GLOBAL COMPACT. Internationale Schweizer Konzerne wie Novartis, ABB, Nestlé und Holcim gehören zu den ersten Mitgliedern der 1999 am Weltwirtschaftsforum in Davos lancierten Uno-Wirtschaftsinitiative UN Global Compact. Heute zählt die Initiative, welche sich für soziales und ethisches Verhalten der Unternehmen einsetzt, rund 3000 Mitglieder. Nachdem lange kritisiert wurde, dass sich jedes Unternehmen anschliessen könne und Zuwiderhandeln gegen die Compact-Prinzipien keine Folgen habe, können seit zwei Jahren Firmen ausgeschlossen werden, die keine oder ungenügende Communication of Progress Reports (Fortschrittsmitteilungen) einreichen.

Liste der schwarzen Schafe

Erfreulich aus Schweizer Sicht ist, dass die oben erwähnten Schweizer Konzerne auf einer neuen Liste von Firmen mit vorbildlichen Progress Reports fungieren. Allerdings ist die Schweiz aber auch stark vertreten auf der Liste der «Non-Communicating Participants» – derjenigen Mitglieder, die bis zur jeweiligen Deadline keinen Report eingereicht haben. Ihnen droht der Ausschluss.Auf dieser unrühmlichen Liste befindet sich unter anderem das führende Schweizer Stickereiunternehmen, die Bischoff Textil AG aus St. Gallen. Der CEO, Max Hungerbühler, möchte sich grundsätzlich weiter am Compact beteiligen: «Allerdings ist der Aufwand, der zu betreiben ist, um nicht als ‹non-communicating-participant› abqualifiziert zu werden, derartig gross, dass er unsere Möglichkeiten übersteigt.» Vor dem Einstieg im Jahre 2005 sei gesagt worden, dass die zeitliche Inanspruchnahme nur gering wäre. Es habe sich nun aber herausgestellt, dass die Anforderungen für die Kapazitäten von Bischoff Textil zu hoch seien. Ähnlich geht es dem Textilunternehmen Christian Eschler im appenzellischen Bühler. CEO Peter Eschler sagt: «Die Initiative ist immer noch gleich interessant, aber der zeitliche Aufwand für uns, und im Speziellen für mich persönlich, ist einfach zu gross.» Grossunternehmen hätten eigene Stabsstellen dafür, etwas, was in einem KMU kaum anzutreffen sei. Dass das Unternehmen auf eine Art schwarze Liste kommt, wenn keine Reports eingereicht werden, habe ihn überrascht. Weitere gelistete Unternehmen wie Herrmann AG, Cross Systems und XL Generation wollten keine Begründungen für ihre Listenpräsenz abgeben.

UN-Büro weist Kritik zurück

Der Kommunikationschef beim UN Global Compact in New York, Matthias Stausberg, hat Verständnis für kleine um mittlere Unternehmen: «Wir erwarten von KMU keine 200-Seiten-Reports, sondern eine einfache Darstellung ihrer Aktivitäten, die sich an den zehn Prinzipien des Global Compact orientieren.» Das sollte eigentlich ohne übermässigen Aufwand machbar sein, sagt Stausberg weiter. «Die grosse Zahl von 586 Berichten, die bislang von KMU vorgelegt wurden, zeigt, dass viele dieser Verpflichtung auch gewissenhaft nachkommen.» Ausserdem gewähre der Compact den Unternehmen ausreichend Zeit. Der erste Progress Report müsse erst zwei Jahre nach dem Beitritt erfolgen. Neben der Transparenz, die solche Berichte schaffen, böten sie auch einen konkreten Nutzen für die Unternehmen. Stausberg: «Wer das Bekenntnis zum Global Compact ernst nimmt, sollte die Berichterstattung daher nicht als bürokratische Pflichtübung betrachten, sondern vielmehr als nützliches Mittel, um die eigenen Nachhaltigkeitsziele mit Strategie und Operationen in Einklang zu bringen.»

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