Die führenden Geschäfts-reisenspezialisten in der Schweiz (siehe Tabelle) leiden unter der Wirtschaftskrise, wie die fünf befragten Travel Management Companies gegenüber der «Handelszeitung» bestätigen. Der Ableger der französischen Carlson Wagonlit Travel (CWT), einer der beiden nationalen Branchenführer, spricht im 1. Halbjahr 2009 von einem Umsatzrückgang um die 30%, wobei davon gut ein Drittel auf den Verlust eines Grosskunden zurückzuführen ist.

Der andere Gigant, die britische Hogg Robinson Group (HRG), lässt sich nicht in die Karten blicken. Wie bei der Nummer drei, der amerikanischen American Express Business Travel, werden hierzulande keine Zahlen kommuniziert, weil dies für die Konzerne börsenrelevant sein könnte. Transparenter sind die Verfolger: Die Schweizer BTA Travel Holding meldet ein Minus von 18% beim Umsatz; BCD Travel Suisse, eine Tochter der niederländischen BCD Holdings, berichtet eine Abnahme im tiefen zweistelligen Prozentbereich.

Einbruch hat sich abgezeichnet

Einig sind sich die Business-Travel-Anbieter darin, dass sie die Folgen der Krise seit geraumer Zeit zu spüren bekommen. Beat Bürer, Managing Director von HRG Europe Central und HRG Switzerland, erklärt: «Wir beobachten seit Anfang 2008, dass die schwierigeren wirtschaftlichen Bedingungen und die damit verbundenen finanziellen Einschränkungen einen Einfluss auf die Reisepolitik und die Entscheidungsfindungen von Unternehmen aufweisen.»

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Walter Ruggli, General Manager von CWT Switzerland, ergänzt: «Der grosse Einbruch kam aber Anfang 2009. Ich schätze, dass der Umsatzrückgang global zwischen 25 und 30% liegt. Ein wichtiger Aspekt jedoch ist, dass gut die Hälfte dessen preisbedingt ist, sprich der Rückgang an Transaktionen ist nur halb so gross. Die Kunden reisen wohl generell weniger, aber insbesondere reisen sie günstiger.»

Gerry Schenk, Head of Client Management von American Express in der Schweiz, ortet bei den Firmen zwei Verhalten: «Konzerne reagieren oft mit Travel Restrictions oder gar mit Travel Freezes, nachdem sie zuvor während der Konjunktur sehr freizügig gereist sind. KMU agieren viel homogener und überlegter. Jede Reise muss ihren Mehrwert für den Betrieb haben - in guten wie in schlechten Zeiten. Daher sind die Einbrüche bzw. Ausschläge bei KMU nie so markant wie bei Konzernen.»

Lücke lässt sich kaum schliessen

Ähnlich erlebt es Markus, CEO der BTA Travel Holding: «Über alles gesehen entwickeln sich die Geschäftsreisen negativ. Je nach Branche der Kunden aber sehr unterschiedlich und mit Verzögerun-gen. Es gibt auch Kunden bzw. Branchen, die steigende Umsätze ausweisen. Grundsätzlich wird einfach günstiger gereist.» Trotzdem: «Diese Lücke lässt sich 2009 wohl kaum mehr schliessen.»

Die Spezialisten beobachten in diesem Zusammenhang oftmals das gleich Vorgehen, wie Robert Berger, Managing Director von BCD Travel Suisse, es schildert: «Die Flugbuchungen der Firmen verschieben sich von der First sowie Business in die Economy. Ei-nige Unternehmen implementieren neue Genehmigungsprozesse und strengere Reiserichtlinien, um schon im Vorfeld mehr Kontrolle zu bekommen. Bei der Wahl der Hotels steigen viele KMU auf niedrigere Standards um. Sie wählen infolge der Krise beispielsweise eher drei als vier Sterne.»

Weniger Reisen, mehr Beratung

Einen weiteren Unterschied bemerken die Travel Management Companies zusehends. Viele Betriebe verzichten auf interne Reisen, sprich von eigenen Leuten unter eigenen Standorten. Ruggli führt aus: «Interne Reisen wurden stark zurückgeschraubt oder für bestimmte Perioden gestrichen.» Berger fügt hinzu: «Betriebe, die über eine moderne technologische Ausstattung und eine hohe Akzeptanz gegenüber Konferenztechniken verfügen, ersetzen interne Reisen zunehmend durch andere Kommunikationswege.»

Was laut Bürer auch mit der Verschärfung der Reiserichtlinien zu tun hat: «Beispielsweise haben verschiedene Schweizer Unternehmen die Flugzeiten, ab wann ihre Mitarbeiter in der Business fliegen dürfen, erhöht. Ebenfalls werden günstigere Flüge gebucht oder andere Lösungen wie Bahnreisen im grenznahen Europa.» Gleichfalls würden Alternativen zur Geschäftsreise in Erwägung gezogen. «Dadurch entscheiden sich einige Firmen, Telefon- oder Videokonferenzen statt persönlicher Treffen abzuhalten.»

Dennoch stellt Bürer fest: «Geschäftsreisen haben nach wie vor eine hohe Bedeutung und werden von unseren Kunden als wichtiger Erfolgsfaktor sowie notwendige Investition betrachtet. Allerdings stellen wir fest, dass Firmen verstärkt den Grund für eine Geschäftsreise hinterfragen. Gerade in angespannten wirtschaftlichen Zeiten ist unser Know-how, bei den Reiseausgaben Kosten einzusparen, sehr gefragt.»

Auch Schenk sieht dieses Licht am Ende des Tunnels: «Viele Unternehmen wollen Bereiche identifizieren, wo zusätzliche Kosteneinsparungen erzielt werden können, aber ohne ihre Geschäftsreisen zu beschneiden, die wichtig für den zukünftigen Erfolg sind. Dies bedeutet, dass Kunden vermehrt auf uns zutreten und Unterstützung suchen, um das bestmögliche aus ihren reduzierten Travel- Etats zu erhalten.» Was auch Ruch bemerkt hat: «Die Beratung für Sparmöglichkeiten wird vermehrt angefragt. Primär geht es um die konsequentere Ausnutzung von günstigen Tarifen - allenfalls auf Kosten des Reisekomforts.»

Andere Verdienstmöglichkeiten

Die Schweizer Branchenführer CWT und HRG beklagen nicht bloss den Rückgang ihrer Umsätze infolge fallender Ticketpreise und sinkender Flugbuchungen. Sie erschliessen weitere Geschäftsfelder, um diese Verluste etwas abzufedern; zum Beispiel das Organisieren von Meetings, Incentives, Congresses & Events (MICE).

«Dies spielt eine zunehmend wichtige Rolle», sagt Bürer, «dank diesen Zweigen hat das Buchungsverhalten, das unter dem Eindruck der Wirtschaftskrise einen Einbruch erlitten hat, einen moderaten Einfluss auf unser Geschäft.» Und Ruggli meint: «Zugenommen haben unsere Zahlen im Online-Bereich und im MICE-Sektor. Letzterer hat sich dank neu gewonnener Kunden fast verdoppelt.»