Vermehrt kämpfen Unternehmen gegen Plagiate. Überall auf der Welt werden die Märkte mit Fälschungen überschwemmt, die Verantwortlichen sind mit modernsten Geräten ausgerüstet und verfügen über internationale Beziehungen. Der Zoll ist in den meisten Fällen machtlos, denn Fälschungen lassen sich oft nur im forensischen Labor nachweisen. Das Beispiel der Schweizer Firma Victorinox, die insbesondere wegen ihres Swiss-Army-Messers weltweit bekannt ist, zeigt, dass der Ein- satz von RFID (Radio Frequency Identification)-Technologien ei-ne interessante Lösungsvariante im Kampf gegen Plagiate bietet. RFID steht für die Identifizierung mit Hilfe elektromagnetischer Wellen.

Schaden in Millionenhöhe

Im vergangenen Jahr kämpfte Victorinox mit einigen Problemen rund um ihre Parfümlinie: Rund 1 Mio Plagiate pro Jahr, ein sinkender Marktpreis in den USA. Der geschätzte Schaden für die Firma samt Vertriebspartner belief sich auf 20 bis 30 Mio Fr. jährlich. Das einberufene Projektteam sah sich mit Herausforderungen wie einem grossen Mass an Komplexität sowie wenig oder gar keinen Erfahrungen auf dem Markt für RFID mit Consumer Units konfrontiert. Schliesslich entschied das Team im Juli 2007, RFID auf dem Einzelprodukt einzusetzen. Im Vordergrund stand indes die Optimierung der gesamten Supply Chain:

Integration des Lohnabfüllers ins Victorinox-ERP,

Integration der Lagerlogistik (Dienstleister) ins ERP,

Sicherstellen der Supply Chain Visibility durch Gesamtintegration.

Echtheit überprüfbar

Die Anforderungen an das RFID-System sind hoch (siehe «Pflichtenheft»): Nicht nur gilt es, die Einzelprodukte 100%ig von der Produktion bis zum POS rückverfolgen zu können, sie sollen auch global les- und beschreibbar sowie die Plakette (TAG) gleichzeitig mit neuen Verpackungen einsetzbar sein. Darüber hinaus muss die Echtheit der Produkte vor Ort überprüfbar sein, sprich am Zoll, beim Distributor und am POS durch autorisierte Personen. Das Überprüfen soll mittels einfachen Handhelden vonstatten gehen. Die verwendete RFID-Technologie basiert auf einem RFID-TAG mit Mikrocomputer und eigenem ROM (Read Only Memory)/RAM (Random Access Memory). Der TAG ist absolut fälschungssicher und kompatibel zum bekannten RFID 13,56 MHz Standard sowie zu ISO 15693 und ISO 18000. Auf den TAG lassen sich verschiedenste Informatio- nen schreiben (siehe «Informationen auf dem RFID»).

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Zusammen mit der Einführung von RFID hat Victorinox den Gesamtlogistikprozess überarbeitet und vereinfacht. Schnittstellen sind eliminiert, Hersteller und Logistikdienstleister hat man ins ERP integriert. Sämtliche Daten und Logistikinformationen sind online verfügbar.

Optische Merkmale

Victorinox hat sich zum Ziel gesetzt, RFID in der gesamten Supply Chain durchgängig einzusetzen. Bei Produktionsbeginn wird der RFID in das Produkt eingelegt, im Abfüll- und Assemblageablauf als Steuerungselement eingesetzt und schliesslich im Lager- und Kommissionierungsprozess als Identifikationsmerkmal benutzt.

Dank der RFID-Technologie kann der Zoll heute echte Victorinox-Parfüms identifizieren. Ist keine technische Ausrüstung vorhanden, so lässt sich anhand der optischen Merkmale des echten TAG von Auge erkennen, ob es sich um eine Fälschung handelt oder nicht.

Ist die Technik vorhanden, kann der Zoll schnell und ohne die Sendung zu öffnen die Echtheit der Ware prüfen, indem man die TAG mit X-Ray-Geräten rasch und verlässlich erkennt und diese mit den RFID-Geräten schnell lesen kann. Vom Einsatz der RFID-Technologie profitiert nicht nur Victorinox, sondern auch der Endkunde. Er ist vor Fälschungen, Graumarktware, die unter Umständen nicht der lokalen Gesetzgebung entspricht, als auch vor alter Ware geschützt.

Gute Erfahrungen

Die Fakten sprechen für RFID: Seit der Einführung der Technologie konnten Lieferungen mit Fälschungen aus Asien in die USA gestoppt werden, der Graumarkt wird durch die Möglichkeit lückenloser Rückverfolgung unterbunden und Transparenz geschaffen. Die Geschäftspartner zeigen sich froh über die Neuerung, die Produktpiraten konnten im Gegenzug verunsichert werden. Momentan sind sie daran, die neuen Verpackungen zu kopieren, doch die abschreckende Wirkung bleibt nicht aus.