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Unia attackiert Swissmetal-Chef

In der Kritik: Swissmetal-Chef Martin Hellweg an der Medienkonferenz (Bild: Keystone)

Gegenwind von der Gewerkschaft: Nach der Ankündigung von Swissmetal, 268 Stellen in Dornach zu streichen, greift Unia Verwaltungsratspräsident Hellweg an. Der Vorwurf: Er habe sein Wort gebrochen.

Veröffentlicht am 20.08.2011

Beim Buntmetallverarbeiter Swissmetal in Dornach SO rückt die befürchtete Massenentlassung näher: Wird übers Wochenende nicht noch in letzter Minute eine Lösung gefunden, verschickt das Unternehmen am Montag an 268 Mitarbeitende die Kündigung.

In Dornach würden dann nur noch 38 Stellen bestehen bleiben. Dagegen ist in den Werken Reconvilier im Berner Jura und Lüdenscheid in Deutschland kein Abbau geplant.

Swissmetal-Verwaltungsratspräsident Martin Hellweg setzte seine Hoffnungen am Freitag in Basel an einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz auf die Sozialpartner: Die Gewerkschaften, das Wirtschaftssekretariat für Wirtschaft Seco und die Kantone Bern und Solothurn könnten möglicherweise Hand bieten für eine Überbrückung der finanziellen Notlage, sagte Hellweg aufgrund von Verhandlungen.

Ein Vertreter der Gewerkschaft Unia attackierte den Swissmetal-Chef an der Medienkonferenz scharf und bezichtigte ihn der Lüge. Hellweg breche dem Standort Dornach bewusst das Genick. In den Gesprächen sei zwischen den Sozialpartnern vereinbart worden, dass vor Montag keine Entscheidungen getroffen würde.

Nun seien die durchaus noch bestehenden Chancen auf Weiterführung der Produktion in Dornach zunichte gemacht worden, kritisiert die Unia. Von einer solchen Vereinbarung wollte Hellweg aber nichts wissen. Allen sei klar gewesen, dass am Freitag entschieden, der Vollzug der Kündigungen aber bis Montag ausgesetzt werde.

Szenario mit 100 verbleibenden Arbeitsplätzen

Die Sozialpartner sind bei der massiv überschuldeten Swissmetal schon für die Juli-Löhne eingesprungen. Auch die Saläre für den laufenden Monat könne Swissmetal nicht mehr selbst bezahlen, sagte Hellweg. Die monatliche Lohnsumme bezifferte er auf drei Millionen Franken. Eine allfällige Zwischenfinanzierung wäre laut Hellweg durch die Aktiva des Unternehmens «sehr stark gesichert».

Laut Hellweg gibt es auch ein Szenario, das zumindest den Erhalt von rund 100 Arbeitsplätzen vorsieht. Hergestellt werden sollten in Dornach in diesem Fall besonders rentable Produkte.

Weiterhin im Gespräch ist man laut dem Verwaltungsratspräsidenten auch mit dem französischen Buntmetallhersteller Le Bronze, dessen erste Übernahmeofferte Swissmetal abgelehnt hatte. Von Le Bronze brauche es jedoch ein Angebot, dass nicht nur dem Verwaltungsrat, sondern auch dem Nachlassverwalter und dem Richter genehm ist. Swissmetal befindet sich seit dem 21. Juli in Nachlassstundung.

Riesiger Verlust im ersten Halbjahr

Soll es zu der am 7. Juli angekündigten Massenentlassung kommen, soll der Stellenabbau in kurzer Zeit vollzogen werden, sagte Hellweg am Freitag nach Ablauf der Konsultationsfrist. Es solle der gleiche Sozialplan wie bei den Entlassungen 2007 zur Anwendung kommen.

Neben dem Stellenabbau gab Swissmetal am Freitag auch das Ergebnis für das erste Halbjahr 2011 bekannt. Diese schliesst mit einem Verlust von 76,6 Millionen Franken. Vor Jahresfrist hatte das Minus noch 9,6 Millionen betragen. Per Ende 2010 verzeichnete das Unternehmen den dritten Jahresverlust in Folge.

(tno/sda)

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