Ganz aus den Köpfen verschwunden sind die alles andere als umweltfreundlichen Zweitakt-Vergasermotoren zwar noch immer nicht. Deshalb liebäugeln Bootsbesitzer zuerst immer noch mit – pardon – oft viel schwereren und durstige(re)n Innenbordern. Dabei würde sich eine Probefahrt mit einem Schiff und einem modernen Viertakt-Aussenbordmotor unbedingt lohnen.

Schwach? Von wegen. Yamaha hatte auf der Interboot in Friedrichshafen seinen Big Block vorgestellt, einen im Trockendock mit Schraube übermannsgrossen Achtzylindermotor mit satten 350 Pferdestärken. Inzwischen wurde er mit einem derivaten, 300 PS starken Aggregat nach unten abgerundet.

750 PS für ein Schlauchboot

Ein Geschäftsmann aus der Romandie hat in der Schweiz als Erster bestellt und schon geliefert bekommen: Zwei 350 PS starke Blocks für sein 11 m langes, 3,6 m breites, vollgetankt und mit zwölf Personen beladen 7850 kg schweres Schlauchboot!

Für Bootsfreaks ist es traumhaft, wie die grossen Dinger dem Schiff fast lautlos zu schneller Fahrt verhelfen. Diese Motoren laufen mit einem vollelektronischen, computergesteuerten Motormanagement, werden über ein hydraulisches Servo-Lenksystem gesteuert (auch mit Autopilot), notabene alles ohne mechanische Kabelzüge. Die grossen Yamaha-Aussenbordmotoren stehen denn auch modernsten Automotoren in nichts nach. Marinetechnik pur wird hier live angewandt.

Frey begann mit Traktormotoren

Umgesetzt wird sie in der Schweiz durch die ProMot AG in Safenwil. Die von Vater Emil Frey als Kürzel für «pro Motor» 1953 gegründete Firma begann ihre Tätigkeit als Importeur von Perkins-Dieselmotoren für Traktoren und Ladewagen für die Landwirtschaft. Der Bedarf war gross. Damals gab es dafür in der Schweiz noch über 100 selbstständige Unternehmen.

Anzeige

Seit 1969 ist die ProMot AG Schweizer Importeur für Yamaha-Marinemotoren. Als Einmannbetrieb baute Andreas Huber (59) vor 37 Jahren den Schweizer Vertrieb für Yamaha-Aussenbordmotoren auf. Er erinnert sich noch gut an die Stunde null: «Von anfangs jährlich 20 verkauften Motoren konnten wir unseren Absatz kontinuierlich 10 bis 15% steigern.»

«Die Aussenborder von damals waren raue Zweitakter, richtige Steinbrecher», lacht Huber und dreht das Rad der Zeit zurück: «Damals beherrschte die heute nicht mehr existierende Marke Johnson neben Mercury, Volvo Penta, Evinrude, Archimedes, Crescent, Chrysler und weiteren das Schweizer Aussenbordergeschehen. Wir penetrierten sukzessive mit Zweithändlern den Markt und fassten nach und nach mit Yamaha Fuss.»

Dank dem erstklassigen Ruf der schon damals bekannten Motorräder und Musikinstrumente (deshalb die Stimmgabel im Logo) nahm das Interesse an Yamaha-Aussenbordmotoren permanent zu. «Das Mutterwerk Yamaha in Japan wurde 1896 gegründet, Yamaha Motor Co. 1955», erklärt Huber. Ein Jahr bevor ProMot 2009 das 40-Jahre-Importjubiläum feiert, wird dieses Jahr der Verkauf des 40000. Yamaha-Aussenborders in der Schweiz bejubelt.

Der Gesetzgeber macht Druck

Aus Umweltschutzgründen verbannte der Gesetzgeber die früher dominierenden Zweitaktmotoren vorerst ab 1993 am Bodensee und ab 1995 in der ganzen Schweiz. Die Hersteller von Aussenbordmoto-ren wurden gezwungen, in kürzester Zeit umweltfreundliche, von der Eidgenössischen Materialprüfungsanstalt (Empa) abgastypengeprüfte Marinemotoren herzustellen.

Seit dem 1. Juni 2007 gelten auch in der Schweiz die in der EU seit dem 1. Januar 2006 gültigen Abgasvorschriften. Am Bodensee gilt nach wie vor die Bodensee-Schifffahrtsordnung mit leider zum Teil immer noch drastisch eingeschränkten Zulassungsbedingungen für Verbrennungsmotoren. Mit dem Vormarsch der langlebigeren, umweltfreundlicheren und sparsameren Viertakter sank der Schweizer Aussenbordermarkt von früher knapp 4700 Einheiten auf durchschnittlich 2200 bis 2500 Motoren pro Jahr. 2007 wurden in der Schweiz insgesamt 2470 Aussenborder verkauft.

Der Zweitakter ist Vergangenheit

Die Tage des Zweitakt-Vergasermotors sind seit der Inkraftsetzung der revidierten Binnenschifffahrtsverordnung 2007 nun definitiv gezählt. Ab dem 1. Januar 2018 dürfen diese Motoren nicht mehr auf unseren Binnengewässern verkehren.

Davon profitieren zukunftsgerichtete Motorenhersteller. Bereits 1975 brachte Yamaha seinen ersten Aussenbordmotor mit 55 PS und elektronischer Zündung auf den Schweizer Markt. Damals war das der grösste Motor von Yamaha. Der ultimative Quantensprung in die Elektronik folgte Ende der 1990er Jahre mit dem ersten Einspritzer, 1998 mit Vierventiltechnik mit 80 und 100 PS, 2002 mit der abgastypengeprüften Einspritzung des 115-PS-Aggregates, 2005 mit einem 225 PS starken Sechszylindermotor mit variabler Nockenwelle und – last but not least – beim F350 (350 PS) mit der vollständigen LAN-Hightech-Elektronik – «Drive-by-wire» anstelle von mechanischen Kabelzügen – wie bei den modernsten Automotoren. Sämtliche Motordaten können dadurch über das LAN (Local Area Network) auf moderne Kartenplotter gebeamt werden, welche zum Beispiel bereits Echolot-, GPS- und Autopilotdaten verwalten.

Mit der neuen Generation umweltfreundlicher, nicht stinkender, nicht rauchender, 30% weniger Treibstoff verbrauchender Aussenborder ist deren Renaissance im höheren PS-Bereich nicht aufzuhalten. Zudem gewinnt man im Boot Platz, die Motoren sind einfacher zu installieren, es ist keine Motorraumentlüftung nötig, im Winter braucht kein Wasser abgelassen zu werden, dadurch sind die servicefreundlicheren Aussenborder das ganze Jahr einsatzbereit. Im Fall der Fälle sind sie zudem schnell demontierbar. Geht mal am Wochenende etwas in die Binsen, kann das Schiff in Kürze mit einem Ersatzmotor wieder flott gemacht werden.