Schweizer Unternehmen müssen ihre Verwaltungsratsgremien erneuern: Einerseits gilt es vor der Pensionierung stehende Verwaltungsräte zu ersetzen, andererseits werden auch neue Kompetenzen benötigt. Allerdings dürfte es laut einer Umfrage knifflig sein, geeignete Kandidaten zu rekrutieren.

Über die Hälfte der 160 befragten Verwaltungsräte gab an, dass ein Kollege aus Altersgründen ersetzt werden müsse, wie der Kadervermittler Knight Gianella am Freitag mitteilte. Die Firma hatte die Umfrage zum fünften Mal in Auftrag gegeben. 26 Prozent der Befragten halten einen Wechsel wegen fehlender Kompetenz für notwendig.

Gestiegene Anforderungen

Den Umfrageteilnehmern ist zugleich bewusst, dass die Rekrutierung neuer Verwaltungsräte schwierig werden dürfte. Denn die Anforderungen in Bezug auf Fachwissen, Digitalisierung und Komplexität steigen.

So sind auch 83 Prozent der Meinung, das Aufsichtsgremium müsse seine digitale Kompetenz erweitern. Neue Verwaltungsräte sollen deshalb zunehmend auch aus der Generation der Digital Natives gesucht werden, also denjenigen, die bereits mit den neuen Technologien aufgewachsen sind.

Eine weitere Hürde bei der Rekrutierung ist aber auch, dass ein Mandat mehr Zeit und Verfügbarkeit erfordert als früher. Der Austritt von Führungskräften der geburtenstarken Jahrgänge der Baby-Boomer verschärfe den Engpass zusätzlich, hiess es in der Mitteilung.

Regulation und Digitalisierung

Gefordert sind Verwaltungsratsmitglieder heute an erster Stelle mit Veränderungen des regulatorischen Umfelds, der digitalen Transformation und dem rauer werdenden internationalen Konkurrenzkampf.

Einerseits müssten sich die Verwaltungsräte vermehrt Rentabilitätsfragen stellen statt diese an den CEO zu delegieren, schrieb Knight Gianella. Andererseits gäben sie den Druck auch an den Unternehmenschef weiter.

Durchgeführt hat die Umfrage Dichter Research. Das Unternehmen befragte im Herbst online anonym 160 Verwaltungsratsmitglieder von börsenkotierten und grossen nicht börsenkotierten Schweizer Unternehmen. Die Umfrageteilnehmer kommen gemeinsam auf 627 Mandate.

(awp/mlo)

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