Mit dem Modell Urbino 18 Hybrid hat der polnische Bushersteller Solaris Bus & Coach vor zwei Jahren als einer der ersten einen Bus mit serienmässiger Hybridtechnologie vorgestellt. Auf Basis der im Dauereinsatz gewonnenen Erfahrungen hat Solaris den Hybridbus konzeptionell weiterentwickelt und stellt in diesem Jahr nun die zweite Generation des Urbino 18 Hybrid vor. Der Zukunftsbus spart 22–24% Treibstoff und reduziert die Abgasemissionen um bis zu 78%.

Der drohende Klimawandel fordert innovative und nachhaltige Lösungen, die auch in Zukunft hohe Mobilität sicherstellen. Solaris Bus & Coach hat sich dieser Herausforderung angenommen und bietet mit dem Urbino 18 Hybrid einen zukunftsorientierten diesel-elektrischen Hybridbus. Seit Ende 2006 erfolgt die Dauererprobung bei Kunden in Deutschland und in der Schweiz. Auf Basis der Einsatzerfahrungen hat Solaris Bus & Coach das Antriebskonzept des Urbino 18 Hybrid weiterentwickelt und präsentierte an der diesjährigen IAA Nutzfahrzeuge die zweite Generation des Hybridbusses.

Start in den USA und in Kanada

Der Bus verwendet das leistungsverzweigte Hybridsystem EP50 von Allison Transmission. Das System ist einem parallelen Hybridsystem ähnlich und bietet grosse Flexibilität in der Einstellung auf kundenspezifische Betriebsparameter. Allison Transmission nahm die Serienproduktion des EP50 im Oktober 2003 auf, seitdem wurden mehr als 1000 EP50-Hybridsysteme an Kunden in den USA und Kanada ausgeliefert. In Zusammenarbeit mit Allison Transmission hat Solaris Bus & Coach das Hybridsystem an europäische Einsatzbedingungen angepasst.

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Nachdem sich der in der ersten Generation des Urbino 18 Hybrid verwendete Cummins-Dieselmotor mit 8,9 l Hubraum und einer Leistung von 243 kW (330 PS) im Alltagsbetrieb bisweilen als überdimensioniert herausgestellt hatte, gelangt in der zweiten Generation der Cummins ISBe5 250B zum Einsatz. Mit 6,7 l Hubraum leistet er 178 kW (242 PS) und verfügt über ein maximales Drehmoment von 1005 Nm bei einer Drehzahl von 1500 Umdrehungen pro Minute.

Der für den Einsatz in Hybridsystemen adaptierte Motor erfüllt die Euro-5-Abgasnorm, eine Zertifizierung nach EEV-Standard soll in Kürze erfolgen. Durch das Zusammenspiel mit dem Hybridsystem des Urbino 18 Hybrid ist es möglich, den Dieselmotor konstant in einem optimalen Drehzahlbereich zu betreiben.

Energie für das Anfahren

Die Kerneinheit des Hybridsystems, das EV50-Modul, nimmt im Solaris-Hybridbus die Stelle eines klassischen Automatikgetriebes ein. Die in ihren Dimensionen mit Automatikgetrieben vergleichbare Einheit verbindet zwei Elektromotoren mit je 75 kW Leistung mit drei Planetengetrieben und Synchronkupplungen. Die Elektromotoren arbeiten bei Bremsvorgängen generatorisch und speisen rückgewonnene Energie in die auf dem Fahrzeugdach montierten Nickel-Metallhydrid-Batterien. Diese sollen eine Lebensdauer von sechs Jahren aufweisen. Die Energie steht für nachfolgende Anfahrvorgänge wieder zur Verfügung. Weiterhin wird während der Fahrt nicht unmittelbar für den Antrieb benötigte Leistung des Dieselmotors zur Ladung der Batterien verwendet. Ein doppelter Wechselrichter (Dual Power Inverter Module, DPIM) stellt an allen Punkten des Hybridsystems die korrekte Stromart sicher.

Während der Antriebsstrang des Urbino 18 Hybrid in der ersten Ausführung des Busses im vorderen Fahrzeugteil untergebracht war und auf die zweite Achse wirkte, findet der Antrieb in der zweiten Generation des Urbino 18 Hybrid im Fahrzeugheck an der von konventionellen Dieselbussen gewohnten Stelle Platz. Der Bus ist als Schubgelenkbus ausgelegt, es wird die dritte Achse angetrieben. Dadurch ergibt sich die gleiche Fahrzeugaufteilung wie im konventionell angetriebenen Urbino 18, was den Betreibern eine hohe Flexibilität in der Innenraumgestaltung bietet. Weitere Komponenten des Hybridsystems sind auf dem Fahrzeugdach montiert. Die Nickel-Metallhydrid-Batterien finden oberhalb der zweiten Achse vor dem Fahrzeuggelenk Platz, der doppelte Wechselrichter sowie eine leistungsfähige Kühlergruppe sind am Fahrzeugheck angeordnet. Das Mehrgewicht des Urbino 18 Hybrid gegenüber der Dieselversion beträgt lediglich 300 kg. Wie im dieselgetriebenen Urbino 18 lassen sich bis zu 52 Sitzplätze realisieren.

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In sechs Jahren amortisiert

Der Solaris Urbino 18 Hybrid weist dank seiner innovativen Hybridantriebstechnologie einen deutlich reduzierten Treibstoffverbrauch gegenüber vergleichbaren konventionell angetriebenen Dieselbussen auf. Entsprechende Vergleichsmessungen wurden anhand der von der UITP definierten Sort-Messzyklen von der TÜV Süd-Gruppe und dem Fraunhofer-Institut Dresden durchgeführt und ergaben einen Minderverbrauch von 23,7% im Sort1-Zyklus, 23,4% im Sort2-Zyklus sowie 22,9% im Sort3-Zyklus. Basierend auf aktuellen Prognosen zur Dieselpreisentwicklung des deutschen Bundesverbandes für Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung ist bei einer jährlichen Laufleistung von 60000 km mit der Amortisation der Mehrkosten des Hybridbusses innerhalb von sechs bis sieben Jahren zu rechnen.

Durch den Hybridantrieb unterliegen zentrale mechanische Komponenten des Antriebsstrangs einem deutlich geringeren Verschleiss, weiterhin können die Ölwechselintervalle vergrössert werden. Ebenso entlastet das generatorische Bremsen die Bremsanlage, sodass Bremsbeläge nur halb so oft gewechselt werden müssen. Von Bedeutung für die Umwelt und den Klimaschutz ist ferner die Reduzierung von Abgasemissionen gegenüber konventionell betriebenen Dieselbussen. Vergleichsmessungen mit einem dieselgetriebenen Urbino 18 unter Strassentestbedingungen ergaben, dass die Emissionen an Stickoxiden (NOX) und Kohlenstoffdioxid (CO2) niedriger sind.