Back to basics» oder «Reduced to the max» heisst die Devise im Segment der sogenannten Naked Bikes. Oft werden Maschinen dieses Typs von verkleideten Modellen abgeleitet. Weitgehend ohne jeden Wind- und Wetterschutz ist das emotionale Fahrerlebnis unvergleichlich intensiv. Heute führen nahezu alle Hersteller Naked Bikes im Angebot. Es gibt sie in allen Hubraumklassen und mit unterschiedlichsten Motorisierungen. Nachfolgend hier eine Auswahl der interessantesten Neuheiten 2011 dieser Gattung.

Mit der Monster-Familie hat sich Ducati im Segment der Naked Bikes seit Jahren bestens etabliert. Zur neuen Saison geben die «Roten» jetzt jedoch noch einen drauf und lassen mit der Diavel ein Art «Über-Monster» anrollen. Im Gegensatz zu den eher filigranen Monster-Modellen gibt sich die Diavel weit weniger zierlich und lässt mit dem massigen Vorbau, den wuchtigen Lufthutzen und dem ultrabreiten 240er-Hinterreifen mächtig die Muskeln spielen. Dass diese offen zur Schau gestellte Kraft kein leeres Versprechen ist, unterstreicht der nicht minder beeindruckende Testastretta-V2-Motor mit vier desmodromisch gesteuerten Ventilen pro Zylinder und 1198 Kubikzentimeter Hubraum. 127 Newtonmeter und 162 PS - diese Leistungsdaten sind beeindruckend, ja respekteinflössend.

Individuelle Zähmung

Damit selbst weniger routinierte Fahrer mit dem prestigeträchtigen Muscle Bike klarkommen, haben die Ingenieure die Diavel mit Möglichkeiten zur individuellen Zähmung bestückt. Gasgeben erfolgt per Ride-by-wire. Das heisst, die Einspritzanlage wird elektronisch reguliert. Dadurch kann der Pilot zwischen drei Fahrmodi wählen, welche die Leistung und die Charakteristik des Motors von gutartig bis völlig losgelassen modifizieren. Gleichzeitig sorgt die einstellbare Traktionskontrolle dafür, dass das Hinterrad am Kurvenausgang nicht ausbricht, beim Powersprint nicht durchdreht und mit fetten schwarzen Strichen das Revier der Diavel markiert. Trotz beeindruckender Dimensionen bringt Ducatis Neue in fahrbereitem Zustand lediglich 210 Kilogramm auf die Waage. Und genau das dürfte mit ein Grund dafür sein, dass sich die Diavel mit Leichtigkeit handhaben und durch Wechselkurven dirigieren lässt.

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Kaum ein anderes Kawasaki-Bike wurde in jüngster Zeit gleichermassen oft veredelt wie der nackte Trendsetter Z750, und das obwohl er immer als stimmiges Gesamtpaket angeboten wurde. Meist betrafen die Änderungen Auspuff, Bremsen und Fahrwerk. Nebst Stylingretuschen und Detailüberarbeitungen hat Kawasaki jetzt exakt diese Komponenten in der neuen Z750-R-Version modifiziert. Unangetastet bleibt indes der Reihenvierer. Die R kommt mit der gleichen Leistung (106 PS) und demselben linearen Drehmomentverlauf wie die Basisversion ohne R, und das ist gut so. Eine stabilere Leichtmetallschwinge, stärkere Bremsen mit radial montierten Vierkolbensätteln vorn, eine einstellbare Upside-down-Gabel sowie ein feines ansprechendes Federbein sind die massgebenden Änderungen des Fahrwerks. Schlichte Miniblinker mit Klarsichtgläsern, schwarz eingefärbte Seitenteile am dreiteiligen Frontkotflügel sowie dezente, ebenfalls schwarz lackierte Motor- und Rahmenabdeckungen untermauern den edlen und sportlichen Anspruch des neusten Naked Bike von Kawasaki.

