Sie verlassen Ihren lukrativen Job bei der Migros und wechseln in ein kleineres Unternehmen wie Emmi. Das ist doch ein Abstieg.
Urs Riedener: Der Posten bei Emmi ist für mich eine tolle und spannende Herausforderung. Einerseits habe ich hier die Verantwortung über einen Gesamtkonzern und anderseits reizt mich die internationale Ausrichtung im Absatzgeschäft. Bei der Migros beschränkte sich die internationale Komponente auf die Beschaffungsmärkte.

Emmi ist Lieferantin der Migros. Wird diese Kooperation durch die Personalrochade zwischen Ihnen und Ex-Emmi-CEO Walter Huber, der zur Migros wechselt, intensiviert?
Riedener: Nein, die Personal­ro­chade zwischen den beiden Konzernen ist ein reiner Zufall und hat nichts mit einem möglichen Ausbau der Zusammenarbeit zu tun.

Also keine verstärkt Kooperation in Sicht?
Riedener: Die Migros betreibt in Estavayer mit Elsa ihren eigenen Milchverarbeitungs-betrieb und wird deshalb auch in Zukunft
nicht in eine Abhängigkeit von anderen Anbietern wie Emmi ge­langen.

Welches sind die wichtigsten Herausforderungen, die Sie bei Emmi antreffen werden?
Riedener: Es gibt zwei wichtige Themen, welche die weitere Entwicklung von Emmi wesentlich beeinflussen. Das ist einerseits der hohe Preisdruck für Milchprodukte in der Schweiz, welcher in Zukunft kaum abnehmen wird. Zweitens die Internationalisierung unserer Aktivitäten, welche ich gemäss der festgelegten Strategie mittels Zunahme der Exporte vorantreiben möchte.

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Wie sehen die Pläne aus?
Riedener: Zurzeit macht das Exportgeschäft bei Emmi rund 25% aus. Der Anteil soll künftig deutlich wachsen. Wir wollen unsere Abhängigkeit vom volatilen Schweizer Markt verringern. Neben den Hauptexportmärkten Deutschland und Italien bauen wir zurzeit deshalb die USA auf und gründen auch Distributionsgesellschaften in Kanada, Skandinavien und
Spanien.

Im Moment steigt die inter­nationale Nachfrage für Milch­produkte. Wie profitiert Emmi davon?
Riedener: Zumindest die Entwicklung ist für Emmi positiv, weil die Chance für eine Angleichung unserer Preise mit internationalen Anbietern in einem solchen Markt­umfeld besteht. Bisher waren Schweizer Anbieter deutlich im Nachteil.

Das Milchpulver ist schon heute deutlich teurer.
Riedener: Das stimmt, aber davon kann Emmi kaum profitieren, weil das Unternehmen in diesem Segment nicht stark vertreten ist. Emmi konzentriert sich im Export auf Käse und Milchfrischprodukte wie Quark, Joghurt, Milchgetränke und so weiter.

Wann werden sich die Preise für solche Produkte international angeglichen haben?
Riedener: Das ist schwierig zu sagen. Es dauert erfahrungsgemäss länger, bis Preiserhöhungen beim Rohstoff auf Käse und verarbeitete Milchprodukte durchschlagen. Es ist auch ungewiss, ob der aktuelle internationale Hype nachhaltig ist oder bald wieder verpufft. Ob Emmi von der Milchpreishausse effektiv mit Umsatzzunahmen profitieren kann, ist deshalb nicht sicher.

Trotzdem haben die Schweizer Milchbauern jüngst bereits eine Preiserhöhung durchgesetzt. Sind Sie überrascht über das Tempo der Preisanpassung?
Riedener: Es ist klar, dass sich auch die Schweiz den Gesetzen von Angebot und Nachfrage nicht entziehen kann. Die riesigen Milch- und Buttervorräte hierzulande und in der EU gehören der Vergangenheit an. Wenn also die Nachfrage für ein knappes Gut kurzfristig anzieht, müssen unmittelbar auch die Produzenten profitieren. Genauso rasch kann der Milchpreis im umgekehrten Fall aber auch wieder sinken.

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Emmi setzt heute 2,3 Mrd Fr. um. Wie gross kann das Unternehmen noch werden?
Riedener: Eine quantitative Zielgrösse zu nennen, ist schwierig. Viel wichtiger ist ein qualitatives und nachhaltiges Wachstum. Für ein solches gibt es eigentlich keine Grenzen.