Durch IT konnten zwar viele Arbeitsprozesse deutlich beschleunigt und die Produktion effizienter gemacht werden, die Kehrseite bildet jedoch der gestiegene Energieverbrauch.

Die IT-Industrie antwortet mit dem Green-IT-Schlagwort und hält einige Zahlen bereit, die Anwender zum Nachdenken bringen. Laut Berechnungen von IBM können Firmen, die eigene Rechenzentren betreiben, zwischen 3 und 8 Euro an operativen Auslagen einsparen, wenn sie 1 Euro in energieeffiziente Technologien investieren. Gemäss der globalen e-Sustainability-Initiative liegt das Einsparpotenzial nicht nur bei PC, Chips und Rechenzentren, sondern auch bei Gebäudetechnologien, besserer Logistik, effizienteren Stromnetzen (Smart Grids) und verbesserten industriellen Prozessen. Nur so könne verhindert werden, dass der Anteil der IT am globalen CO2-Ausstoss bis zum Jahr 2020 auf 6% steigt.

Rechenzentren im Fokus

Neben den Anwendungsbereichen Infrastruktur und Logistik stehen die Rechenzentren als Einsparquelle im Vordergrund. Heute sind weltweit 20 Mio Server installiert. Offizielle US-Daten gehen bis 2020 von einem Wachstum auf 120 Mio Stück aus.

Laut dem Branchenverband Green Grid haben hier die sichtbaren Teile wie die Beleuchtung das kleinste Sparpotenzial. Wichtiger ist die Kühlung (33% des Verbrauchs), die IT-Hardware (30%), die unterbrechungsfreie Stromversorgung (18%), die Raumbelüftung (9%) und die Stromverteilung (5%).Doch bereits im laufenden Betrieb lässt sich die Stromversorgung vieler Hardwareelemente entsprechend dem Verbrauch variieren. Hinzu kommt das Asset Procurement - neue Hardware wird entsprechend den Vorgaben zum Verbrauch, aber auch gemäss der Ablösung alter, weniger effizienter Technologien ausgewählt. Bei der Kühlung und der Gebäudekonstruktion ist sehr viel einfaches Einsparpotenzial vorhanden.

Anzeige

Komplexere Aufgaben

Solche Einsparungen erfordern längere Zeithorizonte - und gerade der Umbau eines Rechenzentrums kann länger als ein Konjunkturzyklus dauern.

Google beispielsweise gab 2007 280 Mio Dollar für Strom aus, im nächsten Jahr dürften es laut den Schätzungen der Analysten der Deutschen Bank 450 Mio Dollar sein. Wenn hier der Stromverbrauch um lediglich 5% gesenkt wird, werden im kommenden Jahr gleich 50 Mio Dollar eingespart.

Ungleich rascher lässt sich eine Reihe von einzelnen Massnahmen umsetzen, mit denen ebenfalls viel Energie gespart werden kann. Gemäss Industrieanalysten und den wichtigsten IT-Konzernen liegt beim effizienten Einsatz von Datenkomprimierung, Virtualisierung oder Kühlung viel drin.

Weiteres Potenzial haben neue Technologien wie Speicherchips anstelle rotierender Festplatten. So benötigen Speicherchips laut dem Branchenverband SIA im Betrieb lediglich halb so viel Strom wie rotierende Festplatten. Im Ruhezustand oder Stand-by-Modus liegt ihr Verbrauch dagegen bis zu 15-mal niedriger als bei Festplatten. CIO, die bei dieser Technologie ihre Finanzchefs überzeugen müssen, haben es viel einfacher als bei den anderen Themen: Sie benötigen dafür lediglich einen iPod oder einen anderen MP3-Player, um den Effekt zu zeigen.

 

 

NACHGEFRAGT Lorenz Hilty, Leiter der Abteilung Technologie und Gesellschaft der Empa und Buchautor


«Etwas wärmer schadet nicht, spart aber viel»

Handelt es sich bei Green IT um einen Hype oder um ein Bedürfnis?

Lorenz Hilty: Es gibt zwei Motivatoren für Green IT, die weiter wirken werden, auch wenn der Hype wieder abflaut. Erstens die steigenden IT-bedingten Energiekosten und zweitens der Druck, auch auf anderen Gebieten mit Energie intelligenter umzugehen und hierfür IT einzusetzen.

Wie hoch schätzen Sie das Sparpotenzial in einem KMU ein?

Hilty: Durch die Reduktion des Stromverbrauchs in den Rechenzentren, bei den Servern und bei den Endgeräten, lässt sich der weitere Anstieg der IT-Energiekosten stoppen. Bisher hatten wir eine Verdoppelung alle fünf Jahre.

Wie lassen sich effektiv die Kosten in den Griff bekommen?

Hilty: Gerade kleinere Serverräume sind oft unnötig stark gekühlt. Einige Grad wärmer schaden der IT nicht, sie sparen aber überproportional viel Strom für die Klimaanlage. Bei Ersatzinvestitionen im PC-Bereich sind Laptops energetisch günstiger als Desktop-PC. Das Outsourcing von IT-Dienstleistungen ist meist vorteilhaft, da der Provider Skaleneffekte nutzen kann, was auch höhere Energieeffizienz bedeutet.

Ist Green IT für Unternehmen mit einem hohen Initiationsaufwand verbunden?

Hilty: Etwa die ersten 50% der technisch möglichen Einsparungen sind mit geringem Aufwand zu erreichen, die zweite Hälfte lohnt sich nur für grosse Rechenzentren.