Was empfehlen Sie Führungskräften, die gerne den Sprung in die Selbständigkeit wagen möchten?

Sawiris: Das ist so persönlich, als ob man jemandem empfehlen würde, besser Fleisch statt Fisch zu essen. Unternehmertum hat man in sich oder eben nicht. Jeder Menschen ist anders geprägt: Der eine arbeitet lieber in einer Gruppe mit einem vertraglich gesicherten Gehalt, der andere führt lieber und hat seine Mitarbeiter. Es ist nicht jedermanns Sache, Ende Monat nicht immer zu wissen, wie es weitergehen wird. Viele ziehen es daher vor, angestellt zu sein. Es hängt von der Persönlichkeit jedes Einzelnen ab.

Was war Ihr Ziel?


Sawiris: Ich war schon als Kind ein Unternehmer. Ich habe sogar in der Schule Geschäfte gemacht. Irgendwie habe ich dieses Chromosom von meinem Vater geerbt.

Wie führen Sie eigentlich Ihr Unternehmen?

Sawiris (lacht): Per Handy – und natürlich treffe ich mich systematisch mit meinen Leuten. Ich besuche ja regelmässig unsere Projektstandorte.

Lesen und beantworten Sie keine E-Mails?

Sawiris: Doch, doch, natürlich. Ich schreibe aber selten E-Mails. Wenn ich welche schreibe, dann mache ich das mehr oder weniger im SMS-Format mit kurzen Sätzen. Ich mag keine lange schriftlichen Ausführungen.

Das heisst, Ihre Handy-Nummer ist weit verbreitet?

Sawiris: Und wie, selbst die Kellner in El Gouna haben sie. Ich lese gerne ihre Nachrichten. Wenn sie eine Beschwerde haben, dann kann ich sie weiterleiten oder ich rufe selber mal an, sofern ich Zeit habe. Es ist befriedigend zu sehen, dass auch die einfachen Leute einen direkten Draht zu mir haben. Das setzt auch meine Manager moralisch unter Druck, weil sie dann mit ihren Mitarbeitern anständig umgehen müssen. Es könnte ja sein, dass ein Mitarbeiter beim Big Boss anruft und es danach Ärger für den Manager gibt (lacht)…

Was versprechen Sie sich davon?

Sawiris: Es ist ein ziemlich effizienter Ersatz für die ganzen Kontrollorgane, weil meine Leute wissen, dass ich grundsätzlich für sie erreichbar bin. Überhaupt liebe ich diese Handy-Geschichte. Sie macht für mich alles sehr speditiv. Es wird nicht herumgelabert, sondern man kommt direkt auf den Punkt.

Können Sie auch loslassen und delegieren?

Sawiris (lacht): Natürlich. Was ich vorhin gesagt habe, bezieht sich nur auf meine Person. Ein Unternehmen kann man nicht per Handy führen, sonst gibt es ein Chaos. Die Manager, die meine Aufträge ausführen, machen das ganz normal mit Meetings, Reports, E-Mails und sofort. Meine Rolle wird in dieser Hinsicht immer geringer. Wie ein Dirigent führe ich das Orchester mit dem Stock und gebe Zeichen, wenn es nötig ist. Das Konzert spielen die Musiker – nach meinen Noten.

Wann sind Sie bei Ihren Projekten mehr präsent und wann lassen Sie die Zügel lockerer?

Sawiris: Ganz zu Beginn eines neuen Projektes muss ich voll präsent bin, um meine Vision darzulegen. In dieser Phase werden die Weichen gestellt. Fehler, die zu diesem Zeitpunkt gemacht werden, sind später nur mit grösstem Aufwand wieder rückgängig zu machen. Mit der Zeit übergebe ich immer mehr dem lokalen Team. Ich werde dann zum Überwacher, der regelmässig vorbeischaut und sicherstellt, dass alles in die richtige Richtung geht.

Hat die Wirtschaftskrise zu einer Marktbereinigung geführt?

Sawiris: Vor der Krise gab es viele Mitbewerber, die mit Milliarden-Beträgen lockten. Diese Spekulationskonkurrenz wurde in der Zwischenzeit von der Krise weggefegt. Jetzt sind nur noch die seriösen Mitstreiter übrig, die langfristig da sein werden. Und diese fürchten wir nicht, sondern wir begrüssen sie.

Weshalb?

Sawiris: Konkurrenz ist grundsätzlich immer gut. Es gibt nun ein Konkurrenzniveau, das uns bestätigt und uns bessere Noten gibt, weil wir trotz Krise weiterhin in der Lage sind, Projekte auszuführen und voranzutreiben. Auch unsere Finanzen dokumentieren dies. Das ist für mich eine Bestätigung, dass unsere konservative Strategie richtig ist.

Vergangenes Jahr haben Sie den Gang an die Schweizer Börse gewagt und Ihren Hauptsitz nach Altdorf verlegt. Was erhoffen Sie sich als ausländischer Unternehmer in der Schweiz?

Sawiris: Für mich war klar, dass ich nicht länger an der limitierten ägyptischen Börse bleiben konnte, weil unsere Aktivitäten im Ausland schneller wachsen als in Ägypten. Deshalb waren wir auf der Suche nach einer Alternative für die Hauptnotierung und die Schweiz war die beste Option, weil wir hier ja schon ein grosses Projekt hatten: Andermatt. Es war eine ganz simple Überlegung. Da steckte nicht viel Taktik oder Politik dahinter.

Ohne Andermatt wäre die Schweiz wohl nicht zu dieser Hauptnotierung gekommen?
Sawiris: Richtig. Ohne Andermatt wären wir eher nach London gegangen.

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