Der neue Präsident des Schweizer Börsenkonzerns SIX, Alexandre Zeller, will den strategischen Kurs seines Vorgängers fortsetzen und die Unabhängigkeit der Börse bewahren. Das sagte der am Vortag zum SIX-Verwaltungsratspräsidenten gewählte Zeller auf einer Pressekonferenz.

In der Vergangenheit hatte die Deutsche Börse wiederholt um die im Besitz von rund 150 Banken stehende SIX geworben. Zellers Vorgänger Peter Gomez hatte dann nach einjährigen internen Beratungen im vergangenen Oktober die Selbstständigkeit als längerfristiges Ziel ausgerufen. Ein Grund für die Ablehnung der Avancen war, dass viele Aktionäre der Deutschen Börse vor allem an einer gute Rendite interessiert seien. Gomez und Zeller sehen ihre Hauptaufgabe dagegen darin, der Schweize eine gute Finanzinfrastruktur zur Verfügung zu stellen.

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Zeller, der bis 2012 Private-Banking-Regionalchef der britischen HSBC war, will auch an den bestehenden Konzern-Standbeinen Börsen- und Wertpapier-Abwicklung, Finanzinformationen und bargeldloser Zahlungsverkehr nicht rütteln: «Ich will den strategischen Rahmen für die nächste Zeit beibehalten.»

Er bekräftigte auch sein Interesse am doppelt so grossen Konkurrenten Euronext. «Es wäre unprofessionell, das nicht anzuschauen», sagte Zeller. Die Euronext, die derzeit zur New York Stock Exchange (Nyse) gehört, soll nach der geplanten Übernahme der Nyse durch den US-Konkurrenten ICE abgespalten werden. Neben einem Börsengang ist dabei auch ein Verkauf denkbar. Es lägen noch keine Informationen zu Euronext vor, so dass die SIX noch nicht geprüft habe, ob eine Akquisition Sinn machen würde. Attraktiv seien vor allem die Skalenvorteile einer Übernahme, erklärte Zeller und ergänzte: «Es wäre die einzige Chance, eine bedeutende Börse zu übernehmen.»

(tke/vst/reuters)