Die Volksrepublik ist die am schnellsten wachsende grosse Ökonomie der Welt und hat Japan als Nummer zwei unter den Wirtschaftsnationen abgelöst. Die Hoffnung: Bei einem gelockerten Wechselkursregime kann die ökonomische Dynamik besser auf die Handelspartner ausstrahlen. Eine Flexibilisierung des Yuan kennt viele potenzielle Gewinner. Kein Wunder, haben die weltweiten Kapitalmärkte positiv auf die überraschende Nachricht aus Peking reagiert, den Yuan-Kurs zu flexibilisieren. Künftig soll die chinesische Währung nicht mehr fest an den Dollar gekettet sein, sondern sich freier zu einem Währungskorb bewegen können.

Schon einmal, im Sommer 2005, erwies sich eine Freigabe des Yuan als wahrer Glücksbringer für die Weltwirtschaft. Am 21. Juli 2005 setzte Peking den Wechselkurs um 2,1% hinauf und kündigte ein liberaleres Wechselkurs-Regime an. In den darauffolgenden Monaten und Jahren zogen die Notierungen von Aktien und Rohstoffen stark an. Nach Ausbruch der Finanzkrise wurde der Yuan Mitte 2008 wieder fest an die Leitwährung Dollar gezurrt. Dort hatte er seither bei 6,83 Yuan verharrt. Was zum Schutz der chinesischen Exportindustrie gedacht war, vergrösserte gleichzeitig die ökonomischen Ungleichgewichte auf dem Planeten.

Gutes Zeichen für Weltkonjunktur

«Die Yuan-Aufwertung hebt die Stimmung an den Märkten», sagt Vincent Chan, Stratege bei der Credit Suisse in Hongkong. Ähnlich bewertet Larry Hatheway von der UBS die Situation: «Pekings Schritt zeugt von Vertrauen in die eigene Stärke, und das ist auch ein gutes Zeichen für die Weltkonjunktur.» Hinzu komme, dass die Flexibilisierung die Gefahr eines Handelskrieges zwischen China und den USA sinken lässt. Im US-Kongress hat sich in den vergangenen Monaten eine Phalanx von Abgeordneten formiert, die Peking eine Manipulation des Wechselkurses zum Schaden amerikanischer Jobs vorwerfen und mit Vergeltungsmassnahmen drohen.

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Die chinesische Notenbank, die Peoples Bank of China, hatte angekündigt, die seit zwei Jahren bestehende Bindung des Yuan an den Dollar zu lockern. Schon zu Wochenbeginn wertete das chinesische Geld auf. Zum Dollar legte der Yuan 0,43% zu. Für die streng regulierte Währung ist es das stärkste Plus seit Juli 2005. Rund um den Globus kam es zu starken Bewegungen im Währungsgefüge sowie an den Märkten.

Die Reaktion der Börsen ist damit genau wie nach der Währungswende von 2005. Auch damals gewannen risikoreichere Vermögenswerte wie Aktien, Rohstoffe und Schwellenländer-Währungen, während defensive Anlagen wie Anleihen verloren. Besonders betroffen sind amerikanische Staatsanleihen: Um der Aufwertung seiner Währung entgegenzuwirken, muss Peking ständig Dollar gegen Yuan kaufen, das Gros davon wurde in Festverzinslichen deponiert. Wird der Wechselkurs liberalisiert, fällt die Notwendigkeit zu einem Teil der Käufe weg.

Auftrieb für die Exportwirtschaft

Die Aktien zählen überwiegend zu den Gewinnern. Vor allem Exporteure profitieren, die viel Umsatz im boomenden Reich der Mitte machen. Sie gewinnen an Wettbewerbsfähigkeit oder können ihre Erträge steigern. «Die mittelfristig angelegte Aufwertung des Renminbi dürfte der deutschen Exportwirtschaft zusätzlichen Auftrieb verleihen», sagt Harald Preissler, Chefvolkswirt beim Investmenthaus Bantleon. Die Chinesen gewinnen bei einer stärkeren Währung international an Kaufkraft, was der ohnehin kräftigen Nachfrage nach Investitionsgütern einen zusätzlichen Schub versetzt.

Auf diese Weise kommt die Yuan-Aufwertung Firmen zugute, die jetzt schon stark in China verankert sind wie ABB, Siemens und Volkswagen. Auch die Luxusgüterhersteller Swatch und Richemont können sich freuen. Ähnlich wie den Japanern wird den Chinesen ein Hang zum Edlen und Feinen nachgesagt. Eine starke Währung dürfte den Trend verstärken. Potenzielle Verlierer sind Firmen, die in China produzieren lassen. Ihre Kosten erhöhen sich.

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