Manager im Business Look in Gängen und Räumen von Universitäten sind heute keine Seltenheit mehr. Oft handelt es sich um Frauen und Männer in mittleren Karrierephasen, welche die Krise als Chance nutzen, die eigenen Fähigkeiten besser zu verstehen.

Nicht selten findet man darunter freigestellte Kadermitarbeiter, deren happige Abgangssumme den Schock etwas erträglicher macht. Die Weitsichtigen unter ihnen wollen das Geld in Weiterbildung investieren, um den Grundstein für einen neuen Anfang oder eine weitere Karriere zu legen. Doch es gibt auch eine wachsende Zahl an Bewerbern, die ihre Weiterbildung selbst bezahlen, darunter viele Frauen.

Hohes Niveau ist entscheidend

Der Entscheid für eine Weiterbildung an einer der beiden ETH oder den Universitäten hat gute Gründe: Teilnehmer streben bewusst eine Institution mit hoher Reputation an. Sie erwarten ein Programm mit hochkarätigen in- und ausländischen Dozenten aus Wissenschaft und Wirtschaft.

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Dazu kommt, dass an den Universitäten ebenso im Weiterbildungsbereich Diplome und Titel vergeben werden, die national und/oder international anerkannt sind. Bei vielen Programmen wird ein Hochschulabschluss auf Masterstufe vorausgesetzt oder eine gleichwertige Qualifikation plus mehrjährige Berufserfahrung. Das gilt vor allem für länger dauernde Studiengänge, manchmal auch für kürzere Seminare und Kurse.

Auf den Campus zurückkehren

Was bringt es nun den hiesigen Universitäten oder Fachhochschulen, Weiterbildung mit so grosser Kelle anzurühren?

Eine Umfrage bei der ETH Zürich, den Universitäten in St. Gallen und Zürich sowie bei der Hochschule für Wirtschaft Luzern zeigt, worauf alle setzen: Ausgewiesene Qualität, aktuellen Praxisbezug, Reputation der Universität, gesteigert durch den Weiterbildungsbereich. Unter den Studierenden befinden sich viele ehemalige Absolventen, die gerne zurück an ihren Campus gehen.

Markus Wyss, Prorektor der Hochschule für Wirtschaft Luzern und verantwortlich für den Weiterbildungsbereich, sagt offen, dass allein im Bereich Wirtschaft 13 Mio Fr. Umsatz generiert werden. Damit steigert das Institut, das seit 30 Jahren im Weiterbildungsmarkt aktiv ist, auch seine Akzeptanz, vor allem bei den KMU.

Überhaupt sind Alumni im Weiterbildungsmarkt eine grosse Masse und sehr umworben. Sie werden gehegt und gepflegt auch deshalb, weil sie von ihren Unternehmen oft Master- und Bachelorarbeiten einbringen.

An der Universität Zürich ist Alexandra Müller als Leiterin der Fachstelle Weiterbildung zuständig. Sie sagt, was diese der Eliteschule bringt: Gesteigerte Reputation, zusätzliche Einkünfte, ständige Präsenz im Puls der Wirtschaft, eine sich vergrössernde Alumni-Gemeinde, die von den Teilnehmern als hochinteressantes Netzwerk genutzt wird.

Daniel Künzle, Leiter des Lehr-Zentrums an der ETH Zürich, weist ebenfalls darauf hin, dass die Hochschule über Teilnehmer unmittelbar Kontakte zur Arbeitswelt erhält, institutionelle und personelle Netzwerke aufbauen oder vielleicht auch Forschungskooperationen eingehen kann.

Ein regelrechter Tempel der Weiterbildung ist der neue Campus der Universität St. Gallen, die Executive School. Dort finden sich die Namen von Alumni und wichtigen Unternehmen verewigt auf den Windows of Fame. Als Galionsfiguren geben sie dem Ort Geld und Glamour. Dort kann man im Campus-Hotel schon mal Josef Ackermann, Schweizer Direktor der Deutschen Bank, begegnen.

Zum Stellenwert erklärt Mat- thias Straetling, Executive Director und COO der Executive School an der HSG: «Weiterbildung ist eine tragende Säule der Universität St. Gallen neben Forschung und Lehre. Sie dient einerseits der Profil- und Reputationsbildung in einem intensiver werdenden Wettbewerb hervorragender (Wirtschafts-)Universitäten, und zwar sowohl regional als auch national und international. Zum anderen trägt die Weiterbildung zu intensiven Praxiskontakten bei, was Forschung und Lehre befruchtet.» Und Straetling fügt hinzu: «Schliesslich ist die Weiterbildung auch eine nicht unbedeutende Säule der Finanzierung der Universität St. Gallen, die ihren schweizweit einzigartigen Selbstfinanzierungsgrad von mehr als 50% vor allem der Weiterbildung verdankt.»