Sie transformieren Meyer Burger vom Maschinenbauer in einen Systemanbieter. Was bedeutet das für Ihre Kunden?

Peter Pauli: Wir haben Lücken in der Wertschöpfungskette der Waferproduktion geschlossen und mit eigenen Produkten versehen. Diese sind in sich vernetzt und werden so als Gesamtsystem eingesetzt. Wir erreichen dadurch einen kontinuierlichen Materialfluss, was sich deutlich von den herkömmlichen Verarbeitungprozessen unterscheidet. Die Handling- und Kontrollsysteme werden in der Zellfertigung ebenso als verbindendes Element zwischen den Hauptprozessschritten eingesetzt.

Wo liegen die Vorteile?

Pauli: Als Systemanbieter wollen wir die Materialflüsse, die Produktivitäten und Qualitäten sowie die Ausbringungen markant verbessern und damit einen wesentlichen Anteil zur Kostensenkung der Solarenergie beitragen. Wir verstehen uns als junge Industrie, was sich vielleicht am besten am Beispiel der Kaffeeherstellung verdeutlichen lässt. Wir vergleichen dabei eine Kolben-Kaffeemaschine mit ihren vielen Handgriffen mit einer vollautomatischen Anlage, welche per Knopfdruck zum gleichen Ergebnis führt. Meyer Burger verfolgt die vollautomatische Version.

Was heisst das für die Solarindustrie?

Pauli: Nehmen Sie eine Solarmodul-Produktionsstätte mit einer Jahreskapazität von einem Gigawatt. Diese stellt aus 10000 t Silizium rund 300 Mio Wafer pro Jahr oder 12 Wafer pro Sekunde her. Um solche Durchsätze überhaupt erreichen zu können, sind integrierte Systeme mit einem hohen Automationsgrad notwendig. Dadurch werden die geforderte Prozesssicherheit und stabile Qualität gewährleistet. Am Beispiel der Klebestationen führt das neben einem stabilen Prozess zu einer Einsparung an Klebstoff um rund 30%.

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Wie viel kann ein Kunde total einsparen?

Pauli: Im Wesentlichen hängt dies natürlich vom Kunden und dessen Produktionsstrategie ab. Wir gehen von 10 bis 20% tieferen Personalkosten aus. Vollintegrierte, automatische Fertigungslinien sind deutlich kompakter und können deshalb mit reduziertem Flächenbedarf gebaut werden. Gerade in Europa ist dies ein wesentlicher Kostenfaktor. In Asien, speziell in China, werden weniger vollautomatisierte Lösungen gesucht, da dort die Personalkosten und die Landverfügbarkeit geringer ins Gewicht fallen. In Asien werden daher noch deutlich mehr Einzelmaschinen verlangt als in Europa, wo neben den Einzelmaschinen vermehrt integrierte Lösungen geordert werden.

Wie sieht die Auftragslage von Meyer Burger bei vollintegrierten Lösungen aus?

Pauli: Wir haben im Februar mit Pevafersa einen ersten Kunden für eine gesamte vollintegrierte Waferproduktionslinie gewonnen. Daneben haben wir weitere Interessenten, vorwiegend Markteinsteiger. Wir gehen davon aus, dass solche komplexe Systemgeschäfte nur einen geringen Teil unserer Gesamtleistung einnehmen werden. Hingegen werden Teilsysteme ein markantes Wachstum erfahren.

Wie viel Umsatzanteil sollen solche Lösungen dereinst erreichen?

Pauli: Wir rechnen mittel- bis langfristig mit einem Anteil von maximal 20 bis 30%.

Könnte sich Meyer Burger zu einem Generalunternehmer entwickeln ? sprich: Schlüsselfertige Fabriken anbieten?

