Den Versuch, Spitzenlöhne allein mit sachlichen Argumenten zu rechtfertigen, sollte man gar nicht erst unternehmen. Vielmehr sollte man dazu stehen, dass ein Markt existiert, bei dem gewinnt, wer sich und seine bisherigen Leistungen sowie seine Talente ins beste Licht setzt. Man kann es wenden wie man will: Saläre von Topmanagern sind trotz ausgeklügelter Leistungslohnmodelle bis zu einem gewissen Grad willkürlich genauso wie die Gagen für Spitzensportler und Filmstars oder der Preis von Kunstwerken.

Wer sich gut verkaufen kann, einen Brand hat, bekommt auf dem Markt deutlich mehr als andere. Wie sonst lässt sich erklären, dass auch Manager zu den Spitzenverdienern zählen, die ihren Aktionären keineswegs einen Mehrwert gebracht haben? Empörung darüber ist dennoch müssig, ebenso wie die inszenierte und von einigen Medien kräftig angeheizte öffentliche Aufregung über die Managersaläre. Hat sich jemals ein Politiker darüber beschwert, dass Tennis-Crack Roger Federer Millionen von Dollar kassiert, dass FC-Basel-Fussballer Murat Yakin angeblich pro Jahr fast 1 Mio Fr. verdient oder der international erfolgreiche Aargauer Musikstar DJ Bobo, alias René Baumann, Millionengagen einfährt? Keine Kritik ist zu hören, wenn Schauspielerin Julia Roberts für einen einzigen Film gleich viel Millionen Dollar kassiert, wie UBS-Präsident Marcel Ospel oder Novartis-Chef Daniel Vasella als Jahressalär bekommen. Verhalten sich Film-, Sport- oder Musik-Stars wegen ihrer Gehälter unethisch? Arbeiten sie mehr als Topmanager? Tragen sie mehr Verantwortung? Ganz sicher nicht.

Wir müssen uns daran gewöhnen, dass auch Spitzenführungskräfte ähnlich wie Stars aus dem Show- und Sportbusiness einen internationalen Markt haben. Die hohen Managersaläre sind eben auch eine Facette der Globalisierung. Während auf der einen Seite die Preise für viele Gebrauchsgüter aufgrund der internationalen Konkurrenz dramatisch gesunken sind, hat die steigende internationale Transparenz bei den Vergütungen für Spitzenmanager dazu geführt, dass deren Löhne nicht etwa kleiner, sondern grösser geworden sind. Darin zeigt sich ein Irrtum all jener, die immer mehr Offenlegung von Salärdaten fordern: Höhere Transparenz führt keineswegs dazu, dass die Lohnansprüche bescheidener werden. Wer die Verhältnisse in Unternehmen kennt, weiss, dass selbst innerhalb von Geschäftsleitungen beträchtliche Lohnunterschiede gang und gäbe sind. Sobald nun sämtliche Löhne einzeln offengelegt werden müssen, wird dies zwangsläufig zu einer weiteren Aufwärtsbewegung der Gehalts-spirale führen.

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Bei der ganzen Polemik um Spitzensaläre wird ohnehin viel zu wenig berücksichtigt, dass es nur einige wenige Führungskräfte in der Schweiz sind, die tatsächlich Millionen verdienen. Die ganz grosse Mehrzahl der Kaderleute kann von Millionenbezügen nur träumen. Wer sich munter an der derzeit populären Managerschelte beteiligt, sollte sich allerdings bewusst sein, dass er damit dem Image der gesamten Wirtschaft in der Gesellschaft einen Bärendienst erweist. Vortrefflich genutzt wird die sich immer mehr verbreitende Neidkultur von den Linksparteien, die unter dem Deckmantel des Aktionärsschutzes mehr Regulierung fordern.

Wenn ein Manager für das Unternehmen und die Aktionäre über mehrere Jahre hinweg eine Spitzenperformance erreicht, spielt es keine Rolle, wenn er dafür fürstlich belohnt wird. Problematisch ist es indes, wenn leistungsabhängige Mechanismen nur bei einer positiven Ertragsentwicklung, nicht aber bei Rückschlägen zur Anwendung kommen. Der Unterschied zwischen einem angestellten Manager und einem Unternehmer besteht darin, dass Letzterer sehr hohe persönliche Risiken eingeht und sein eigenes Geld aufs Spiel setzt.

Millionensaläre bei Managern sind nur nachvollziehbar, wenn diese das unternehmerische Risiko massgeblich mittragen. Entsprechend müssen die garantierten Saläranteile möglichst gering, die leistungsabhängigen und auf eine nachhaltige Unternehmensperformance ausgerichteten Anreize im Verhältnis zu den Gesamtbezügen aber möglichst hoch sein, wie dies in den USA bei Börsenfirmen verbreitet ist.

Zur Durchsetzung von Salärmodellen, welche die Firmenperformance nach oben und unten genügend berücksichtigen, braucht es aber weder staatliche Aufsichten noch zusätzliche Regulierungen. An den Aktionären und nur an ihnen ist es, dafür zu sorgen, dass dennoch ein für die Gesellschaft vernünftiges Augenmass nicht verloren geht und Topsaläre nur für nachhaltige Ertragssteigerungen bezahlt werden.