Nach dem AWD-Deal hat die Börse die Swiss-Life-Aktie abgestraft. Traut der Markt Ihrer Strategie nicht?

Rolf Dörig:

Werden Sie die Finanzakteure vom Sinn der Akquisition überzeugen?

Dörig: Davon bin ich sehr überzeugt. Strategisch passt die AWD zu 100% in unser Mehrkanal-Vertriebskonzept. Nun müssen wir unter Beweis stellen, dass wir die Ziele auch erreichen werden.

Wie positionieren Sie Swiss Life strategisch nach dem Verkauf der Banca del Gottardo und der Benelux-Tochtergesellschaften?

Dörig: In den vergangenen vier Jahren haben wir Swiss Life auf eine sehr gesunde Basis gestellt. Wir haben uns auf unsere Stärken konzentriert, die Effizienz deutlich gesteigert und die Kapitalbasis gestärkt. Jetzt sind wir bereit für den nächsten Wachstumsschub. Dabei werden wir uns noch stärker auf Lebensversicherungen und Vor-sorgelösungen fokussieren.

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In welchen Märkten?

Dörig: In unseren drei Kernmärkten Schweiz, Deutschland und Frankreich. Aus diesen Märkten heraus wollen wir unsere Produkte via zusätzliche Vertriebspartner wie den unanabhängigen Finanzberater AWD, Broker oder Banken in neue Länder exportieren.

An welche Länder denken Sie?

Dörig: Dank AWD sind dies in erster Linie Österreich und die osteuropäischen Länder.

Sie bleiben auf Europa fokussiert?

Dörig: Ja, primär über organisches Wachstum in jenen Ländern, in denen wir schon sind, sowie über Vertriebskraft in neue Märkte.

Sind Akquisitionen geplant?

Dörig: Zurzeit nicht.

Wie wichtig wird das internationale Geschäft?

Dörig: Bis 2012 geht das Auslandwachstum stark weiter. Wir rechnen damit, dass wir dann einen Viertel des Prämienvolumens in der Schweiz und drei Viertel im Ausland generieren. Total gehen wir von über 36 Mrd Fr. Prämien aus. 2007 sind es rund 24 Mrd Fr.

Nur mit klassischen Lebensversicherungen lässt sich kaum das grosse Geld machen.

Dörig: Wir werden im nicht-traditionellen Lebensversicherungsbereich die Produktepalette erweitern. Wir werden Variable-Annuities-Produkte nächstes Jahr in Deutschland und ab 2009 auch in der Schweiz lancieren. Mit diesen Produkten rechnen wir mit einem zusätzlichen Prämienvolumen von rund 4 Mrd Fr. Zweitens werden wir verstärkt Lösungen für vermögende Privatkunden anbieten. In diesem Bereich sind wir derzeit weltweit die Nummer zwei und sehen noch viel Wachstumspotenzial. Diese beiden Produktekategorien zusammen werden bis 2012 zwischen 9 und 12 Mrd Fr. Prämienvolumen bringen.

Nach dem Verkauf der Banca del Gottardo stellt sich die Frage, was Swiss Life mit den abgelaufenen Lebensversicherungen macht?

Dörig: In der Schweiz werden wir weiter mit der BSI/Banca del Gottardo zusammenarbeiten. In Frankreich haben wir eine Banklizenz. Es ist aber tatsächlich so, dass uns ausserhalb von Frankreich Bankpartner für den Vertrieb von Vorsorgelösungen fehlen.

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Wie schliessen Sie die Lücke?

Dörig: Wir halten weiter Ausschau nach sinnvollen Kooperationen.

Swiss Life ist nach wie vor tief bewertet: Wie wollen Sie gegenüber der Konkurrenz bestehen?

Dörig: Indem wir alles, was wir in den letzten Monaten aufgegleist haben, erfolgreich umsetzen.

Ist Swiss Life 2012 immer noch selbstständig?

Dörig: Wenn uns die Umsetzung gelingt, werden wir so viel Mehrwert generieren, dass das für unsere Aktionäre sehr attraktiv ist. Das rechtfertigt die Eigenständigkeit.

Keine Angst vor Übernahmen?

Dörig: Angst haben wir grundsätzlich keine, denn wir wissen, was wir tun. Wir sind überzeugt, dass wir für die nächsten Jahre als eigenständige Swiss Life unglaublich attraktiv für unsere Aktionäre sein werden.