Die Auguren der europäischen Bauindustrie halten ihre Daumen für 2009 zwar seit- und abwärts. Doch Geberit kümmerts wenig. «Vergessen Sie die Statistiken, schauen Sie auf unsere Zahlen», rief CEO Albert Baehny vergangene Woche Analysten und Journalisten in Brüssel zu. Geberits Resultate sind – gemessen am aktuellen Umfeld – in der Tat stupend: Mit einer Betriebsmarge auf Stufe Ebitda von 28,2% im 1. Semester 2008 gilt Geberit als absolutes Unikat unter den Bauausrüstern.

Sogar auf jüngst eingebrochenen Märkten wie Spanien, Grossbritannien/Irland und Nordamerika hat sich der Sanitärtechniker wacker geschlagen. Dies dank verstärktem Fokus auf den Nichtwohnungsbau sowie einer konsequenten Marketing- und Pricing-Strategie. Zwar liess Baehny unter den Tisch fallen, dass die drei Märkte zusammen nicht einmal 10% des Konzernumsatzes erzielen. Und dass sie nicht als Stellvertreter für Geberits Hauptmärkte Deutschland (31,3% Umsatzanteil), Italien (12,2%) und Schweiz (11,7%) funktionieren – die Umsatzverteilungen auf Wohnungs- und Gewerbebau sind zu unterschiedlich, um Rückschlüsse auf die Gruppe ziehen zu können.

Dennoch verfehlte Baehny die gewünschte Wirkung nicht. ZKB-Chefanalyst Martin Hüsler lobte: «Geberit ist auch in einem schwieriger werdenden Marktumfeld aussichtsreich aufgestellt, um überdurchschnittliche Ergebnisse zu erzielen.» Für Vontobel-Analyst Patrick Laager hat Geberit «eindrücklich aufgezeigt, dass auch in Märkten, die stark rückläufig sind, die Umsätze gehalten oder gesteigert werden können». Und Christian Arnold, Research-Leiter von Sal. Oppenheim in Zürich, resümierte: «Eine grossartige Aktie in einem negativen Sektor.»

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Mit Informationen zu den drei bei Neubauten schwächelnden Kernmärkten hielt sich Baehny dagegen zurück. Hier sind Geberits Umsatzanteile im stagnierenden Wohnungsbau laut Baehny höher als im Gewerbebau. Es wird daher eine Herausforderung, die ab 2009 erwartete Abkühlung zu meistern.

Wachstum in jungen Märkten

Auch aus diesem Grund bricht Geberit zu neuen Ufern auf, um zusätzliches Wachstum in jungen Absatzgebieten zu generieren. Die grössten Potenziale ortet Geberit-Verkaufsleiter Frank Reimann vorab im Mittleren Osten (Saudi-Arabien, Emirate), Indien, Südafrika und Russland. Zu den wichtigsten Treibern für das dortige Wachstum gehören Infrastrukturbauten wie Flughäfen, Gewerbebauten, Hotels, Konsum- und Sportstätten. «Von der Fussballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika und den Winterspielen in Sotschi 2014 versprechen wir uns einiges», erklärt Reimann und verweist auf Peking 2008, wo Geberit Anlagen wie das «Vogelnest»-Stadion ausrüstete. Zwar gelten solche Prestigeaufträge gemeinhin als margenschwach, doch von ihrer Werbewirkung her gesehen sind sie unbezahlbar.

Einen nächsten Wurf landet Marketinggenie Baehny mit dem Sponsoringbeitrag an Mark Horn: Der Abenteurer will ab Mitte Oktober für das Projekt «Pangaea» die Welt binnen vier Jahren auf einer verschlungenen Route umsegeln – beflaggt mit dem Geberit-Logo und zu diversen Landgängen und Pressekonferenzen verpflichtet. «Er führt uns an Orte, an die wir unsere Verkaufstrupps nie hinschicken können», frohlockt Baehny.