Bis Ende Jahr will Tamedia ihre vier Sender TeleZüri, Radio 24 (Zürich) und TeleBärn, Capital FM (Bern) abstossen. Das Verlagshaus führt zu diesem Zweck ein Auktionsverfahren durch. Mit dabei soll auch Unia sein, wie zwei Quellen aus der Kommunikationsbranche berichten. Die Gewerkschaft wolle damit eine «Berlusconisierung» der Schweizer Medienlandschaft verhindern und Themen, die der Linken und den Gewerkschaften wichtig seien, zu Öffentlichkeit verhelfen, so die Überlegung. Bisher sollen neben Medienunternehmen wie Ringier und dem TV-Sender 3+ auch branchenfremde für die Tamedia-Sender geboten haben, darunter der sich im Totalumbau befindliche Casinokonzern Escor oder gerüchteweise auch SVP-nahe Kreise.

Das Angebot der Gewerkschafter kommt überraschend, scheint aber mehr als ein Versuchsballon zu sein. Unia, die mit 200‘000 Mitgliedern und über 100 vertretenden Branchen zu den grössten Arbeitnehmerorganisationen des Landes zählt, hat laut einer der Quellen bereits weitreichende Vorarbeiten geleistet. Unter dem Namen «360 Grad» sollen die Verantwortlichen nun schon ein Expertenteam zusammenstellen, mit dem sie ihr Angebot inhaltlich vertiefen, wenn Unia im Rennen bleiben sollte.

Innerhalb der Unia soll nur ein kleines Team bestehend aus Roman Burger, Unia-Geschäftsleiter Zürich, und dem Finanzchef am Angebot gearbeitet haben. Burger wollte eine Offerte für die vier Tamedia-Sender auf Anfrage weder bestätigen noch dementieren. Er versprach einen raschen Rückruf, ging dann aber auf Tauchstation. Laut einer der beiden Quellen rechnen sich die Unia-Projektverantwortlichen offenbar Chancen auf einen Zuschlag aus. «Tamedia will nicht, dass Christoph Blocher das Rennen macht», sagt der Kenner der Verhältnisse. Eine Sprecherin des Verlagshauses sagt, der Verkauf soll bis Ende Jahr über die Bühne gehen. Zu einzelnen Offerten wollte man sich nicht äussern.

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Die Unia hat bereits ein kleines Medienreich. So gibt sie die Gewerkschaftszeitungen «Work» in der Deutschschweiz heraus (Auflage 91'000 Exemplare – 14-täglich), in der Westschweiz publiziert sie «L‘événement syndical» und im Tessin «Area». Zudem erscheint neun Mal jährlich «Horizonte», eine Publikation in Portugiesisch, Spanisch, Serbokroatisch, Albanisch und Türkisch.

Der Verkaufspreis für alle vier Sender könnte gegen 50 Millionen Franken betragen, sagt die Quelle. Tamedia hatte 2000 über 90 Mio. Fr. für TeleZüri und Radio24 auf den Tisch geblättert. Unia weist für 2009 einen Jahresgewinn von 242‘000 Franken aus. Ein Betriebsverlust von 8,5 Millionen Franken konnte nur dank Finanz- und Immobilienerträgen ausgeglichen werden. Um genügend Finanzkraft in die Waagschale werfen zu können, sei die Gewerkschaft derzeit daran, interessierte Investoren an Bord zu holen, sagt die Quelle.