Seit Montag steht der deutsche Geheimagent Werner Mauss vor einem deutschen Gericht. Der 76-Jährige muss sich wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung verantworten. Laut Anklage soll Mauss in zwölf Fällen 15 Millionen Euro Einkommensteuer hinterzogen haben.

Ins Visier der Ermittler geriet der ehemalige Spion durch eine vom deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen angekaufte Steuer-CD zu mutmasslichen Steuerbetrügern der UBS. Angeblich – so Mauss – gehöre das Geld gar nicht ihm. Es soll sich um einen Geheimfonds ausländischer Geldgeber handeln, aus dem er seine verdeckten Operationen seit 1985 finanziert.

Zehn Verhandlungstage

Wer die Geldgeber des geheimen Fonds sein sollen, darüber will Werner Mauss keine Auskunft geben. Die Ermittler hingegen sind überzeugt, dass es diesen Fonds nie gab und dass es sich um unversteuertes Privatvermögen des legendären Agenten handelt.

Das Landgericht hat zehn Verhandlungstage für den Steuer-Prozess angesetzt. Am 19. Dezember soll das Urteil gesprochen werden. Bei einer Verurteilung droht Mauss eine Gefängnisstrafe.

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Schweiz ermittelt ebenfalls

Die Schweizer Bundesanwaltschaft ermittelt ebenfalls gegen die Undercover-Legende, wie der «Tages-Anzeiger» unlängst berichtete. Sie hat ein Strafverfahren wegen wirtschaftlichen Nachrichtendiensts auf den Deutschen ausgedehnt. Mauss wurde bereits in der Schweiz befragt. Er bestreitet die Vorwürfe.

Bei den Untersuchungen geht es um den mutmasslichen Handel mit vertraulichen Bankkundendaten. Ein Zürcher Privatermittler, der auch im Dienst des Nachrichtendienstes des Bundes stand, soll einem Mauss-Vertrauten Informationen aus der UBS, der Commerzbank und der Gazprombank geliefert haben. Ein Teil der Unterlagen erwies sich als gefälscht.

(ise)