Die Schweizer IT-Szene wird durch ein neues Startup bereichert: Anchorfree aus Kalifornien hat offiziell einen Sitz in Nidwalden eröffnet.

Die Firma bietet im Internet die totale Anonymität an. Nicht nur verstecktes Surfen ist inbegriffen, auch grosse Downloads kann man dank Anchorfree sorgenlos von überallher betreiben. 

Dass die Firma es vor allem auf grosse Download-Volumen abgesehen hat, zeigen E-Mails, die in der Schweizer IT-Szene kursieren und der Redaktion vorliegen.

Tauschbörsen-Nutzer im Visier

Die grossen Datenvolumen kommen vor allem durch Kunden zustande, die in Tauschbörsen massig Musik, Filme, Games herunterladen. Aber auch in Ländern mit Internetzensur lassen sich so Barrieren aushebeln.

Es ist hierzulande aber ein offenes Geheimnis, dass so genannte VPN-Dienste wie sie Anchorfree oder etwa BTGuard anbieten, vor allem Tauschbörsianer anlocken. Dabei ist Anchorfree in der Bewerbung der Download-Kundschaft eher zurückhaltend, ganz im Gegensatz etwa zu BTGuard.

Anchorfree überzeugt damit offenbar auch Goldman Sachs, glaubt man einem Bericht von Businessweek: Die Firma erhielt 52 Millionen US-Dollar Risikokapital, berichtet das Magazin. Anchorfree gehört demnach zum Portfolio der neuen Medien der Bank - unter anderem war sie auch bei Facebook früh investiert, und auch Dropbox gehört zu Goldman Sachs' Investments.

«Einzelne Kundenbeziehungen kommentieren wir grundsätzlich nicht», sagte Goldman-Sachs-Pressesprecher Roland Leithäuser gegenüber «Handelszeitung Online». Die genannten 52 Millionen Dollar Risikokapital seitens der Bank werden der Redaktion aber von anonymen Quellen bestätigt.

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Dienst legal, Protest garantiert

Der Sitz in der Schweiz hat für Anchorfree vor allem zwei grosse Vorteile. Erstens ist Nidwalden ein Steuerparadies. Viel wichtiger aber ist die Schweiz für den Bereich Urheberrecht. Die liberale Gesetzgebung begünstigt die Aktivitäten von Anchorfree, der Dienst ist hier absolut legal.

Das dürfte die Vertreter der Musikindustrie einmal mehr auf die Palme bringen. «Handelszeitung Online» liegen interne Dokumente des Schweizer Ablegers der Musikindustrie-Lobby Ifpi vor, die zeigen, dass der Verband seit längerer Zeit möchte, dass VPN-Diensten wie Anchorfree härter angefasst werden. 

Strafbarkeit von «Proxy-Caching»

Ein entsprechender Vorschlag der Ifpi während dem Vernehmlassungsverfahren zur Netzwerkkriminalität für den Begriff «Proxy-Caching» war: «Wer von einem Nutzer eingegebene Informationen in einem elektronischen Kommunikationsnetz übermittelt, ist für automatisierte, zeitlich begrenzte Zwischenspeicherungen, die dem alleinigen Zweck dienen, die Übermittlung der Informationen an andere Nutzer auf deren Anfrage effizienter zu gestalten, unter den Voraussetzungen von Artikel 322bis Ziffer 1 strafbar.»