Der Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl will die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin übernehmen. Über eine Münchner Kanzlei gab seine Vermögensverwaltung Intro-Verwaltungs GmbH ein formelles Angebot ab. Ziel der Offerte sei es, die Air Berlin Gruppe als Ganzes zu erhalten und als unabhängige Airline fortzuführen, teilte Wöhrls Unternehmen am Freitag mit. Zu Details der Offerte wollte Wöhrl zunächst keine Angaben machen.

Zugleich kritisierte Wöhrl vor diesem Hintergrund, erst aus den Medien von der Insolvenz erfahren zu haben und nicht zu den Sondierungsgesprächen eingeladen worden zu sein, obwohl die Intro Gruppe bereits «seit Jahren ein Beteiligungsinteresse signalisiert».

«Einseitige Strategie»

Wöhrls Firma zweifelte auch Aussagen der Bundesregierung und der Leitung von Air Berlin an, wonach der Rückzug des Grossaktionärs Etihad überraschend gekommen sei und im Interesse der Passagiere kurzfristig eine Bürgschaft des Bundes über 150 Millionen Euro gegeben werden müsse. Vielmehr deute manches darauf hin, dass von langer Hand eine einseitige Strategie zugunsten der Lufthansa entwickelt worden sei, kritisierte Wöhrls Unternehmen.

Air Berlin hatte am Dienstag Insolvenz angemeldet. Grosse Teile der zweitgrössten deutschen Fluggesellschaft könnten nun an die Lufthansa gehen. Auch der irische Billigflieger Ryanair hatte den Beteiligten ein Komplott vorgeworfen und Beschwerde bei den Kartellbehörden eingelegt.

(sda/cfr)