So müssten die Partnerbanken von Petroplus «die für die Fortführung der Produktion notwendigen Mittel freigeben», fordern die französischen Gewerkschaften CGT, CFDT und CFE-CGC, die belgische ABVV-FGTB sowie die englische Unite und die Schweizer Unia in ihrem gemeinsamen Aufruf.

Vom Überleben des Unternehmens hänge nicht weniger als die Zukunft der europäischen Petrochemiebranche ab, heisst es in der Mitteilung. Wenn die Zahl der Raffinerien in Europa abnähmen, müssten immer mehr Fertigprodukte importiert werden. Deren Produktion entspräche aber nicht den europäischen Umwelt- und Sicherheitsstandards.

Kein Geld für frisches Öl 

Vor wenigen Tagen hatten die Kreditgeber des angeschlagenen Konzerns noch nicht bezogene Kredite über 1 Milliarde US-Dollar eingefroren. Damit kann der Konzern kein neues Rohöl mehr kaufen. Das Unternehmen schreibt seit 2008 rote Zahlen und fuhr in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2011 einen Verlust von 413,3 Millionen Dollar ein. 

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Wegen Rohölmangels will Petroplus noch in diesem Monat die Produktion in drei seiner fünf europäischen Raffinerien einstellen - betroffen ist auch die Schweizer Anlage in Cressier NE mit rund 260 Angestellten. Auch die Raffinerien im belgischen Antwerpen und im französischen Petit-Couronne werden heruntergefahren. Anlagen unterhält Petroplus ausserdem im englischen Coryton und im deutschen Ingolstadt.

Gerüchte um Kaufinteressenten

Die Gewerkschaften aus den betroffenen Ländern versuchen nun, die gefährdeten Arbeitsplätze zu retten. Seit Jahren würden in der Branche Milliardengewinne erwirtschaftet, heisst es in der gemeinsamen Mitteilung: «Es kommt nicht in Frage, dass jetzt die Arbeitnehmenden den Preis für die veränderten Rahmenbedingungen zahlen und einfach abgeschoben werden».

Am Schweizer Markt waren am Dienstag laut der Nachrichtenagentur AWP erste Spekulationen zu hören, wonach möglicherweise Kaufinteressenten aus Russland und China nach dem serbelnden Raffineriekonzern greifen könnten. Die Aktie von Petroplus legte am Dienstag zeitweise um bis 3 Prozent zu, nachdem sie nach Weihnachten rund 50 Prozent an Wert verloren hatte. Analysten malten daraufhin die Gefahr einer Insolvenz an die Wand und die Ratingagentur Standard & Poor's stufte die Bonität des Konzerns auf das Prädikat «mit hohen Risiken behaftet» herab.

(muv/laf/awp)