Pauli: Nein, denn gerade bei Grosskunden, die sich aus Wettbewerbsgründen von ihren Mitbewerbern technologisch differenzieren wollen, sind «schlüsselfertige Fabs» nicht erwünscht. Sie wollen ihre eigenen Prozesse und Technologien entwickeln und diese als ihren Wettbewerbsvorteil sehen, was zu einer individuellen Belieferung von Teilsystemen führt. Zudem besteht damit die Gefahr, dass unsere Kernkompetenzen verwässern.

Sie beliefern Pevafersa für eine 240 MW-Fab. Kommen für Meyer Burger auch Fabs im Bereich 1 bis 2 GW in Frage?

Pauli: Natürlich. Gerade diese Grössenordnungen sind der Grund unserer Aktivitäten in diesem Bereich. Aber wir glauben nicht, dass Fabs in dieser Grössenordnung als Gesamt-Turn-Key vergeben werden.

Sowohl die kristallinen Wafer-Module als auch die Dünnfilm-Module machen rasante Entwicklungsschritte im Preis-Leistungs-Vergleich. Wer setzt sich durch?

Pauli: Ich denke, beide Technologien haben ihre Berechtigung und ihren Platz im Markt. Die Dünnfilm-Technologie ist eine Ergänzung zur kristallinen. Wir gehen davon aus, dass das Kostensenkungspotenzial bei den kristallinen Modulen in den nächsten Jahren grösser ist als bei der Dünnfilm-Technologie.

Sind Dünnfilm-Module für grosse Kraftwerkparks geeignet, die kristallinen eher für die Dächer von Einfamilienhäusern?

Pauli: Aufgrund der unterschiedlichen Effizienzen der Module kann man dies ableiten: Kristallines Material gibt höhere Effizienzen auf kleineren Flächen ab, was deutliche Vorteile bei limitiertem Platzangebot darstellt. Insgesamt sind jedoch die Kosten pro Watt auf der Basis des installierten Moduls relevant.

Das heisst?

Pauli: Monokristallines Material hat heute eine Effizienz von durchschnittlich 16,5% und weist ein Effizienzpotenzial bis zu 25% auf. Diese Werte heben sich deutlich von den Möglichkeiten der Dünnfilm-Technologie ab. Insgesamt führt dies zu starken Reduktionen der Kosten pro Watt.

Wie hoch dürfte der Anteil der Dünnfilm-Technologie mittelfristig sein?

Pauli: Mittelfristig dürften sie einen Weltmarktanteil von 20% erreichen. Wir werden mit tieferen Kosten dagegenhalten. Unser Entwicklungspotenzial bei der Effizienz ist im Vergleich zur Dünnfilm-Technologie klar grösser. 2008 werden wir Anlagen verkaufen, die einer Produktionskapazität von ungefähr 2,5 bis 3 GW entsprechen. Zum Vergleich: 2007 waren es erst 1,5 bis 2 Gigawatt. OC Oerlikon rechnet mit dem Verkauf von Dünnfilm-Systemen mit einer Kapazität von rund 275 MW.

Meyer Burger will weiter akquirieren. In welchen Bereichen halten Sie Ausschau?

Pauli: Wir wollen weiter entlang der Wertschöpfungskette wachsen und sehen dort auch mögliche Akquisitionsziele.

Ist der Einstieg in Fertigungsprozesse der Dünnfilm-Technologie denkbar?

Pauli: Wir schliessen solche Entwicklungen nicht generell aus. Aber wir haben nicht vor, «Me-Too»-Produkte oder -Technologien zu erwerben oder zu entwickeln. Für uns müsste eine Differenzierung zu bestehenden Technologien sichergestellt werden können.

Wie gross könnte ein Zukauf sein?

Pauli: Mit dem uns zur Verfügung stehenden Kapital beziehungsweise den Möglichkeiten, kann dies ein grösseres Unternehmen sein, um Substanz zu gewinnen. In Frage kommen aber auch kleinere Unternehmen, die uns neue Technologien bringen. Und vergessen Sie nicht: Neben der Solar- bedienen wir auch die Halbleiter- sowie die Optikindustrie. Auch hier gibt es attraktive Firmen.