Gut 4000 Rechenzentren existieren in der Schweiz. Insgesamt haben diese einen Bedarf in der Grössenordnung von 500 Megawatt elektrischer Leistung. Was das im Einzelnen bedeuten kann, zeigt das Beispiel eines grösseren Rechenzentrums mit einem Energiebedarf von rund 10000 Megawattstunden pro Jahr. Jede Reduktion dieses Bedarfs verbessert unmittelbar die Kostenseite und ganz nebenbei die CO2-Bilanz.

Die Abwärme besser nutzen

Für die meisten Unternehmen in der Schweiz ist Green IT ein wichtiges Thema, stellt eine entsprechende Studie von Sieber & Partners fest. Danach werden einige Massnahmen wie Server-Virtualisierung und energieeffiziente Hardware vielerorts schon umgesetzt. Handlungsbedarf besteht auch bei der Abwärmenutzung und der Klimatechnik. Eine ganzheitliche Kosten-Nutzen-Rechnung, in der zum Beispiel die Kosten für Strom und Kühlung bei der Kaufentscheidung eingerechnet werden, ist dafür eine Voraussetzung.

Investition in Innovation

«Green IT bietet mit verringertem Energie- und Platzbedarf, tieferen Kosten und weniger Administrationsaufwand fast nur Vorteile», schreibt Professor Reto Knutti vom Institut für Atmosphäre und Klima an der ETH Zürich in seinem Vorwort zu der genannten Studie. «Es ist ein Paradebeispiel für eine Situation, bei der sich Innovation und Bereitschaft zur Investition nach kurzer Zeit und in vieler Hinsicht auszahlen.»

Anzeige

Die Rechenzentren laufen warm

Bei der Nutzung von IT-Hardware geht es in erster Linie um den Einsatz energieeffizienter Geräte. Bereits an zweiter Stelle der Green-IT-Prioritätenliste steht eine Reduktion der Anzahl der Geräte. Beide Massnahmen führen zu einer Verringerung des Energiebedarfs, sowohl bei der Nutzung als auch bei der Herstellung der Systeme.

Eine der wichtigsten Stellschrauben für Energieeffizienz ist die Kühlung, denn gut ein Drittel der Energie für die Rechenzentren benötigen allein die Kühlsysteme. Hier lassen sich bis zu 40% einsparen. Derzeit ist häufig noch elektromotorische Kompressionstechnik im Einsatz. Die Zukunft jedoch liegt im «Free Cooling». Dieses Prinzip macht sich die Jahreszeiten zu Nutze: Nur im Sommer wird bei Bedarf herkömmlich gekühlt, ansonsten wird kühle Aussenluft ins Innere geleitet.

Die ständige Temperaturmessung der einzelnen Geräte erlaubt eine gezielte Kühlung. Statt, wie heute noch vielerorts üblich, den gesamten Rechnerraum auf 22 Grad Celsius zu kühlen, reichen bei der gezielten Kühlung auch 26 Grad aus. Das Energiesparpotenzial für die Kühlung liegt so bei rund 40%. Noch effizienter lassen sich wassergekühlte Racks betreiben. In manchen Rechenzentren ist dies bereits vorgesehen, jedoch noch nicht überall in Betrieb.

Energiesparend wirkt sich auch die Virtualisierung der Hardware aus. Server, vor allem wenn sie bestimmten Anwendungen zugeordnet sind, sind häufig nur zu wenigen Prozent ausgelastet. Durch Virtualisierung lassen sich auf einem real vorhandenen Server mehrere virtuelle Maschinen einrichten. Die Auslastung der Hardware steigt damit bei gleichem Energiebedarf deutlich an. Dies gilt analog auch für Speichersysteme.

Green-IT-Massnahmen bringen nicht nur eine effizientere Nutzung der Hardware und geringere Energiekosten mit sich. Unternehmen stehen damit auch zu ihrer sozialen Verantwortung.