Den leicht positiven Trend bestätigt auch der VDA (Verband der Automobil-industrie) in Deutschland, doch dessen Präsident, Matthias Wissmann, warnt eindringlich «vor einem Konjunktur-Optimismus». Die nüchternen Zahlen des VDA lassen denn auch keine Euphorie aufkommen. So sanken die Neuzulassungen bis Ende August für Lastwagen und Omnibusse aller Tonnagenklassen in Deutschland um 29%. Die Produktionszahlen in Deutschland, die im Zeitraum Januar bis August 2008 noch bei 364048 Einheiten gelegen hatten, sanken auf 148100 Fahrzeuge ab, was einem Minus von 59% entspricht. Für das im Nutzfahrzeugbau international führende Deutschland wirkt sich vor allem negativ aus, dass die Exportmärkte im Zeitraum Januar bis August dieses Jahres um 64% rückläufig waren. Der einzige realistische Hoffnungsschimmer ist nach Angaben des VDA derzeit der Auftragseingang von inländischen Kunden. Dazu Wissmann: «Im Nutzfahrzeugmarkt zeichnet sich seit einigen Monaten eine Stabilisierung ab. Der Zuwachs der Bestelleingänge bei schweren Lastwagen deutet darauf hin, dass es auf dem Inlandmarkt nicht noch weiter nach unten geht.»

Auch Andreas Renschler, im Konzernvorstand der Daimler AG verantwortlich für das weltweite Nutzfahrzeuggeschäft des Stuttgarter Automobilherstellers, gibt sich vorsichtig und beurteilt aus seinem Blickwinkel die aktuelle Entwicklung in den Triademärkten. Renschler wörtlich: «Grundsätzlich erwarten wir, dass die Talfahrt auf den Märkten weitgehend beendet ist, wobei die gesamte Branche nicht mit signifikanten Wachstumsimpulsen rechnen kann. In fast allen Märkten konnten wir aber unsere Marktanteile erhöhen, ergänzt Renschler.

Wann kommt die Wende?

Zu den Forschungseinrichtungen, die das Nutzfahrzeuggeschäft kontinuierlich begleiten zählt auch das Institut für Automobilwirtschaft (IFA) der Fachhochschule Nürtingen/Geislingen. Es bescheinigt in einer Studie für die KPMG Deutsche Treuhand-Gesellschaft, der europäischen Nutz-fahrzeugindustrie aufgrund ihrer guten Umsatzrenditen vor der Krise einen Wandel vom «Aschenputtel zur Märchenprinzessin».

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Diesem Umstand, der verbunden war mit umfangreichen Restrukturierungs- und Kostensenkungsmassnahmen, ist es bis heute zu verdanken, dass sich die Unternehmen der Krise zumindest in den ersten Monaten ohne Arbeitsplatzabbau im grossen Stil stellen konnten. Wissmann sieht diese Instrumentarien zur Flexibilisierung jedoch bald ausgereizt. Einige Konjunkturforscher schöpfen ihre Hoffnungen auf einen «Umkehrschub» im internationalen Nutzfahrzeuggeschäft aus einer erfreulichen Entwicklung des noch zarten Wirtschaftswachstums in Ländern wie zum Beispiel den USA, Frankreich oder Deutschland.

Problem Überkapazitäten

Die zum Teil erheblich heruntergefahrenen Lagerbestände der Investitionsgüterindustrie, die jetzt zu den Branchen mit den derzeit höchsten Zuwächsen zählt, müssen mittelfristig wieder aufgefüllt werden und das dürfte den Bedarf an Lastwagen ankurbeln. Und hier decken sich die Erwartungen der Wirtschaftsauguren und der Forscher der IFA, die in den nächsten Jahren mit einem erneuten Anstieg des Güterverkehrs und damit auch dem Absatz von Nutzfahrzeugen rechnen.

Eine zentrale Frage allerdings bleibt im Raum, nämlich die, wie die Zukunft im scharfen internationalen Wettbewerb, der auch in der Nutzfahrzeugindustrie zu grossen Kapazitäten führte, zu bewältigen ist. Niemand weiss, wie lange noch und in welcher Intensität die Krise letztlich dauern wird.

Andreas Renschler bezieht in dieser Frage eine Position, die das Handeln des Konzerns schon seit über einem Jahr bestimmt, als damals die Herausforderung rückläufiger Märkte begann. «Wir konzentrieren uns auf zukunftsträchtige Produkte und grüne Fahrzeugprojekte. Dabei halten wir an der Strategie einer globalen Positionierung mit regional unterschiedlichem Produktfolio fest. Darüber hinaus nutzen wir alle erdenklichen Skaleneffekte durch globale Verankerung wie beispielsweise bei gemeinsamer Entwicklungsarbeit. Wir tun alles, um weitere Personalmassnahmen zu vermeiden.»