Es ist zwei Uhr früh im kalifornischen Palo Alto, 50 km südlich von San Francisco. Für Fabio Cavalli beginnt der Arbeitstag. «Ich stehe gern früh auf. Ich brauche nicht viel Schlaf, drei bis vier Stunden reichen aus», sagt der Chef des Schweizer Börsenneulings Mondobiotech. Für das Telefongespräch mit der «Handelszeitung» nimmt er sich über eine halbe Stunde Zeit. Die junge Mondo, wie sie genannt wird, beschäftigt in Stans NW rund drei Dutzend Mitarbeiter. Die Firma sucht im Internet nach medizinischen Wirkstoffen, die zwar bekannt sind, aber bisher für kein Medikament genutzt wurden.

Bachem auf der Weltbühne

Szenenwechsel: Am Firmensitz von Bachem in Bubendorf BL geht alles seinen gewohnten Gang. Gründer und Patron Peter Grogg hat aus Bachem in den letzten 38 Jahren einen weltweit führenden Hersteller von pharmazeutischen Wirkstoffen gemacht. Mit 750 Mitarbeitern erzielte er 2008 bei einem Umsatz von fast 200 Mio Fr. einen Gewinn von 70 Mio Fr.

Nun hat Bachem mit Mondo eine langfristige Zusammenarbeit vereinbart. Der Vertrag zwischen den beiden ungleichen Partnern sieht vor, dass Bachem in den nächsten fünf Jahren sämtliche Substanzen herstellt, die Mondo zur weiteren Erforschung in Lizenz an Dritte verkauft. Daraus sollten eines Tages marktfähige Medikamente entstehen, und Mondo könn- te Kasse machen. Bachem kommt der Deal gelegen, denn der Umsatz ist im 1. Halbjahr 2009 um 8% eingebrochen, der Gewinn sogar um 25%. Dennoch zeigt sich das Unternehmen wortkarg, wenn es um Details geht. Bachem-Chef Rolf Nyfeler will weder über Risiken noch über das Volumen reden. Immerhin macht er deutlich, dass es keine finanziellen Verflechtungen gibt: «Bachem ist in keiner Weise an Mondo beteiligt, wie das der allgemeinen Geschäftspraxis der Bachem entspricht.»

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Mondo-Chef Cavalli ist gesprächiger. «Wir bezahlen Bachem für die Arbeiten, Bachem trägt kein Risiko.» Immerhin - und das freut ihn besonders: Ab sofort gelte nicht mehr Vorauskasse, wie es bei den bisherigen Aufträgen Usus war.

Zurück nach Kalifornien, ins Silicon Valley, wo Mondo die Internet-Tools erstellen lässt, mit denen das Internet nach verwertbaren Substanzen durchstöbert wird. Cavalli verbringt hier jeden Monat mindestens eine Woche. Neben der Arbeit tankt er frische Luft und Optimismus. «Das ist eine andere Welt, hier sagen die Leute: Hey, super, was du machst! Sie sind enthusiastisch.»

In der Schweiz schlägt Mondo Misstrauen entgegen, besonders seit dem Börsengang im August. Die Firma verbrennt Kapital. Seit der Gründung vor neun Jahren verbuchte sie keine nennenswerten Einnahmen, verfügt aber mit 1,7 Mrd Fr. über eine sehr hohe Marktkapitalisierung. Cavalli hat zwar 300 Wirkstoffe in der Pipeline, aber erst sieben davon in Lizenz verkauft. Und noch kein einziger hat es in die entscheidende dritte klinische Phase gebracht. Hinter vorgehaltener Hand spricht man auch von einem Leben über den Verhältnissen. «Wichtig ist, dass Sie in den Spiegel schauen können und wissen, was Sie tun. Und das wissen wir», sagt er.

Mondobiotech hat Zeit

Mondo sucht die Stecknadel im Heuhaufen. Wann und ob man überhaupt etwas findet, ist ungewiss. Cavalli rechnet frühestens 2014 mit einem Durchbruch. «Wir sind nicht in Eile, unser Businessplan läuft 25 Jahre. Jetzt sind erst neun vergangen.» Und unermüdlich predigt der gebürtige Tessiner interessierten Kreisen die Vorzüge und Gewinnchancen des Unternehmens. Das ist wichtig, denn in wenigen Monaten steht die nächste Kapitalerhöhung an.