Verschärfte regulatorische Auflagen, steigende Kosten und anspruchsvollere Kundenbedürfnisse – diesen Herausforderungen müssen sich die unabhängigen Vermögensverwalter immer dringender stellen. Die weltweite, noch längst nicht überwundene Finanzmarktkrise trifft das Private Banking besonders hart und konfrontiert es mit zusätzlichen Problemen. Der Verdrängungswettbewerb im Geschäft mit vermögenden Privatkunden ist gnadenlos.

Professionalisierung

Zurzeit ist der Leidensdruck, der vor allem kleinere Gesellschaften zwingen würde, über neue Geschäftsmodelle nachzudenken, noch nicht gross genug. Im zunehmend anspruchsvolleren Umfeld wird eine Professionalisierung, die eine gewisse Mindestgrösse bedingt, jedoch zu einer unabdingbaren Voraussetzung für eine erfolgreiche Geschäftstätigkeit. In der Zukunft werden sich unabhängige Vermögensverwalter ihre Wettbewerbsfähigkeit, vor allem im internationalen Bereich, nur durch freiwillige Unterstellung unter staatliche Aufsicht sichern können, solange eine solche in der Schweiz nicht gesetzlich vorgeschrieben wird. Aufgrund der hohen Compliance-Anforderungen und des damit verbundenen administrativen und finanziellen Aufwands ist dies nur grösseren Gesellschaften oder Gruppierungen möglich. In guten Börsenzeiten liessen sich ohne besondere Anstrengungen gute Renditen erzielen, sodass weder das Kostenbewusstsein der Vermögensverwalter gefordert war, noch die Kunden die Performance ihrer Anlagen und die ihnen erwachsenden Vermögensverwaltungskosten hinterfragten. Bei schwierigen Marktverhältnissen nehmen das Sicherheitsbedürfnis und die Kostensensitivität zu. Tatsache ist, dass viele Kunden, vor allem kleinere, für die Vermögensverwaltung bei den Private-Banking-Instituten zu viel zahlen, insbesondere für reine Abwicklungstätigkeiten wie Börsentransaktionen und Depotführung. Vor diesem Hintergrund können und müssen unabhängige Vermögensverwalter neue Wege beschreiten und den Kunden via Partnerschaften kostengünstige Konto- und Depotführungsservices anbieten.

Wertorientierte Anlagepolitik

Dazu kommt der durch die Börsenkrise verursachte Rückgang der Anlagevolumen. Dieser führt zu sinkenden Kommissionseinnahmen und zum gänzlichen Ausfall allfällig vereinbarter Performance Fees. Ein wirksames Kostenmanagement und eine vernünftige Salärpolitik, auch in guten Zeiten, erlangen daher besondere Bedeutung.

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Vor Wertschwankungen im Portefeuille ist niemand gefeit, vor allem nicht, wenn die Märkte auf breiter Front unter negativen Vorzeichen stehen. Indem der unabhängige Vermögensverwal-ter einen eigenen, vielleicht so- gar eigenwilligen Anlagestil pflegt, hat er aber gerade in solch schwierigen Zeiten gute Chancen, sich im Markt zu profilieren und von den Banken zu differen- zieren.

Mit einem an absoluten Renditen orientierten und auf Werterhaltung ausgerichteten Gedankengut ist er zudem in der Lage, in der Asset Allocation deutliche Zeichen zu setzen und auf Marktveränderungen rasch zu reagieren. Um all dies erfolgreich und glaubwürdig umsetzen zu können, braucht es aber einen systematischen Anlageprozess, der auf mehrere Köpfe und personell getrennte Komitees baut.

Konsolidierung

Der anstehende Konsolidierungsprozess wird die stark fragmentierte Branche der unabhängigen Vermögensverwalter in den nächsten Jahren unweigerlich in Bewegung versetzen – je länger die Finanzmarktkrise andauert, desto schneller. Längerfristig überleben und weiterwachsen werden nur grössere Gesellschaften, Allianzen oder Netzwerke, die sich rechtzeitig auf die wachsenden Anforderungen eingestellt haben und mit zukunftsorientierten Geschäftsmodellen einen hohen Professionalitätsgrad und innovative Lösungen bieten.