Um den Konflikt zwischen den Minderheitsaktionären von Alu Menziken und der neuen Besitzerin Montana Tech Components ist es ruhig geworden. Die Auseinandersetzung war entbrannt, nachdem das österreichische Industriekonglomerat 2007 die Aktienmehrheit am Hersteller von Aluminiumprofilen übernommen hatte. Den Minderheitsaktionären wurden für ihre Anteile 300 Fr. geboten, während gemäss Insidern für das Mehrheitspaket gut 450 Fr. pro Aktie bezahlt wurden. Gleichzeitig kaufte Montana die profitable US-Flugzeugprofil-Tochter Universal Alloy Company (UAC) für 90 Mio Dollar aus der Alu Menziken ? ein Preis, der für die Kleinaktionäre viel zu tief ausgefallen ist.

Montana-IPO-Pläne sistiert

Hinter den Kulissen laufen die Verhandlungen zwischen Minderheitsaktionären und Montana aber auf Hochtouren. «Wir stehen weiterhin im Gespräch», bestätigt Martin Wipfli, Chef des Vermögensverwalters Baryon und Vertreter der Minderheiten. Eine Lösung des Konflikts strebt Wipfli bis zur kommenden Generalversammlung von Alu Menziken an. Spätestens dann würde der Auskauf der UAC aus der Menziker Firma abgesegnet.

Angesichts der aktuellen Lage an den Finanzmärkten ist zumindest ein Lösungsvorschlag vom Tisch: Montana hatte den Minderheiten neben dem zuvor gebotenen Barpreis einen Rabatt auf den Emissionspreis von Montana in Aussicht gestellt, sobald die Firma den geplanten Gang an die Schweizer Börse vollzogen hat. Das IPO-Projekt war für das laufende Jahr vorgesehen. «Heute ist ein Börsengang aber auszuschliessen», sagt Montana-CEO Klaus Sernetz. Ob und wann ein IPO erfolgen soll, ist derzeit noch offen.

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Als Alternative zur Abgeltung über einen IPO-Rabatt steht momentan ein Umtauschangebot zur Diskussion. Denkbar ist auch die Ausgabe einer Wandelanleihe. Zugeständnisse der Minderheitsaktionäre aufgrund der Finanzkrise sind aber nicht zu erwarten

Investitionen in Aerospace

In der Zwischenzeit hat Montana den Bau einer Fabrik in Rumänien für Aluminiumprofile für die Flugzeugindustrie bekannt gegeben. Im Werk, welches 28 Mio Euro kostet, soll von 2009 bis 2013 ein Airbus-Grossauftrag abgewickelt werden. «Es war eine Bedingung für den Vertrag mit Airbus, und wir konnten zum Glück noch die Finanzierung sicherstellen», so Sernetz. Unter der alten Führung von Alu Menziken war ein neuer Vertrag mit dem Flugzeugbauer beinahe gescheitert, was dem Ende der Aerospace-Aktivitäten in Europa gleichgekommen wäre. «Die Investitionen zeigen aber auch die hohe Werthaltigkeit des Aerospace-Geschäfts und dass die Entschädigung für die Minderheiten zu tief angesetzt war», so Wipfli.

Insgesamt wird Montana von den Minderheiten trotz allem keine schlechten Noten verteilt. «Die Zahlen der Firma zeigen, dass nicht schlecht gearbeitet wurde», sagt Vermögensverwalter und Alu- Menziken-Aktionär Peter Lehner. Der Ton zwischen den Parteien ist freundlicher geworden, auch wenn weiter hart um die Abgeltung der Minderheiten gekämpft wird.

 

 

NACHGEFRAGT


«Ich hoffe noch dieses Jahr auf eine Lösung»

Klaus Sernetz ist CEO von Montana Tech Components.

Wie weit sind die Verhandlungen mit den Alu-Menziken-Minderheitsaktionären fortgeschritten?

Klaus Sernetz: Wir führen fortlaufende Gespräche. Da das IPO derzeit nicht in Frage kommt, suchen wir eine Lösung über ein Umtauschangebot. Wir bieten den Aktionären Montana-Aktien im Tausch gegen jene von Alu Menziken. Ich hoffe, dass wir noch dieses Jahr eine für alle tragbare Lösung finden, damit die Umsetzung im 1. Quartal 2009 stattfinden kann.

Wie sieht dieses Umtauschangebot aus?

Sernetz: Wir werden es publizieren, wenn wir eine Einigung gefunden haben.

Werden Sie das Angebot erhöhen?

Sernetz: Es ist eine Frage der Bewertung der beiden Firmen. Die Welt hat sich innerhalb eines halben Jahres sehr verändert. Wir stehen zu unserem Angebot.

Halten Sie an Ihren IPO-Plänen fest?

Sernetz: Das IPO ist weiterhin ein Ziel, und wir werden den frühest möglichen Zeitpunkt nutzen. Wann dies sein wird, wissen derzeit die Götter.

Stellt das neue Werk in Rumänien das Ende der Aerospace-Aktivitäten in der Schweiz dar?

Sernetz: Nein. Wir stellen Profile und mechanisch bearbeitete Teile her. Für Letzteres wird ein Kompetenzzentrum in der Schweiz aufgebaut.

Wie geht es weiter mit Montana?

Sernetz: Wir haben zwei Akquisitionsziele, eines im Bereich Aerospace und ein weiteres Target. Die derzeitige Situation am Finanzmarkt lässt mich aber zweifeln, ob und wann eine Realisierung möglich ist. Die Preise sind günstig, aber man kann nicht alles aus Eigenmitteln finanzieren.