1994 begründete Triumph mit der puristisch gestylten Speed Triple die Klasse der leistungsstarken, nackten Landstrassensportler. Über 65 000 Mal verkauft ist sie das erfolgreichste Triumph-Modell der jüngeren Markengeschichte. Diesem Erfolg huldigt nun auch die neuste Version, welche weiterhin alle modelltypischen Besonderheiten umfasst und doch so ganz anders ist als ihre diversen, jeweils nur sanft überarbeiteten Vorgängerinnen. Rohrrahmen, Einarmschwinge und die nun mandelförmigen statt wie bisher runden Doppelscheinwerfer sind noch da, wenn auch teilweise neu geformt und mehr oder weniger stark modifiziert. Selbst das kultige Herzstück, der um fünf auf 135 PS erstarkte Dreizylindermotor mit 1050 Kubikzentimeter Hubraum, wurde rundum überarbeitet. Dabei galt das Augenmerk der Entwickler nicht in erster Line einer weiteren Leistungssteigerung, sondern vor allem der Optimierung des Drehmoments, welches um 8 Prozent auf beachtliche 111 Nm angehoben wurde. Die neue Triumph Speed Triple kommt erstmals mit ABS und ist trotzdem lediglich 200 Franken teuerer als ihre Vorgängerin.

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Unverhüllt und aufs Wesentliche reduziert - die neue Aprilia Dorsoduro 1200 startet mit puristischer Silhouette, schmaler Sitzbank und breitem Lenker in reinrassiger Supermoto-Optik ganz im Stil ihrer kleinen 750er-Schwester in die Saison 2011. Der moderne Verbundrahmen aus Stahl-Gitterrohrgeäst, das mit Leichtmetall-Gussteilen den Motor umgibt, sowie das seitlich liegende Federbein mit gelber Feder sind mehr als nur optische Highlights. Eine üppig dimensionierte, goldfarbene Upside-down-Gabel markiert die stark betonte Front. Unüberhörbar und bärenstark präsentiert sich der wassergekühlte 1200er-V2-Motor mit 130 PS und 115 Nm Drehmoment - absolute Spitzenwerte in dieser Kategorie. Wie diverse andere Neuheiten in diesem Segment verfügt der Vierventiler über ein elektronisches Ride-by-wire-System mit drei unterschiedlichen Mappings. Die Federelemente stammen von Sachs, die 320er-Bremsscheiben vor und die 240er-Scheibe hinten liefert Brembo. ABS und Traktionskontrolle sind bei der 1200er-Aprilia-Dorsoduro Serienstandard.

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Ein Genuss für Augen und Ohren

Mit FZ6 und FZ1 hat Yamaha im Segment der Naked Bikes seit geraumer Zeit zwei heisse Eisen im Feuer. Um den Leaderanspruch in diesem Segment zu untermauern, lancierte die Marke mit den drei gekreuzten Stimmgabeln im Signet im vergangenen Sommer die FZ8. Muskulöser Auftritt, stabiles Fahrwerk, geringes Gewicht, messerscharfes Handling und insbesondere der elastische und durchzugsstarke Reihen-Vierzylindermotor mit 799 Kubikzentimeter Hubraum und 106 PS wussten zu überzeugen. Wenig Gefallen fand indes der etwas unförmige und klobig wirkende Auspuff. Mit der FZ8 Limited Edition schafft der Schweizer Yamaha-Importeur nun Abhilfe. Bestückt mit einem edlen Karbon-Schalldämpfer präsentiert sich die FZ8 LTD als Genuss für Augen und Ohren. Eine aufs Nötigste reduzierte Kontrollschildhalterung sowie unauffällige LED-Miniblinker gehören ebenso zur vorteilhaften FZ8 Limited Edition, die trotz attraktivem Edeltuning lediglich 1000 Franken mehr kostet als das Basismodell.

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