Sein Vorgehen ist wenig zimperlich. Aber bisher war Post-Präsident Claude Béglé erfolgreich. Nach dem Rausschmiss von CEO Michel Kunz und der Berufung von PostFinance-Chef Jürg Bucher an die Konzernspitze will der 60-Jährige seine Vision einer neuen Post umsetzen - und dies, obwohl Rudolf W. Hug und jetzt auch Wolfgang Werlé aus Protest aus dem Verwaltungsrat zurückgetreten sind. Béglé setzt auf die Karte Ausland und verspricht, mit neuen Technologien im Bereich der elektronischen Post hohe Renditen zu erzielen.

Das Erschliessen neuer Ertragsquellen klingt gut. Aber sind Béglés Ziele auch realistisch? Ein Blick in den Post-Geschäftsbericht zeigt: Zwar ist der Umsatz der Konzernbereiche SKL (elektronische Post) und Swiss Post international auf gut 1,7 Mrd Fr. angewachsen. Unter dem Strich aber blieb das Betriebsergebnis bei rund 45 Mio Fr. Es ist noch völlig unklar, wie Béglé in diesem Bereich schon bald so viel Geld einnehmen will, dass er auf die unpopulären Sparmassnahmen im konventionellen Postgeschäft verzichten kann. Dass die grossen Risiken dieser Strategie bei den Politikern plötzlich für rote Köpfe sorgen werden, ist jedenfalls sehr wahrscheinlich. Auch ein anderer Bundesbetrieb - die Swisscom - wagte in den 90er-Jahren den Schritt ins Ausland.

Ungünstiger Zeitpunkt

Klar ist: Béglé ist nun der Herr im Haus. Er hat als Konzernchef einen Mann unter sich, den er selbst ausgewählt hat. Kunz war ihm nie genehm, er wurde ihm vom damaligen Verwaltungsrat aufs Auge gedrückt.

Doch seit dort zwei Mitglieder ausgewechselt wurden, hat Béglé eine Mehrheit hinter sich. Auf die kommende Generalversammlung sind weitere Rücktritte denkbar, etwa jener von Nicola Thibaudeau. Politisch gesehen kommen die Querelen an der Post-Spitze jedenfalls in einem besonders unglücklichen Moment: Im Dezember hatte der Ständerat das neue Postgesetz verabschiedet und sich darin für eine vorsichtige und schrittweise Öffnung des Postmarkts ausgesprochen. Die Aufhebung des noch bestehenden Briefmonopols für Postsendungen bis 50 g soll frühestens ein Jahr nach dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes erfolgen.

Anzeige

Privatisierung wird zum Thema

Im Gesetz über die Postorganisation ist zudem vorgesehen, die Post von einer Anstalt des Bundes in eine spezialgesetzliche Aktiengesellschaft umzuwandeln. Der Bund muss daran die Mehrheit halten. Eine Teilprivatisierung wäre theoretisch möglich.

Und genau dieser Punkt könnte bei Béglés grossen Auslandplänen zur politischen Knacknuss werden: Je grösser die Risiken, die man eingehen will, desto lauter werden die Stimmen, die eine Privatisierung der Post fordern. Das ist für die Gewerkschaften ein No-Go.