In Deutschland haben Medienberichte, wonach die Deutsche Bank trotz erneuter Jahresverluste Boni von etwa einer Milliarde Euro an ihre Mitarbeiter und Manager ausschütten will, eine Welle der Empörung ausgelöst. Politiker reagierten mit Unverständnis.

SPD-Chef Martin Schulz sagte der «Bild»-Zeitung vom Montag: «Überall schliessen Bankfilialen, Kunden verlieren ihre Berater, Berater ihre Jobs. Wenn in dieser Situation Boni in Höhe von einer Milliarde Euro ausgeschüttet werden, dann verliert ein Unternehmen nicht nur an Ansehen. Das schadet insgesamt unserer Solidargemeinschaft.» Diese lebe von Glaubwürdigkeit und Gerechtigkeit.

«Widerspricht Gerechtigkeitsempfinden»

Der stellvertretende SPD-Vorsitzende, Thorsten Schäfer-Gümbel, sagte dem Blatt: «Millionen-Boni trotz Verlusten widersprechen jeglichem Gerechtigkeitsempfinden. Einerseits Arbeitsplatzabbau, andererseits goldene Nasen in der Führungsetage - das kann man niemandem erklären.» Die SPD wolle deshalb in den Koalitionsverhandlungen mit der Union die steuerliche Absetzbarkeit von Bonuszahlungen begrenzen.

Ähnlich äusserte sich der CDU-Sozialexperte Matthias Zimmer in der «Bild»-Zeitung: Die Boni seien «eine eigenwillige Interpretation des Grundsatzes, dass sich Leistung lohnen soll». Weiter sagte er: «Man kann die Legitimität einer Wirtschaftsordnung durch solche Praktiken gefährden.»

John Cryan bleibt in Verlustzone

Nach zwei Milliardenverlusten in Folge hatte bei der Deutschen Bank laut vorläufigen Zahlen auch das dritte Geschäftsjahr unter Sanierer John Cryan mit einem Minus geendet.

(sda/gku/me)

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