Das Ja zum Brexit hat die Finanzakteure auf der ganzen Welt schockiert. Sie auch?
Schockiert war ich nicht wirklich. Wir hatten uns bei der Credit Suisse gut vorbereitet, haben mit beiden Szenarien geplant und waren gut positioniert.

Beim Ja rechneten Sie mit Turbulenzen?
Wir wussten, dass ein Brexit die Volatilität massiv erhöht und dass auf die Märkte grosse Schwierigkeiten zukommen würden. Finanzmärkte mögen Unsicherheit nicht. Jetzt ist es ganz offensichtlich so, dass in Grossbritannien niemand einen ernsthaften Plan für die Zukunft hat, nicht einmal diejenigen, die für den Brexit gekämpft haben.

Bis Mittwoch verlor die CS-Aktie 20 Prozent, mehr als die UBS oder Julius Bär.
Wir stehen mit unseren Verlusten im Mittel der europäischen Banken, sind also keine Ausreisser. Es war klar, dass Finanztitel bei einem Brexit am meisten unter Druck geraten.

Der Markt hat recht?
Wir haben eine starke Überreaktion gesehen. In den nächsten Monaten wird es eine Entspannung geben. Viele Aktionäre – etwa Harris Associates ...

Harris hält 9 Prozent an der Credit Suisse.
... haben die schwierige Situation in den letzten Monaten regelmässig auch als Kaufgelegenheit gesehen.

Kurzfristig hat der Finanzplatz Schweiz unter dem Brexit gelitten. Können Zürich und Genf mittelfristig von der Unsicherheit in London profitieren?
Ich sehe durchaus auch positive Elemente. Die Vermögensverwaltung in der Schweiz wird von der länger andauernden Unsicherheit profitieren und ihren Ruf als Safe Haven stärken.

Trotz den Turbulenzen an den Finanzmärkten und einer Werthalbierung der CS-Aktien seit Anfang Jahr wirken Sie ziemlich entspannt, jedenfalls nicht zerknirscht. Sieht man die Bilder von Trading Floors, hat man aber den Eindruck, die Hektik ähnelt der Krise von 2008, als die Finanzkrise losbrach.
Ich bin nie ganz entspannt, aber auch nie wirklich zerknirscht. Klar ist die aktuelle Situation herausfordernd. Wer so tut, als sei die momentane Lage angenehm, ist nicht ehrlich. Der Druck auf die Firmen ist gross, der Druck auf auf Banken ist gross und speziell der Druck auf unsere Bank ist gross. Schliesslich stecken wir mitten im strategischen Umbau.

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Der Aktienkurs zeigt, dass die Investoren und die Öffentlichkeit nicht überzeugt sind von Ihrer Strategie.
Wir haben mit vielen Investoren, auch mit unseren Grossinvestoren, sehr intensiv über die Strategie geredet und tun dies in einem permanenten Prozess weiterhin. Da gibt es keinen strategischen Dissens.

Tönt fast zu schön, um wahr zu sein.
Klar gibt es bei einigen Investoren Fragen, etwa was einzelne Umsetzungsschritte in der Schweiz oder in Asien betrifft. Das ist selbstverständlich, eine 100-prozentige Übereinstimmung in allen Punkten wird es kaum geben. Aber keine Firma würde eine derartige Umstrukturierung durchführen ohne das Okay der Aktionäre. Diese stehen hinter der Strategie.

Ein wichtiger Teil der neuen Strategie ist der Börsengang der Schweizer Einheit, den Sie für das dritte oder vierte Quartal 2017 geplant haben – wenn das Marktumfeld dann stimmt. Ist das noch realistisch? 
Der Plan steht. Wir prüfen, wie angekündigt, die Situation 2017, und laut Planung folgt der Börsengang im dritten oder vierten Quartal.

Und wenn die Post-Brexit-Unsicherheit anhält: Wer will in unsicheren Zeiten in eine neue Bank investieren?
Die Credit Suisse ist eine der ältesten Banken in unserem Land und die Schweizer Universalbank in jedem Fall ein sehr attraktives Asset, in das zu investieren es sich lohnt. Davon bin ich überzeugt. Das zeigt sich ja auch in den Geschäftszahlen. Und weil, wie ich ja schon gesagt habe, der Finanzplatz Schweiz generell Potenzial hat, vom Ruf als Safe Haven zu profitieren, hilft der Brexit auch unserer Schweizer Universalbank über die mittlere Frist.

Sind Sie mit der Leistung von  Gruppen-CEO Tidjane Thiam zufrieden? Sein Rücktritt ist in den Medien ein Thema.
Ich bin – wie der gesamte Verwaltungsrat   – überzeugt, dass er der richtige Mann für diese Aufgabe ist. Er hat die richtigen Massnahmen ergriffen und wird dies weiter tun.

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