Die Beliebtheit des Güterverkehrs auf der Strasse hält sich in engen Grenzen. Das ist jedenfalls der Eindruck, den jene Unternehmer erhalten müssen, die sich tagtäglich mit der Bereitstellung von Transportleistungen befassen dürfen. Deshalb nachstehend einige Beobachtungen aus der Praxis eines Anbieters, der sich seiner Rolle, Aufgabe und Verantwortung bewusst ist. Themen wie Staus, Emissionen und Behinderungen prägen die Debatte. Der Verkehr gilt als eine der Hauptursachen der Zerstörung der Lebensräume, der Luftverschmutzung und der Lärmbelästigung.

Dabei wird oft vergessen, dass die volkswirtschaftliche Leistung des Güterverkehrs umgekehrt proportional ist zur Anzahl der Lastwagen: Rund 60000 schweren Nutzfahrzeugen stehen rund 4 Mio Personenfahrzeuge gegenüber. Die wirtschaftliche Leistung jedoch ist unvergleichlich höher: 80% des Binnenverkehrs wird von Nutzfahrzeugen auf dem rund 70000 km umfassenden Schweizer Strassennetz abgewickelt. Im Bereich der Feinverteilung und Flächenerschliessung erfüllen die Nutzfahrzeuge somit ihre wesentliche Funktion. Der Schwerverkehr beschäftigt 65000 Arbeitnehmende und leistet einen Beitrag von rund 6 Mrd Fr. an die nationale Wertschöpfung. Verglichen mit der Schiene ist dieser Beitrag sechsmal höher.

Weitblick und Pioniergeist

Blickt man in die Geschichte zurück, wird deutlich, dass der Aufstieg des Wirtschaftsstandortes Schweiz mit der Entwicklung der Infrastruktur eng verknüpft ist. Fliessender Verkehr ist ein Schlüsselfaktor für effiziente Güterallokation und wirtschaftliche Wohlfahrt. Weitblickende Persönlichkeiten haben als Verkehrspioniere bereits im vorletzten Jahrhundert Verantwortung übernommen und zukunftsweisende Infrastrukturentscheide durchgesetzt. Manchmal wünscht man sich auch heute solche herausragenden Persönlichkeiten. Wer sich jedoch die aktuelle Verkehrspolitik aus der Sicht eines Leistungserbringers im Schwerverkehr ansieht, wird nicht gerade optimistisch gestimmt. Schwerverkehr auf der Strasse wird als ein Problem betrachtet. Das Problem ist jedoch ein anderes: Güter müssen in einer funktionierenden Volkswirtschaft von einem Standort zum anderen transportiert werden können. Der Schwerverkehr trägt dazu bei, dieses Problem zu lösen. Er kann es aber nur, wenn er auf eine Netzinfrastruktur zugreifen kann, die es ihm erlaubt, das Problem effizient zu lösen. Die Strasse bildet dazu einen unverzichtbaren Bestandteil. Wer sich an die Staus am Walensee zurückerinnert, dem wird unmittelbar einsichtig, in welcher Art und Weise Verkehrsprobleme lösbar sind. Wer diese Erfahrung in Bezug setzt zur aktuellen Lage, in der sich Nutzfahrzeugfahrer am Gotthard befinden, dürfte selber eigene Schlüsse ziehen können.

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Technologische Fortschritte

Die technologische Entwicklung hat grosse Fortschritte erzielt. Die Umweltbelastung pro transportierte Gütereinheit hat in den vergangenen Zeiteinheiten massiv abgenommen. Seit den 80er Jahren sind die CO2-Emissionen um 40% zurückgegangen. Die Feinstaubemissionen lagen im Jahr 2006 sogar 80% tiefer als im Jahr 1980. Dank verbesserten Sicherheitsstandards bei den Fahrzeugen hat sich auch die Verkehrssicherheit auf der Strasse verbessert. Diesen Fortschritten steht die steigende Nachfrage nach transportierten Gütern gegenüber. Vor diesem Hintergrund gilt es, die technologische Entwicklung weiter zu antizipieren und die Verkehrsströme mit modernsten Mitteln zu managen.

Engpässe beseitigen

Der volkswirtschaftliche Schaden, der durch die unzähligen Staustunden entsteht, ist in Bezug zu setzen mit den Zusatzaufwendungen für eine adäquate Infrastruktur. Hinzuzurechnen ist auch die Umweltbelastung, die durch Staus entsteht. Berechnungen zeigen, dass die Nutzfahrzeuge nur noch einen Drittel des Treibstoffs verbrauchen würden, wenn alle Infrastrukturengpässe beseitigt würden. Eine wesensgerechte und faire Finanzierung der Verkehrswege und des Transports nach dem Verursacherprinzip ist weiter zu fördern. In diesem Zusammenhang wäre auch darauf hinzuweisen, dass der Schwerverkehr in der Schweiz seine Kosten deckt und die erneute Erhöhung der Leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA) deshalb aus unserer Sicht klar zu Unrecht erfolgte. Der Schwerverkehr in der Schweiz bezahlt die weltweit höchsten Gebühren. Die LSVA hat dazu geführt, dass diese Abgaben in den letzten fünf Jahren um 100% auf 1,4 Mrd Fr. pro Jahr zugenommen haben. Wer über die Hochpreisinsel Schweiz diskutiert, sollte auch berücksichtigen, dass in jedem Konsumgut ein Anteil LSVA steckt. Das aktuell verfügbare Infrastruktursystem Schiene/Strasse ist marktverzerrend subventioniert und funktioniert deshalb ökonomisch und ökologisch suboptimal. Der öffentliche Verkehr kostet den Bund jedes Jahr über 3 Mrd Fr.

Mehr Markt

Eine Infrastruktur wird dann umwelt- und wirtschaftsfreundlich genutzt, wenn darauf Verkehrsdienstleistungen erbracht werden, welche die Bedürfnisse von Zahlungswilligen ohne Umschweife erfüllen. Subventionen im Verkehrsbereich hingegen verdecken Informationen der einzelnen Marktteilnehmer über deren effektive Zahlungsbereitschaft für Verkehrsdienstleistungen. Deshalb sollten Subventionen sukzessive abgebaut und durch Marktmechanismen ersetzt werden. Dies gilt auch für den Betrieb von Infrastrukturen. Der Schwerpunkt sollte nicht auf einen diffusen Versorgungsgedanken an sich gelegt werden, sondern auf die Wünsche von Kunden. Das Problem des Schwerverkehrs hat also einen Namen. Es heisst Güterverteilung. Der Schwerverkehr auf Schweizer Strassen ist ein wichtiger Faktor zur Lösung genau dieses Problems. Ohne Strassenverkehr greifen die Kunden in leere Regale.

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