VW setzt sich neue Ziele. Statt Wachstum um jeden Preis will der Konzern mit seinen zwölf Marken künftig mehr an jedem verkauften Auto verdienen. Bislang hatten die Wolfsburger vor allem die begehrte Krone in der Autobranche im Blick und wollten Weltmarktführer Toyota vom Thron stossen.

Nun sorgt das von VW entwickelte System gleicher Bauteile für immer mehr Einsparungen. Europas grösster Autobauer spricht daher von «qualitativem Wachstum» als neuem Ziel. Der Betriebsgewinn hatte mehrere Jahre lange stagniert, weil VW grosse Summen in sein neues Baukastensystem gesteckt hat.

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Ziele so gut wie erreicht

Die Absatzziele hat der Konzern bereits so gut wie erreicht: «Die Chancen stehen gut, dass wir die Marke von zehn Millionen Auslieferungen sogar schon in diesem Jahr übertreffen - vier Jahre früher als ursprünglich geplant», sagte Konzernchef Martin Winterkorn in Berlin bei Vorlage der Bilanz für das abgelaufene Jahr. Nach einem leichten operativen Gewinnplus 2013 steigt sein Gehalt auf 15 Millionen Euro. 2012 hatte er eine halbe Million weniger kassiert. Schon damals war er der bestbezahlte Vorstandschef in Europa. Im abgelaufenen Jahr verkaufte Volkswagen weltweit einschliesslich seiner beiden Lkw-Töchter Scania und MAN 9,73 Millionen Fahrzeuge und sieht sich damit als zweitgrösster Autobauer hinter Toyota und vor der Opel-Mutter General Motors.

Winterkorn kündigte zwar für dieses und das nächste Jahr mehr als 100 neue Modelle, Varianten und Produktaufwertungen an, um die Auslieferungen weiter zu steigern. Zugleich machte er aber klar, dass das Rennen um die Krone in der Automobilbranche für ihn nicht mehr im Vordergrund stehe. Vielmehr wolle der Konzern mehr auf die Qualität des Ergebnisses und seiner Fahrzeuge achten. Im abgelaufenen Jahr stieg der Betriebsgewinn leicht und zwar auf knapp 11,7 (Vorjahr 11,5) Milliarden Euro.

Dabei beginnt sich das Baukastensystem auszuzahlen: Bei der neuen Architektur sind bestimmte Baugruppen wie Achsen, Motor und Getriebe vergleichbar mit einem Legobaukasten so ausgelegt, dass sie nicht nur für einen Autotyp passen, sondern gleich für mehrere Modelle und Marken verwendet werden können. Dadurch soll die Zahl der Modellvarianten zunehmen, die Stückkosten sollen zugleich um 20 Prozent sinken, die Bauzeit soll sich je Auto um 30 Prozent verkürzen. Bereits heute wird der VW Golf, der Audi A3, der Skoda Octavia und der Seat Leon nach diesem Prinzip gebaut. Als nächstes folgt die neue Generation des Mittelklassemodells Passat, die Ende 2014 auf den Markt kommen soll. Auch Elektroautos, bei denen VW nun stärker aufholen will, sollen mithilfe des Baukastens leichter gebaut werden können. Im laufenden Jahr soll sich die Zahl der Fahrzeuge aus dem Baukasten auf zwei Millionen verdoppeln. Bis 2016 soll sich die Zahl erneut verdoppeln - auf dann vier Millionen Stück.

Lkw-Sparte näher bei VW

Zu einem höheren Ergebnis soll auch die Lkw-Allianz von MAN und Scania beitragen, bei der VW nun stärker das Heft in die Hand nimmt. Den Minderheitsaktionären von Scania bieten die Wolfsburger ab nächster Woche 22,26 Euro je Anteilschein, um die widerspenstige Tochter ganz in ihren Besitz zu bekommen. Bislang haben die Minderheitsaktionäre bei Scania ein wichtiges Wort mitzureden, da VW und MAN zusammen erst gut 60 Prozent des Kapitals und rund 90 Prozent der Stimmrechte an Scania halten.

Anders als direkte Konkurrenten wie Peugeot, Renault oder Fiat, die nur dank rigider Einschnitte oder mit Hilfe von Partnern überleben, umkurven die Wolfsburger die Schlaglöcher, die derzeit viele Massenhersteller aus der Spur bringen. Alleine der vor eineinhalb Jahren komplett übernommene Sportwagenbauer Porsche trug zum Ergebnis rund 2,6 Milliarden Euro bei. Aus den beiden Gemeinschaftsunternehmen in China strich VW sogar 4,3 Milliarden Euro ein, rund 600 Millionen mehr als im Vorjahr.

Der Umsatz wuchs um zwei Prozent auf 197 Milliarden Euro. Der Jahresüberschuss brach jedoch um mehr als die Hälfte auf 9,1 Milliarden Euro ein. Im Vorjahr hatten Sondereffekte im Zusammenhang mit der Porsche-Übernahme die Bilanz aufgebläht. Die Dividende soll nun um je 50 Cent auf vier Euro je Stamm- und 4,06 Euro je Vorzugsaktien erhöht werden.

(reuters/chb)