Auf Kaspar Villiger als designierter Verwaltungsratspräsident der UBS folgt nur Tage später die Nomination für die Credit-Suisse-Spitze. «Walter Kielholz wollte den Posten schon lange räumen», sagt Niklaus Senn, Ehrenpräsident der UBS, im Gespräch mit der «Handelszeitung». «Hans-Ulrich Doerig ist keine Überraschung. Man hat schon lange gesagt, dass er das Präsidium übernehmen könnte.»

Bei der UBS habe sich die Lage mit Oswald Grübel als neuem Konzernchef jetzt wesentlich geändert. «Er ist ein ausgewiesener, hervorragender Bankspezialist. Auch alt Bundesrat Kaspar Villiger ist ein Glücksfall», sagt Senn. Er erwartet, dass die neue Mannschaft den Turnaround schafft. Die UBS werde wieder in die schwarzen Zahlen zurückkehren. Wie lange es dauert, hänge vom weiteren Verlauf der Wirtschaftskrise ab. «Ich glaube aber an eine baldige Erholung und denke, dass es 2009/10 sukzessive aufwärts geht», sagt Senn. Beim Kurs von 10 Fr. hat er denn auch weitere UBS-Aktien gekauft.

Neulinge und eingespieltes Team

Weniger begeistert von der neuen Lösung an der Spitze der UBS ist Dominique Biedermann, Direktor der Anlagestiftung Ethos: «Bei der UBS hat Oswald Grübel sehr viel Macht, der Verwaltungsrat beschränkt sich leider auf seine Aufsichtsfunktion.» Nun sei es schwierig, im Verwaltungsrat der UBS ein Gegengewicht zu bilden.

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Ausgeglichener sei das Machtverhältnis zwischen Management und Verwaltungsrat dagegen bei der Credit Suisse. CEO Brady Dougan und der bisherige Vizepräsident Hans-Ulrich Doerig arbeiten seit 20 Jahren zusammen. «Sie können in allen Belangen als gleichberechtigte Partner diskutieren.»

Allerdings ist Doerig, der seit 35 Jahren im Dienste der Credit Suisse steht, bereits 69 Jahre alt. «Doerig ist kein langfristiger Verwaltungsratspräsident, als Nachfolger steht aber Urs Rohner in den Startlöchern», so Biedermann. Rohner übernimmt das Vizepräsidium von Hans-Ulrich Doerig. Bisher war er als Geschäftsleitungsmitglied der Credit Suisse unter anderem verantwortlich für die Entwicklung der Strategie, das Kostenmanagement, die Personalentwicklung sowie den gesamten Rechtsdienst und die Zusammenarbeit mit den Aufsichtsbehörden.

Veränderungen im UBS-VR

Mit der Nomination von drei zusätzlichen Verwaltungsräten erhöht sich die Zahl der Mitglieder im Verwaltungsrat der Credit Suisse auf 15. «Die Wahl der drei Neuen ist nachvollziehbar», so Biedermann. Dagegen sei die Rolle von Walter Kielholz als normales Verwaltungsratsmitglied unklar. Ethos wird ihn deshalb an der Generalversammlung vom 24. April 2009 nicht wählen. Die anderen Kandidaten der UBS und der Credit Suisse werden dagegen unterstützt.

Bei der UBS müssen sich an der Generalversammlung vom 15. April mit Ausnahme von Fiat-Chef Sergio Marchionne und dem ehemaligen BMW-Vorstandsvorsitzenden Helmut Panke alle Verwaltungsratsmitglieder zur Wiederwahl stellen. Hier zeichnen sich Wechsel ab. Wenn etwa der dienstälteste Verwaltungsrat Ernesto Bertarelli nicht mehr kandidiert, gibt es einen weiteren freien Sitz zu besetzen. Welche Verwaltungsräte sich definitiv zur Wiederwahl stellen, wird die Traktandenliste zeigen, die bis spätestens 20 Tage vor der Generalversammlung an die Aktionäre verschickt wird.

Nachwuchsprobleme angehen

«Der Verwaltungsrat hat die Aufgabe, die eigene Nachfolge zu regeln», so Biedermann von Ethos. Doch hier fehle es immer noch am nötigen Willen. «Niemand sagt seinem Verwaltungsratskollegen gerne, dass es langsam Zeit wird, zurückzutreten.»

Und Markus Granziol, ehemaliger Chef der UBS-Investmentbank, versteht nicht, warum bei enormen strategischen Fehlern nicht der gesamte Verwaltungsrat ersetzt wird (siehe «Nachgefragt»). Doch die Zeiten hätten sich geändert. «Die Aktionäre sind weniger tolerant geworden.» Bei UBS und Credit Suisse gebe es neue Grossaktionäre. Der Singapurer Staatsfonds GIC hält eine Beteiligung von gegen 8% und der Bund rund 9% an der UBS. Bei der Credit Suisse halten der Staatsfonds Quatar Holding (9%) und die israelische Holdinggesellschaft Koor Industries (3%) einen grösseren Anteil. «Die Konsequenzen daraus sind noch schwer abschätzbar. Aber da bewegt sich vieles», so Granziol.

 

 

nachgefragt


«Credit Suisse und UBS haben gut gewählt»

Der ehemalige UBS-Investmentbankchef Markus Granziol zu den neuen Finanz-Spitzenleuten.

Swiss Re, CS und UBS haben ihre Führung neu bestellt. Zufrieden?

Markus Granziol: Ich habe immer argumentiert, dass die UBS an der Spitze mindestens einen international erfahrenen, sehr kompetenten Banker braucht. Das, kombiniert mit einer überragenden Persönlichkeit als Präsident, der vertrauenswürdig und politisch versiert ist, kann nur gut für diese Bank sein.

Bei den anderen Unternehmen sind Sie skeptischer?

Granziol: Auch bei der CS scheint mir die Wahl gut. Bei der Swiss Re stellt sich offensichtlich die Frage, ob nach all diesen strategischen Fehlentscheiden, dem enormen Schaden, der allen Aktionären beigefügt wurde, nicht ein echter Neuanfang besser wäre. Der VR kann doch nicht so tun, als wäre er da nicht beteiligt gewesen.

Fehlen gute, neue Leute?

Granziol: VR-Mitglied einer komplexen Finanzfirma zu sein, ist eigentlich keine attraktive Tätigkeit. Man übernimmt grossen Risiken, die Materie ist sehr komplex, der Arbeitsaufwand - wenn man es richtig machen will - sehr gross, und die Bezahlung hält sich, sagen wir mal, «in Grenzen».

Wurde eine Chance verpasst?

Granziol: Eigentlich ist es unglaublich, dass in Firmen, die einen Grossteil ihres Eigenkapitals vernichtet haben und in denen enorme strategische und operative Fehlentscheidungen gemacht wurden, nicht der gesamte VR ersetzt wird.