Der umstrittene deutsche Internetunternehmer Kim Dotcom plant eine Neuauflage seiner Onlineplattform Megaupload. «Megaupload wird am 20. Januar 2017 wiederkommen», verkündete der in Neuseeland lebende Dotcom im Kurzbotschaftendienst Twitter.

«Es wird besser sein als das Original und es wird sich anfühlen, als käme man nach Hause.» Rund 100 Millionen einstige Megaupload-Nutzer sollen demnach mit Premium-Konten für die neue Seite gewonnen werden.

50 Millionen Nutzer täglich

Megaupload ermöglichte das kostenlose Hoch- und Herunterladen grosser Datenmengen und stand zu seinen besten Zeiten auf Platz 13 der meistbesuchten Internetseiten. 50 Millionen Nutzer waren damals täglich bei Megaupload unterwegs; sie sollen für rund vier Prozent des gesamten Datenverkehrs im Netz gesorgt haben.

Im Januar 2012 wurde Megaupload von der US-Bundespolizei FBI geschlossen. Die Behörden in den USA werfen Dotcom und drei weiteren Mitgründern der Plattform Urheberrechtsverletzungen im grossen Stil vor, weil auf Megaupload illegal Musikaufnahmen und Filme geteilt wurden. Der Neustart für das Projekt solle nun «am fünften Jahrestag der Razzia» auf seinem Anwesen im neuseeländischen Auckland erfolgen, erklärte Dotcom.

Dotcom kämpft gegen Auslieferung

Der Internetunternehmer kämpft derzeit gegen seine Auslieferung aus Neuseeland an die USA. Dort drohen ihm bis zu 20 Jahre Haft. Nach Auffassung der US-Behörden erwirtschaftete Megaupload illegale Einnahmen von mehr als 175 Millionen Dollar (172 Millionen Franken) und verursachte Rechteinhabern von Filmen, Musik und anderen Werken Einnahmeausfälle von mehr als 500 Millionen Dollar.

Ende vergangenen Jahres hatte ein neuseeländisches Gericht Dotcoms Auslieferung erlaubt. Dagegen wehrt sich der Internetunternehmer. Das Berufungsverfahren soll Ende August beginnen, die Anhörungen werden voraussichtlich vier bis acht Wochen in Anspruch nehmen.

Dotcom wurde 1974 als Kim Schmitz in Kiel geboren. Seine Karriere begann er in Computerclubs und präsentierte sich den Medien als Hacker. Ein Nimubs, der in der Szene heftig bestritten wurde. In den 90er Jahren war er eine schillernde Figur der New Economy. Schmitz wurde mehrfach verurteilt und wanderte schliesslich aus Deutschland aus. Mit dem Start von Megaupload 2005 änderte er seinen Namen in Dotcom.

(sda/chb)

Anzeige