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Interview
«Unser Standort ist und bleibt London»

Finanzzentrum von London
London: Für das Schweizer Geschäft des Unternehmens mit Sitz in London hat der Brexit wenig Folgen.Quelle: Keystone

2017 war bei Vermögensverwalter Janus Henderson Fusionsjahr. Schweiz-Verkaufschefin Ariane Dehn über Brexit-Folgen und wo es Transparenz braucht.

Von Julia Fritsche
am 27.12.2017

2017 war der neue US-Präsident ein dominierendes Thema für die Welt. Was war das Thema für Janus Henderson?
Ariane Dehn*: Sicherlich der «Merger of Equals» von Henderson Global und Janus Capital, der Mitte 2017 über die Bühne ging. In der zweiten Hälfte des Jahres hatten wir die Aufgabe, das neue Gemeinschaftsunternehmen bei unseren Kunden zu positionieren.

Was haben Ihre Kunden vom Merger?
Der grösste Vorteil ist die nun globale Präsenz. Vorher hatten beide Unternehmen blinde Flecken. Bei Henderson war dies Amerika, bei Janus Europa. Nun decken wir zusammen alle wichtigen Märkte ab. Dazu kommt, dass Janus Henderson dank der gemeinsamen Grösse von 360 Milliarden Dollar ganz anders wahrgenommen wird. In Grossbritannien gehören wir dank dem Merger zu den Top fünf der Vermögensverwalter.

Wie viel sind dabei Namen wie Bill Gross wert?
Durch den Merger mit Janus haben wir einige hochklassige «Thoughtleaders» unter unserem neuen Unternehmensdach. Bill Gross ist hier natürlich einer der herausragensten Meinungsbildner im Fixed Income Asset Management und seine Ausblicke werden von Investoren sehr geschätzt. Weitere bekannte Namen sind Nobelpreisträger Myron Scholes und John Bennett, Head European Equities.

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Wie in jeder Partnerschaft waren beim Merger bestimmt auch Kompromisse nötig?
Hauptsächlich gab es diese auf der technischen Seite. Welche IT-Infrastruktur, welches Compliance-System wählt man für das neue Unternehmen. Solche Dinge müssen geklärt werden. Gerade bei der Compliance ergaben sich durch den Merger aber auch grosse Vorteile. Denn in diesem Bereich haben sich die Personalkosten in den letzten Jahren verdreifacht. Durch Synergien können wir nun aber 125 Millionen Dollar einsparen.

Wie hat sich für Sie die Arbeit in der Schweiz verändert?
Personell gab es kaum Veränderungen. Janus war mit nur einem Mann hier vor Ort. Thomas Henauer hat das Unternehmen aber bereits vor der Fusion verlassen. Im Moment suchen wir eine weitere Personen im Bereich Vertrieb. Trotz der kleinen Präsenz hat uns der Merger aber auch hierzulande vorwärtsgebracht. Janus war anders als Henderson im Pensionskassengeschäft aktiv. Davon können wir nun profitieren, denn in den letzten zwei Jahren haben wir dort einen kleinen Trend weg von passiver Verwaltung gesehen.

Ist die gemeinsame Grösse auch ein Vorteil im Wettbewerb mit den passiven Fondsanbietern?
Der Wettbewerb mit allen Konkurrenten ist hart. Während passive Anbieter durch die Menge und Technologie glänzen, müssen wir als aktiver Vermögensverwalter durch gute Leute punkten. Gewinnen können wir nur, wenn wir aktiv vom Durchschnitt abweichen und Mehrwert für unsere Investoren erzielen.

Wie ist das zu verstehen?
VW ist ein gutes Beispiel. Kurz vor dem Ausbruch der Dieselaffäre haben wir unsere Position dort reduziert. Grund dafür war die Art und Weise, wie das Unternehmen kommuniziert hat. Der zuständige Fondsmanager hat sich an der mangelnden Transparenz im Konzern gestört. ESG-Themen sind in diesem Zusammenhang ein wichtiges Thema. Ein zweites Beispiel ist der Monsanto-Bayer-Deal. Obwohl wir zu den grösseren Investoren gehörten, wurden wir nicht ausreichend informiert. Das wirft kein gutes Licht auf das Unternehmen. In diesem Fall haben wir einen Investorenbrief veröffentlicht. Transparenz gegenüber den Anlegern ist ein wichtiger Faktor, um nachhaltig in Unternehmen investiert zu sein.

Ein weiteres grosses Thema war dieses Jahr der Brexit. Wohl wird dies auch 2018 bleiben. Ist das Hauptquartier von Janus Henderson in London in Gefahr?
Unser Standort ist und bleibt London. Aber natürlich ist der Brexit ein Unsicherheitsfaktor. Unklar ist, was mit den Nicht-Briten passiert, welche im Finanzzentrum London arbeiten. Dann müssen wir auch abwarten, was regulatorisch auf unsere Standorte in Luxemburg und Irland zukommt. Möglicherweise wird mehr Personal aufgebaut werden. Unsere Fonds, welche in der Schweiz zugelassen sind, wurden in Luxembourg und Irland aufgesetzt und können durch den UCITS EU Pass auch weiterhin ungehindert hier und in Europa vertrieben werden.Ein plötzlicher Ausfall nach dem Brexit ist also nicht zu befürchten.

* Ariane Dehn ist Head Sales für die Deutschschweiz und Österreich bei Janus Henderson Investors.