage nach mobilem Internet bedingt, die Umsätze des Konzerns stiegen in Lateinamerika, Nordeuropa und Asien teilweise deutlich, während sich Nordamerika und Japan etwas schwächer entwickelten.

Die starke schwedische Krone habe die Entwicklung der Netzwerksparte jedoch gebremst. Das gelte auch für die gesamte Umsatzentwicklung. Vorstandschef Hans Vestberg sagte, dass die Umsätze um Währungseffekte bereinigt um 27 Prozent gewachsen seien. Die Dienstleistungssparte hingegen setzte fünf Prozent weniger um. Hier spielten ebenfalls Währungseffekte die Hauptrolle, so das Unternehmen.

(tno/laf/awp)