Die Lage auf dem Glasfasermarkt hat sich in den vergangenen Monaten stark verändert. Nun werden an verschiedenen Orten teure Parallelnetze gebaut.

Marc Furrer: Die Situation ist dort nicht zufriedenstellend, wo und wie in Zürich nebeneinander gebaut wird. Immerhin haben sich das dortige Elektrizitätswerk und die Hauseigentümer jetzt geeinigt, dass innerhalb der Liegenschaften mehrere Fasern verlegt werden und somit nur einmal gebaut wird. In Freiburg dagegen bauen die Groupe E und Swisscom gemeinsam. Sie legen mehrere Fasern, aber teilen sich die Kosten.

Baut so nicht die Groupe E für die Swisscom ein Netz mit, das am Ende bloss Swisscom auslasten kann?

Furrer: Das sollte nicht passieren. Grundsätzlich ist es aber eine sinnvolle Strategie, wenn mehrere Fasern gelegt und die Kosten geteilt werden. Hierzulande hat der Infrastrukturwettbewerb Tradition.

Mehrere Fasern sind für die Konsumenten eine teure Lösung.

Furrer: Erstens sind die Mehrkosten recht gering - verhindern aber teure Parallelinfrastrukturen. Wenn nur eine Faser gelegt wird, kann ein neues Monopol entstehen. Das wollen wir nicht. Wir wollen, dass auf allen technischen Stufen Wettbewerb herrscht. Damit die Mehrfaserlösung nicht zu teuer wird, ist ein koordinierter Ausbau nötig.

Konkret?

Furrer: Wenn Swisscom zusammen mit einem Elektrizitätswerk, kurz EW, den Glasfaserausbau betreibt, könnte eine Lösung sein, dass Swisscom die Kosten gemäss ihrem Marktanteil übernehmen muss. So würde verhindert, dass die EW Netze bauen, von denen dann die Swisscom übermässig profitiert. So ein Modell wird ja jetzt in Basel geprüft.

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Die Gefahr, dass am Ende nur für die Swisscom die Glasfaserrechnung aufgeht, bleibt aber gross. Neben Sunrise nimmt jetzt auch Cablecom an einem Pilotprojekt der Swisscom teil.

Furrer: Wir wollen, dass auch der Business Case der EW aufgeht. Die genauen Spielregeln für den Ausbau legt die Branche deshalb am gemeinsamen runden Tisch unter der Leitung der ComCom fest.

In Freiburg hat die Swisscom angekündigt, es werde regionale Differenzen beim Preis geben. Ist das in Ordnung für Sie?

Furrer: Es ist durchaus denkbar, dass es im Glasfaserbereich national unterschiedliche Preise geben wird. Dabei ist nicht einmal gesagt, dass es auf dem Land immer teurer sein muss als in der Stadt.

Der ganze Service-Public-Gedanke ist darauf ausgerichtet, dass schweizweit einheitliche Preise herrschen. Das gäbe einen Riesenaufschrei ?

Furrer: ? das gäbe es mit Sicherheit. Aber bei der Glasfasertechnologie handelt es sich nicht um einen Grundversorgungsauftrag. Ich begrüsse es deshalb, dass darüber bereits jetzt eine Diskussion geführt wird. Denn gerade diese Diskussion zeigt: Unser aktuelles Fernmeldegesetz ist zwar noch nicht alt, doch im Bereich Glasfaser wird darin überhaupt nichts geregelt.

Also müsste man Ihrer Meinung nach das Fernmeldegesetz erneut anpassen?

Furrer: Ja, es braucht eine technologieneutrale Eingriffsmöglichkeit. Zudem muss der Regulator auch von sich aus aktiv werden können.

Sind Sie zuversichtlich, dass man sich am runden Tisch einigen kann?

Furrer: Wir kommen Schritt für Schritt weiter. Jetzt müssen wir noch einige strittige Punkte klären. Etwa, wie viele Fasern beim Ausbau gelegt werden oder eben wie die EW für den Netzaufbau entschädigt werden sollen. Wir als ComCom rüsten uns aber auch schon einmal für den Fall, dass wir bei einer entstehenden Marktdominanz eingreifen müssten.

Das Bundesamt für Kommunikation, kurz Bakom, verfasst derzeit einen Bericht über die Lage im Telekommunikationsmarkt. Welche Rolle spielt die ComCom dabei?

Furrer: Bewusst keine. Das Bakom erstellt den Bericht im Auftrag von Bundesrat Leuenberger. Wenn der Bericht steht, wird sich die ComCom kritisch dazu äussern. Dieses Vorgehen ist richtig, denn wir sind nur für eine allfällige Regulierung des Marktes zuständig. Die Gesetzgebung ist Sache des Bundesrates und dann des Parlamentes.