«Clicks auf allen Zylindern» kommentierten die Analysten von Morgan Stanley das letzte Quartalsergebnis von Google, das Mitte Oktober veröffentlicht worden war. Der Umsatz war um 25% gegenüber dem Vorjahres-Vergleichszeitraum ausgeweitet worden, der Vorsteuergewinn auf Stufe EBITDA stieg um 18% auf 3,3 Mrd. US-Dollar, was einer Marge von 60% entspricht. Und der operative Gewinn pro Aktie lag bei 7,74 Dollar pro Aktie, deutlich über der Konsensschätzung, die bei 6.68 Dollar gelegen hatte. Die Analysten von Morgan Stanley erhöhten umgehend das Kursziel auf 700 Dollar pro Aktie und ihre Kaufempfehlung. Martialisch klingt es bei der Deutschen Bank. «Google ist jetzt ein dreiköpfiges Monster mit nachhaltigem Wachstum» schreiben die Analysten, «die Bilanz ist endlich eine schöne Mischung von Distribution, Geldverdienen und Optimierung.». Auch hier wurden nach den Quartalszahlen die Schätzungen für das laufende Quartal nach oben genommen und das Kursziel um 40 Dollar auf 650 Dollar empor geschraubt.
 



Optimiert wurde bei Google allerhand – aber nicht unbedingt in die von Investoren erwünschte Richtung. «Wir gehen davon aus, dass das Ergebnis durch kreatives Reporting geschönt wurde» schreibt Chris Bulkey, Analyst bei der Technology Research Group in Washington. Er fand im jüngsten Ergebnisbericht gleich eine Reihe merkwürdiger Punkte:
 

  • Die operative Marge war unverändert bei 35%, obwohl der Umsatz um 23% im Vergleich zum Vorjahr zulegte – ein klarer Hinweis auf eine nicht optimale Kostenstruktur.
  • Das kleinere Auftragsvolumen blähte den Umsatzzuwachs weiter auf.
  • Das Einkommen aus Zinserträgen sprang plötzlich auf 39 Cents pro Aktie. «Dieser plötzliche Anstieg erfolgte nicht zufällig» sagt Bulkey.
  • Die Steuerrate zwar mit 20% statt 24% tiefer, obwohl der (versteuerbare) Gewinn stieg, allein dieser Faktor trug 32 Cents zum Gewinn pro Aktie bei.
  • Die Summe von Steuerraten-Effekt und zusätzlichem Zinseinkommen (71 Cents) trug massgeblich zur positiven Überraschung bei.
  • Und laut Bulkey trugen weitere Spezialeffekte wie Absicherungen auf Fremdwährungen zum Grossteil der restlichen «Ergebnisüberraschung» bei. Allerdings wird man bis zum Einreichen des 10-Q-Berichts bei der US-Börsenaufsicht SEC warten müssen, bis hier Klarheit besteht.


Schwerer zu übertreffende Vergleichsbasis



«Nach den überraschend guten Zahlen stieg die Aktie im Zuge einer allgemeinen Erholung und einem die Anleger möglicherweise irreführenden Quartalsbericht» kritisiert Bulkey weiter, «es fällt schwer, an eine solche Erholung des operativen Geschäfts zu glauben.» Er hält die Aktie für überteuert und empfiehlt sie zum Verkauf.

Und auch Collin Gillis, Analyst bei BGC Parters, einem Wertpapierbroker aus New York, ist skeptisch. «Die Ausgaben steigen in Wirklichkeit rascher als die Einnahmen, alleine die Verwaltungskosten wuchsen gegenüber dem Vorquartal um 15%, dabei nahm der Umsatz lediglich um 7% zu.»  Gillis veranschlagt den Steuereffekt «aufgrund von Einmalfaktoren» auf 25 Cents und vermisste weiter führende Angaben über den Erfolg des Smartphone-Betriebssystems Android. «Jetzt wird die Vergleichsbasis für Google zunehmend schwieriger» sagt Gillis, «denn ab dem laufenden Quartal schwächt sich der Effekt der schwachen Vorjahresquartale ab.» Er empfiehlt die Aktie zu halten. – Eine Google-Sprecherin der Investors Relations-Abteilung mochte sich auf Anfrage nicht zur kreativen Buchführungspraxis äussern und verwies auf die wohlwollenden Analystenkommentare.

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