NACHHALTIGKEIT.

Die Ölreserven werden knapp», «100 Dollar für ein Barrel Brent», «Boom in China zerstört die Umwelt». Regelmässigen Lesern der internationalen Finanzpresse sind solche Schlagzeilen in jüngster Zeit mit Sicherheit nicht entgangen. Und auf alle Fälle steckt in ihnen eine ganze Menge Wahrheit. Die Energieproblematik ist längst nicht mehr nur ein Thema für Rohstoffinvestoren, die sich für die Angebots- und Nachfragesituation interessieren, sondern ein globaler Umwelttrend, der in letzter Zeit verstärkt in den Fokus der Investoren gerückt ist. Inzwischen haben zahlreiche Fondsgesellschaften, darunter auch Dexia Asset Management, entsprechende Investmentprodukte aufgelegt. Schwerpunkte diese Umweltfonds sind etwa die Themen Energie, Wasser oder Abfall, also drei Bereiche, die uns auch in den kommenden Jahrzehnten noch intensiv beschäftigen werden.

Ölpreis als Treiber

In den letzten fünf Jahren ist der Ölpreis markant gestiegen. Erst kürzlich überstieg der Preis für ein Barrel Brent die 100-Dollar-Marke. Hohe Ölpreise haben bei Industrie und Öffentlichkeit das Interesse an erneuerbaren Energien wie Solarenergie, Windkraft oder Biomasse geweckt.

Westlicher Lebensstil

Allgemein wird erwartet, dass die Bedeutung dieser erneuerbaren Energiequellen in den kommenden Jahren und Jahrzehnten noch steigen wird, da die Weltbevölkerung nach wie vor enorm zunimmt – insbesondere in den Emerging Markets. Die Menschen in diesen Ländern streben einen westlichen Lebensstil an, wozu auch ein eigenes Auto gehört. Ausserdem steigt die Anzahl der Privatfahrzeuge in einem Land, wenn das Bruttoinlandprodukt steigt. In den USA etwa kommen auf 1000 Einwohner 850 Autos. In Ländern wie China und Indien hingegen besitzen lediglich 20 bis 30 von 1000 Menschen ein Auto. Normalerweise fährt dieses mit Benzin und sorgt dafür, dass nach wie vor das meiste Benzin im Personenverkehr verbraucht wird. Nach einer Projektion der Internationalen Energieagentur (IEA) wird die globale Energienachfrage bis zum Jahr 2050 um mindestens 30% steigen. Deshalb ist es dringend notwendig, die Einführung erneuerbarer Energien voranzutreiben. Profitieren können davon beispielsweise kleinere Unternehmen wie der spanische Windkraftanlagenbauer Gamesa oder Hersteller CO2-armer Treibstoffe wie die kanadische, auf Biogas spezialisierte Gesellschaft Encana. Gewinner sind nicht zuletzt auch Grosskonzerne wie Toyota. Der japanische Automobilhersteller ist vor allem im langfristig attraktiven Bereich der Hybridautos gut positioniert.

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Vielfältiges Thema Wasser

Ein ebenso wichtiges Umweltthema wie Energie ist Wasser. Tatsächlich sind nur 0,5% des Wassers auf der Welt für Mensch, Landwirtschaft und Industrie nutzbares Süsswasser. Das ist sehr wenig, insbesondere wenn man bedenkt, dass davon noch eine Menge vergeudet wird – aus Sorglosigkeit oder aufgrund einer mangelhaften Wasserinfrastruktur. Gerade in Ländern wie China und Indien, in denen ein grosser Teil der Weltbevölkerung lebt, ist die Wasserinfrastruktur häufig mangelhaft oder sogar unbrauchbar. Das Wirtschaftswachstum dieser beiden Länder dürfte auch in den kommenden Jahren zwischen 6 und 10% betragen, und es ist damit zu rechnen, dass der Wasserverbrauch zweimal so stark steigen wird wie die Weltbevölkerung. Es steht deshalb ausser Frage, dass Unternehmen, die Lösungen für die Wasserprobleme anbieten, stark von diesem Wachstum profitieren werden. Berechnungen haben gezeigt, dass der Wasserversorgungssektor in den nächsten zehn Jahren jährliche Zuwachsraten um 10% aufweisen dürfte. Damit zählt der Wassersektor zu einem der dynamischsten Bereiche. Unternehmen, die voraussichtlich vom steigenden Wasserverbrauch profitieren, erscheinen in diesem Zusammenhang besonders attraktiv. Wachstumspotenzial sehen wir vor allem in der kanadischen Gesellschaft Hydro Development, die Wasserkraftwerke in Alberta und Ontario betreibt.

Abfallberge eindämmen

Im Rahmen von Umweltfonds noch wenig thematisiert wurde die dritte internationale Herausforderung, in die zu investieren sich lohnen könnte – nämlich das Abfallmanagement. Mit dem Wirtschaftswachstum der Emerging Markets und insbesondere wegen dem steigenden Lebensstandard in diesen Ländern wird auch mehr Müll produziert. Aber auch in den etablierten Industrieländern ist das Abfallmanagement längst nicht so effizient, wie man erwarten könnte. Zurzeit setzt die europäische Entsorgungsbranche jedes Jahr 110 Mrd Euro um, und der Markt für Abfallabholung, -transport und -beseitigung wächst sehr stark. Ein Zahlenbeispiel aus Grossbritannien untermauert diesen Trend: Es wird erwartet, dass sich der Jahresumsatz britischer Recyclingunternehmen in den Jahren 2003 bis 2018 mehr als verdoppelt. Um diese Abfallmengen bewältigen zu können, werden Investitionen von mindestens 6 Mrd Pfund für Kapazitätserweiterungen nötig sein. Zu den Unternehmen, die davon profitieren dürften, gehören Seché Environnement und Tomra Systems.Abschliessend ist zu erwähnen, dass diese drei Themen die Geschäftsmodelle der Unternehmen ebenso ändern werden wie den Lebensstil der Menschen und die gesamte Welt. Kluge Anleger, die sich hier gut positionieren, dürften in Zukunft belohnt werden.

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